Peskow räumt Kriegszustand ein, Gesetz bleibt unverändert

Kreml-Sprecher Peskow erklärt, Russland befinde sich im Kriegszustand, präzisiert aber kurz darauf, dass der Begriff 'Spezialoperation' rechtlich weiter gilt.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Peskow räumt Kriegszustand ein, Gesetz bleibt unverändert
Russland erkennt den Krieg an, ändert aber nicht die rechtliche Bezeichnung

Ein Kreml-Sprecher spricht das Wort „Krieg“ aus und stellt Stunden später klar, dass sich an den offiziellen Dokumenten nichts geändert hat. Diese beiden Bewegungen fassen den Tag zusammen. Dmitri Peskow, Pressesekretär des Präsidenten der Russischen Föderation, erklärte gegenüber Journalisten von aif.ru, dass sich das Land im Kriegszustand befinde und „jeder dies für die innere Mobilisierung verstehen muss“. Das Wort, das monatelang vom offiziellen Vokabular gemieden wurde, kam aus dem Mund des Mannes, dessen einzige Aufgabe es ist, jedes Wort sorgfältig zu wählen. Stunden später präzisierte er in einem Telefongespräch mit Journalisten, dass der Konflikt de facto zum Krieg geworden sei, aber weiterhin als militärische Spezialoperation eingestuft wird und sich daran nichts geändert habe.

Was Peskow sagte und warum es wichtig ist

Der Sprecher rechtfertigte die russische Position auf zwei Ebenen. Erstens territorial: die Verteidigung der vier neuen föderalen Subjekte und die Befreiung des Gebiets, das er als „de facto vom Kiewer Regime besetzt“ beschrieb. Zweitens strategisch: Russland kann, so sagte er, nicht zulassen, dass an seinen Grenzen ein Staat existiert, der dokumentiert die Absicht hat, die Krim „mit allen Mitteln“ zurückzuerobern. Von dort zum unbequemen Begriff war es nur ein Schritt, und er ging ihn: „Wir sind im Kriegszustand. Ja, es begann als militärische Spezialoperation, aber sobald diese Gruppe entstand und der kollektive Westen auf der Seite der Ukraine Teil davon wurde, wurde dies für uns bereits zum Krieg.“ Er schloss mit „davon bin ich überzeugt“, was den Satz in eine Anweisung verwandelte: innere Mobilisierung.

Die Nuance, die das Wort Krieg entschärft

Hier kommt die nützliche Widersprüchlichkeit. In einem späteren Telefonkontakt mit Journalisten stellte derselbe Sprecher klar, dass der Konflikt zwar de facto zum Krieg geworden sei, rechtlich in Russland aber weiterhin als militärische Spezialoperation klassifiziert werde und sich daran nichts geändert habe. Übersetzt in diplomatische Sprache: Der Ton verschärft sich, die juristische Architektur bleibt statisch. Und dieser Abstand ist nicht nur kosmetisch. Der Rechtsrahmen entscheidet darüber, ob der Staat seine Bevölkerung ohne andere Rechtfertigung als einen Erlass einziehen kann oder ob jede neue Einberufung als etwas anderes als ein Krieg begründet werden muss.

Konsequenzen einer Erklärung des Kriegszustands

Die naheliegende Lesart ist, dass größere Worte größere Konsequenzen haben. Für einen Teilnehmer der Debatte würde die Erklärung des Kriegszustands bedeuten, alle Personen ab 18 Jahren zu mobilisieren und die Produktionsmittel zu militarisieren; dafür wäre die Veröffentlichung eines entsprechenden Erlasses nötig. Nichts dergleichen ist geschehen. Daher neigt ein Teil der Analyse dazu, die Ankündigung als Signal nach innen zu lesen – als Vorbereitung der Bevölkerung auf eine lange Anstrengung – und weniger als Änderung des rechtlichen Status. Das Vokabular verhärtet sich genau in dem Bereich, in dem es noch keine Verpflichtungen auferlegt.

Vom „Alles läuft gut“ zur Skepsis

Ein Echo ist das von Saddam Hussein und seiner „Mutter aller Schlachten“: große Worte vor einem Ausgang, der nicht folgte. Manche behaupten, solche Ankündigungen dienten dazu, Angst zu schüren und dann zu kassieren, wobei sie auf die Erfahrung mit Gesundheitsbeschränkungen als jüngstes Beispiel verweisen und das Gefühl, dass öffentliches Geld fremde Löcher stopft. Eine andere Strömung erinnert an die in Europa angewandten Gesundheitsbeschränkungen und argumentiert, dass es damals keinen solchen Skandal gab. Eine dritte, unangenehmere Sichtweise weist auf Doppelstandards hin: Wenn man mit Terrororganisationen dialogisiert hat, warum verhandelt man dann nicht mit Moskau? Es gibt keinen Konsens, und dieser Mangel an Konsens ist vielleicht der ehrlichste Datenpunkt in der Angelegenheit.

Russland hat ebenfalls eine Kriegswirtschaft

Gegen die Erzählung eines am Rande des Zusammenbruchs stehenden Ukraines weist ein anderer Analyseblock darauf hin, dass Russland seit geraumer Zeit in einer Kriegswirtschaft operiert, einem Format, das gerade erlaubt, reale Zahlen zu verschleiern. Die daraus gezogene Schlussfolgerung ist für beide Seiten unangenehm: Die russischen Daten wären nicht besser als die spanischen, wo öffentliche Ausgaben ähnliche Löcher verdecken. Wenn das stimmt, ist die Ankündigung des Sprechers kein Beweis für Stärke, sondern das Gegenteil.

Die europäische Rechnung: Gesundheit oder Investmentfonds

Die andere Front, die die Ankündigung öffnet, ist die westliche Reaktion. Hier lautet die kursierende Frage eine der häuslichen Arithmetik: Die europäischen Regierungen müssen sich entscheiden, ob sie akzeptable soziale Dienstleistungen, Gesundheit und Bildung für ihre Bürger aufrechterhalten oder die Taschen von JP Morgan und BlackRock füllen. Es ist eine grobe Art, das Dilemma zwischen Sozialausgaben und Verteidigungsausgaben darzustellen, beschreibt aber gut das Terrain, auf dem die nächste Haushaltsdebatte in halb Europa stattfinden wird. Wer glaubt, die Rechnung bleibe im Donbas, wird sich wundern.

Peskow hat die Lautstärke erhöht, ohne ein einziges Papier zu bewegen. Russland befindet sich nach seinen Vorschriften weiterhin in einer militärischen Spezialoperation. Wenn das Wort „Krieg“ dient, um zu mobilisieren, ohne tatsächlich zu mobilisieren, was wird nötig sein, damit das Gesetz aufhört, so zu tun, als hätte es es nicht gehört?

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (121 Antworten).

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