Der Spiegel eines Landes, das sich wie reich ausgibt
Wie viel muss man verdienen, um sich einen Tesla, ein Carbon-Fahrrad für 6.000 Euro und eine Hypothek zu leisten, die zum denkbar schlechtesten Zeitpunkt abgeschlossen wurde? Die Antwort, die die wirtschaftliche Debatte der letzten Wochen prägt, ist unbequem: In Spanien finanzieren immer weniger Menschen ihren Lebensstil nicht mehr aus dem Gehalt, sondern aus Schulden. Der Fall, der diese Diskussion auslöst, betrifft einen Nationalpolizisten (Policía Nacional) mit zwei Töchtern, einer arbeitslosen Frau und etwa 2.000 Euro Netto monatlich plus zwei Sonderzahlungen von knapp über 1.000 Euro. Er kauft im falschen Moment, trägt eine hohe Hypotheklast, seine Frau fährt einen Ibiza, und trotzdem fährt er selbst einen Tesla und geht jedes Wochenende mit einem 6.000-Euro-Rad raus. Seine Eltern helfen ihm bei den Kosten für die Privatschule der Kinder. Im Dezember erklärt er sich gestresst, weil er nicht weiß, woher er Geld für Geschenke und Essen nehmen soll.
Die Frage, die hinter allem steht, ist nicht, ob dieser konkrete Mann unverantwortlich handelt. Es ist die Frage, ob sein Lebensstil seinen Einnahmen entspricht. Die überwiegende Mehrheit sagt Nein, und das Problem liegt nicht bei ihm: Es liegt an einem Modell, das Kredit zur einzigen Möglichkeit gemacht hat, den Schein einer Mittelschicht aufrechtzuerhalten.
Was ein Nationalpolizist wirklich verdient
Der erste Aspekt der Analyse ist das Gehalt. Manche behaupten, die genannten Zahlen seien falsch dargestellt, und dass ein Nationalpolizist mit Ehepartner und Kindern deutlich mehr als 2.000 Euro netto pro Monat verdient; diese Summe passe eher zu einem ledigen Beamten ohne angesammelte Dienstjahre. Andere differenzieren nach Betriebszugehörigkeit: Ein Provinzpolizist mit zwanzig Jahren Dienstzeit kommt auf rund 2.400–2.500 Euro netto, und in großen Städten mit besseren Eingruppierungen sind 2.600–2.700 Euro keine Seltenheit. Ein voller Dezembermonat – Gehalt, Sonderzahlung, Nachzahlungen und Produktivitätsprämien – kann 5.200 Euro auf dem Konto hinterlassen.
Die Rechnung ändert sich grundlegend, wenn man das Paar betrachtet. Zwei Nationalpolizisten in einer Provinz, die nicht zu den vier oder fünf teuersten Gebieten gehört, kommen zusammen auf etwa 5.000 Euro netto verteilt auf 14 Zahlungen. Dies, so wird argumentiert, platziert sie unter den höchsten Einkommen der Region, fast auf dem Niveau eines Arzt-Pflege-Paares, abgesehen von altem Familienvermögen. Und es ist nicht nur das Gehalt: Hinzu kommen vorteilhafte Finanzierungsbedingungen und Vereinbarungen mit Banken für Hypotheken, Lohnvorschüsse und günstige Kredite. Die Konsequenz ist vorhersehbar. Wie es in einer Wortmeldung zusammengefasst wird: „Sie verschulden sich blind.“
Kredit als Ersatz für das Gehalt
Hier liegt der Kern des Problems. Das Gehalt finanziert den Lebensstandard nicht; die Schulden tun es. Und die Schulden werden bedient, weil der Arbeitsplatz stabil ist. Wer im Privatsektor 2.000 oder 3.000 Euro verdient, kann sich dieselbe Struktur nicht leisten, denn die Bank gewährt ihm nicht dieselben Konditionen und er hat nicht dieselbe Gewissheit, morgen noch bezahlt zu werden. Der Beamte schon. Er weiß, dass er seinen Job nicht verlieren wird und dass er früher oder später alles zurückzahlen kann, was er unterschreibt.
Diese Differenz erklärt, warum die Überschuldung sich auf ein bestimmtes Profil konzentriert. Es ist keine Frage der individuellen Sarracena: Es ist so, dass der Zugang zu günstigem Kredit das öffentliche Gehalt in eine dauerhafte Garantie verwandelt. Und als der Euribor bei 1,25 % lag – wie manche Berechnungen erinnern –, ging die Rechnung auf. Bei höheren Geldkosten hält dieselbe Struktur viel schlechter stand.
Die Falle der Mittelschicht: Weder reich noch arm
Der zweite große Aspekt der Analyse ist konzeptioneller Natur. Ein großer Teil der Arbeiterschicht, die vom Gehalt lebt, schaut weg, hebt das Kinn und denkt: Ich gehöre vielleicht nicht zur Oberschicht, aber sicher nicht zu denen, die auf der Straße schlafen. Dann doziert sie. Diese Illusion hat in der Wirtschaftssprache einen Namen: Pose-Mittelschicht.
Die operative Definition, die verwendet wird, ist härter. Oberschicht ist, wer Vermögen hat, das für ihn arbeitet, bezahltes Haus und Zweitwohnsitz sowie Investitionen, die seinen Lebensstandard ohne Arbeitserfordernis stützen. Mittelschicht ist, wer ein gutes Gehalt, eine abbezahlte Wohnung, zwei Autos und investierte Ersparnisse hat und eine Weile arbeitslos bleiben kann, ohne in Panik zu geraten. Unterschicht ist, wer die Hälfte des Gehalts für Miete oder Hypothek ausgibt, ein altes Auto oder einen Dacia fährt und nur wenige Gehälter von der Bedürftigkeit entfernt ist. Alles andere ist etwas anderes.
Nach diesem Maßstab ist ein Polizist mit 2.000 Euro netto, zwei Kindern und einer hohen Hypothek keine Mittelschicht. Er ist eine verschuldete Arbeiterschicht. Und sie Mittelschicht zu nennen, so wird argumentiert, ist Teil des Problems: Es verhindert, dass man sieht, woher das Geld wirklich kommt.
Immobilien fressen das Gehalt auf
Es gibt einen unbequemen Konsens in der Grunddiagnose: Was die Einnahmen auffrisst, ist der Wohnraum. Miete oder Hypothek beanspruchen den größten Teil des Gehalts und lassen dem Arbeitnehmer keinen Spielraum für anderes. Wer das Haus abbezahlt hat und als Paar 4.000–5.000 Euro zusammenbekommt, kann sich fast alles leisten, mit laufenden Kosten, die unter 600 Euro monatlich für Strom, Wasser, Müllabfuhr, Kraftstoff, Versicherungen, Gemeinschaftskosten, Internet und Essen liegen. Wer kein Haus hat, lebt schlechter als sein Vater im gleichen Alter.
Die demografische Konsequenz ist offensichtlich: Die Preise sind für Familien mit zwei Gehältern kalkuliert, sodass ein Single mit gutem Job heute oft als Unterschicht gilt, obwohl er vor Jahren als Mittelschicht eingestuft worden wäre. Und wer kein Wohneigentum besitzt, auch wenn er mehr spart und investiert als 90 % seiner Altersgruppe, räumt weiterhin ein, zur Unterschicht zu gehören, denn Eigentum ist die Grenze.
Warum hält der Staat dieses Gleichgewicht aufrecht?
Die politischste Lesart des Phänomens weist auf die Rolle des öffentlichen Sektors hin. Insofern sich der Staat über Schulden finanziert, die die nationale Autonomie belasten, und insofern diese Schulden dazu dienen, die öffentlichen Gehälter zu zahlen, die den sozialen Frieden wahren, hat der Staat ein klares Interesse daran, jene zu stützen, die ihn stützen. Um jeden Preis. Dieser Geldschub – öffentliche Gehälter, Renten – ermöglicht es, dass der Konsum nicht zusammenbricht. Ohne ihn wäre das Szenario sehr anders.
Daraus ergibt sich auch die Frage, wer die Party bezahlt. Die Einkommensteuer (IRPF), die Mehrwertsteuer (IVA), die Grundsteuer (IBI), die Kfz-Steuer, Sondersteuern, die Müllabfuhrgebühr und die Zuschläge für Strom, Wasser und Gas werden abgezogen, bevor das Gehalt auf dem Konto eingeht. Danach blickt derselbe Steuerzahler nach oben und fragt sich, wer ihm eingeredet hat, er sei Mittelschicht, während er ihn zwang, wie ein Armer zu leben.
Der Fall des Sicherheitsbeamten und andere Spiegelbilder
Das Muster ist nicht exklusiv für Polizeikräfte. Ein weiterer kursierender Fall: Ein vierzigjähriger Sicherheitsbeamter, geschieden, mit einer sechsjährigen Tochter, der mit einer Frau zusammenlebt, die ebenfalls ein Kind aus einer früheren Beziehung hat. Er zahlt keine Miete, weil er in einer Wohnung lebt, die ihm seine Eltern überlassen haben. Trotzdem ist er vollständig überschuldet, mit mehreren Krediten und Kreditkarten. Konzerte, Reisen, Kreuzfahrten, eine Drohne, 500 Euro für Geschenke für die Tochter, ein Elektroauto und ein größeres Fahrzeug für die Wohnwagen-Ausflüge. In kleinen, arbeitenden Gemeinden ist dieses Verhalten an der Tagesordnung.
Die daraus gezogene Schlussfolgerung ist, dass das Problem nicht darin besteht, wie viel man verdient, sondern wie viel man glaubt, ausgeben zu dürfen. Und die Antwort auf diese zweite Frage liefert der Kredit, nicht das Gehalt.
Was passiert, wenn der Kredit versiegt?
Das Szenario, das sich abzeichnet, wenn der Hahn zugedreht wird, ist eine Welle von Zwangsversteigerungen von Häusern und Autos. Viele dieser Lebensstandards werden durch die Renten und Ersparnisse der Eltern sowie durch einen rechtlichen Rahmen getragen, der es erlaubt, den Konsequenzen eigener Entscheidungen zu entgehen und sie auf andere abzuwälzen: Gesetze zur zweiten Chance, unpfändbares Mindesteinkommen, Schuldentilgung durch Übergabe der Immobilie, Insolvenzverfahren und Befreiungen, steuerliche Ausnahmen. Wenn das System die Kosten individueller Fehler sozialisiert, verschwindet der Anreiz, sie zu vermeiden. Und dann überlegt selbst der Vorsichtigste, 60.000 Euro für ein Auto auszugeben.
Die letzte Ironie ist, dass derselbe Mensch, der sich im Dezember wegen der Geschenke stresst, einen Dreißigjahresplan hat: die Hypothek abzuzahlen. Wenn er fertig ist, hat die Regierung eine neue Methode erfunden, ihm das Übrige wegzunehmen. Ein einfacher Arbeiter zu sein bedeutet, zu leben, damit man dir nimmt, was du erwirtschaftest. Und währenddessen steht der Tesla weiter vor der Tür.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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