Politischer Streit in Spanien: Jede Tragödie wird zu Wahlkampfmunition

Im Forum werden PP, PSOE und Vox kritisiert, weil sie Tragödien ausnutzen – doch die Empörung richtet sich schnell gegen den, der sie äußert.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Politischer Streit in Spanien: Jede Tragödie wird zu Wahlkampfmunition
Wenn die Leiche zum Slogan wird

Es gibt eine Szene, die sich wiederholt und die kaum jemand auszusprechen wagt: Politiker aller Lager betreten dieselbe tragische Bühne, die Rede bereits geschrieben, bevor die Gerichtsmediziner eintreffen. Der Vorwurf ist alt und zieht sich durch das gesamte politische Spektrum. PP, PSOE und Vox stehen im selben Satz, ohne Hierarchie, wann immer es darum geht, aus dem Leid anderer Kapital zu schlagen. Die Anschuldigung macht keinen Unterschied zwischen den Parteien: Sie richtet sich gegen eine Methode.

Die Diagnose von der Straße lautet, dass die spanische Politik das Unglück in wahlpolitisches Rohmaterial verwandelt hat. Das ist kein isolierter Eindruck. Der dahinterstehende Verdacht: Die Schweigeminute ist zu einer Wahlkampfveranstaltung geworden, und das Beileid wird nach dem Kalender dosiert.

Der 11M als Präzedenzfall, an dem niemand loslässt

Der Verweis auf den 11M (die Madrider Zuganschläge von 2004) erscheint als Gründungsepisode dieser Art von Politik. Es wird behauptet, jenes Ereignis habe einen Bruch im Umgang mit der Erzählung markiert und die spanische Politklasse agiere seither mit einer Dreistigkeit, wie man sie in anderen Ländern nicht sehe. Die Behauptung ist pauschal und angreifbar, aber sie erklärt, warum sich der Vorwurf nicht gegen eine einzige Partei richtet.

Das eigentliche Argument: Die Instrumentalisierung der Opfer ist kein einmaliger Ausrutscher, sondern ein über zwei Jahrzehnte verfeinertes Mobilisierungsinstrument. Wer sie heute von der einen Seite anprangert, hat sie zuvor meist von der anderen praktiziert.

Der Vorwurf, der gegen den zurückkehrt, der ihn erhebt

Die Diskussion dreht sich schnell. Mehrere Antworten erinnern den Verfasser des Beitrags an frühere Episoden und weisen darauf hin, dass seine Empörung verspätet kommt. Der Vorwurf wird zurückgespielt: Wer den parteiischen Umgang mit einer Tragödie anprangert, tut dies möglicherweise ausgerechnet aus parteiischer Berechnung. Das Ergebnis ist eine Schleife, in der niemand zugibt, die Opfer benutzt zu haben, und alle sehen es beim anderen.

Manche verlagern den Vorwurf sogar auf die persönliche Ebene und schreiben dem Verfasser des ursprünglichen Beitrags eine bestimmte ideologische Gesinnung zu, um seine Kritik zu diskreditieren. Das ist der klassische Mechanismus: Hat der Bote einen Partei-Ausweis, gilt die Botschaft nichts. Die Folge ist, dass die Debatte über die Instrumentalisierung der Toten selbst zu einem weiteren Teil dieser Instrumentalisierung wird.

Der einzige Konsens: Alle ekeln einen an

Paradoxerweise ist der einzige Punkt der Übereinstimmung der pessimistischste. Der Gedanke, dass die Politklasse als Ganzes Abstoßung erzeugt, taucht in immer neuen Formulierungen auf. Niemand kommt davon. Die Kritik unterscheidet nicht zwischen Regierung und Opposition: Sie richtet sich gegen das gesamte System, das als Maschine wahrgenommen wird, die zum Funktionieren Leichen braucht.

Dieser Konsens ist eine Falle. Er dient dazu, nicht wählen zu müssen, keine konkreten Verantwortlichkeiten zu benennen und die Klage im Niemandsland der allgemeinen Empörung zu belassen. Wenn alle gleichermaßen schuldig sind, ist niemand schuldig.

Die Frage, die in der Luft bleibt

Wenn die wahltaktische Nutzung des Leids so offensichtlich und so verurteilt ist – warum funktioniert sie dann weiterhin? Vielleicht, weil die Wählerschaft darauf reagiert, während sie sie anprangert. Oder vielleicht, weil der Vorwurf selbst zur profitabelsten Geste von allen geworden ist: zu derjenigen, die es erlaubt, empört zu sein, ohne die eigene Erzählung aufzugeben.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (16 Antworten).

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