Playmobil beendet Produktion in Spanien nach Umsatzrückgang

Playmobil schließt die Fertigung im spanischen Onil nach 48 Jahren. Die Belegschaft schrumpft von 66 auf 20 Mitarbeiter, da der Umsatz 2023 um 25 % einbrach.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Playmobil beendet Produktion in Spanien nach Umsatzrückgang
Onil verliert Clicks: Playmobil schließt Fabrik nach 48 Jahren

Playmobil hat 48 Jahre gebraucht, um Onil zu verlassen, und nur wenige Monate, um das verbleibende Inventar abzuwickeln. Die spanische Tochtergesellschaft hat die Produktionsaktivitäten in der Stadt in der Provinz Alicante, dem Zentrum des sogenannten Spielzeugtals, endgültig eingestellt. Dies geschah mit einer auf 20 Mitarbeiter reduzierten Belegschaft: Der Filialbetrieb ging im letzten Jahr von etwa 66 Beschäftigten auf kaum zwanzig zurück.

Der erste Stellenabbau betraf 26 Arbeitsplätze in der Fertigung durch einen Sozialplan (ERE) und führte bereits im September des Vorjahres zum Stillstand der Produktion. Die zweite Anpassung, die mehr als zehn weitere Angestellte betraf, traf Verwaltung und Büros. In Onil bleiben lediglich die Zentrale und die Logistik für Spanien und Portugal bestehen. Keine einzige Fertigungslinie ist noch aktiv.

Eine Fabrik, die in zwei Schritten stillgelegt wird

Die Abwicklung erfolgte schrittweise, ohne eine umfassende Ankündigung. Zuerst wurde die Fabrik geschlossen: 26 Mitarbeiter aus der Fertigungsbelegschaft wurden entlassen, während die Produktion bereits ruhte. Als keine Produktion mehr vorhanden war, die neu organisiert werden musste, folgte die Anpassung der Verwaltungsstruktur an die tatsächliche Größe des Geschäfts, was zu einem weiteren Abbau von über zehn Stellen führte.

Der spanische Betrieb ist kein Einzelfall. Die Eigentümerfamilie Geobra Brandstätter kündigte Ende des Vorjahres den Abbau von 700 Arbeitsplätzen aufgrund sinkender Umsätze mit ihren Figuren an. Die spanische Filiale setzt ihren Teil dieses globalen Sparprogramms genau dort um, wo sie einst gegründet wurde. Das historische Unternehmen Famosa beschäftigte zeitweise über 2.000 Mitarbeiter in seiner Fabrik in Onil.

Von Famobil zu Playmobil Ibérica: Ein halbes Jahrhundert im Spielzeugtal

Die Geschichte beginnt 1974, als die spanische Firma Famosa (Fabricas Agrupadas de Muñecas de Onil SA) auf der Nürnberger Spielwarenmesse mit dem deutschen Hersteller einen Vertrag abschloss, der zur Entstehung der berühmten Clicks führte. Beide gründeten das Joint Venture Famobil, unter dessen Marke die beliebten Figuren erstmals in Spanien vertrieben wurden.

1983 wurde die Tochtergesellschaft Playmobil Ibérica mit beiden Partnern gegründet, und die Figuren erhielten weltweit denselben Namen. Famosa stieg 2004 aus dem Aktionariat aus, als es 50 % hielt, kurz bevor das Unternehmen an Risikokapitalfonds verkauft wurde. Nostalgie gehört dazu: Wie sich Forennutzer erinnern, kostete das legendäre Piratenschiff, das dank eines inneren Stahlstabs stabil in der Badewanne schwamm, in den Achtzigern etwa 20.000 Pesetas.

Warum brechen die Verkäufe bei traditionellem Spielzeug ein?

Weniger Kinder, mehr Bildschirmzeit und weniger Kauforte. Der Umsatz des Unternehmens sank allein im Jahr 2023 um 25 %. Dieser Einbruch verschärft eine globale Krise der Branche: Das Scheitern von Toys R Us in den USA hatte Auswirkungen auf den spanischen Einzelhandel, wie Imaginarium oder Poly zeigen, und die Welle von Fabrikschließungen erreichte auch die Städte im alicantinischen Tal, von Ibi über Tibi bis Onil und Castalla.

Manche argumentieren anhand ihrer eigenen Familienbilanzen, dass das Problem tiefer liegt als die Nachfrage: In den Neunzigern verkaufte ein reines Spielzeuggeschäft ganzjährig gut und erlebte zu Dreikönigstag (Reyes) einen Boom, während solche Läden heute im Viertel selten sind. Andere sehen den Fokus auf häuslicher Freizeit: Kinder erhalten immer früher Zugang zu Smartphones und Tablets, und mit acht Jahren haben viele traditionelles Spielzeug bereits zugunsten von Konsolen in der Ecke gelassen.

Ein dritter Ansatz betrachtet das Geschäftsmodell. Wenn die Herstellung jeder Figur Cent-Beträge kostet und sie für mehrere Euro verkauft wird, funktioniert das Geschäft nur über Volumen; bricht das Volumen weg, rettet kein Marge mehr das Ergebnis. Dies erklärt, warum physisches Spielzeug nicht schlecht gemanagt wurde, sondern seinen Marktanteil verlor.

Für Forum-Nutzer: LEGO wusste Erwachsene anzusprechen; Playmobil kam zu spät

Der Vergleich mit LEGO zieht sich durch alle Diskussionen. Der dänische Hersteller baute einen riesigen Sammlermarkt auf, basierend auf Lizenzen und erwachsenen Fans. Playmobil zog mit Sets aus Star Trek, Ghostbusters oder Zurück in die Zukunft nach, ergänzt durch eine bemerkenswerte historische Linie — Landsknechte, Grenadiere, Zumalacárregui —, die Sammler anspricht, aber das spielende Kind nicht ersetzt.

Um das spanische Spielzeug rankt sich zudem eine konkurrierende Archäologie der Nostalgie: Airgam Boys, Tente, Soldaten-Tütchen von Montaplex. Mehrere Generationen wuchsen damit auf, Maßstäbe und Marken auf dem Wohnzimmer-Teppich zu mischen, doch auch dieses Ökosystem erlosch fabrikweise.

Die häufigste Diagnose lautet, dass das Spielzeug in den Neunzigern veraltet ankam, gerade als der Wettbewerb um Aufmerksamkeit digital wurde. Nostalgie und Sammeln stützen einen Teil des Geschäfts, kompensieren laut einigen Teilnehmern jedoch nicht den Volumerverlust: Wenn diese Käufergeneration wegfällt, ist kein Ersatz in Sicht.

Übrig bleibt Onil mit seiner Zentrale, seinem Lager und zwanzig Mitarbeitern sowie einer Frage, die die Branche seit Jahren unbeantwortet lässt: Ist dies das Ende eines Kapitels oder die Vorwarnung für den Rest des in Spanien hergestellten Spielzeugs?

Auch verfügbar auf: English

Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (210 Antworten).

Weitere Zusammenfassungen

Alle Zusammenfassungen auf Deutsch →

-
Volver