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Paraguays Präsident tritt wegen Fondsmissbrauchs zurück
Santiago Peña tritt wegen mutmaßlicher Veruntreuung öffentlicher Gelder zurück, doch der Senat verzögert die Annahme, um seine Immunität zu verhindern.
Paraguays Präsident tritt wegen Fondsmissbrauchs zurück
Kann man zurücktreten und gleichzeitig versuchen, die Immunität zu behalten? Das ist im Großen und Ganzen das Dilemma in Paraguay, nachdem Santiago Peña nach einem Skandal um die angebliche Veruntreuung öffentlicher Gelder in eine private Gesellschaft seinen Rücktritt eingereicht hat. Die Nachricht lässt viele unbeantwortete Fragen und eine unangenehme Gewissheit zurück: Der Senat scheint es nicht eilig zu haben, diesen Rücktritt zu bearbeiten.
Der Grund ist nicht juristisch elegant. Nach den kursierenden Berichten könnte Peña bei einer Annahme des Rücktritts als Altpräsident eine lebenslange Immunität beanspruchen und sich so dem Urteil der ordentlichen Gerichte entziehen. Der Trick liegt also nicht im Gehen, sondern darin, wie man geht. Der Rücktritt schwebt in der Luft, während die Legislative entscheidet, ob sie einen Zug machen soll.
Was ist die Partido Colorado und warum ist sie wichtig?
Peña ist weder ein Neuling noch ein importierter Milei-Anhänger. Er gehört zur Partido Colorado (Rote Partei), der Maschinerie, die Paraguay seit den Zeiten von Stroessner mit nur vier kurzen Unterbrechungen regiert. Es ist nicht die liberale Apparatur, die manche sehen wollen; es ist einfach die Apparatur. Das verändert die Lesart des Skandals.
Wirtschaftlich gesehen hat Paraguay sehr niedrige Steuern, mit einem einheitlichen Satz von 10 % auf persönliche Einkommensteuer und 10 % MwSt. Aber das ist kein Lehrbuch-Liberalismus: Es ist ein Staat, der keine Einnahmen generiert, weil er es nicht kann. Die Schattenwirtschaft ist die Norm, und die Elite der Colorado lebt von Soja, Rindfleisch und der Wasserstraße Hidrovía. Den Abbau dieses Oligopols wäre echter Liberalismus; niemand hat ihn angefasst.
Das Rentensystem ist nicht das, was man erzählt
Es gibt die Vorstellung, dass Paraguay ein gemischtes Rentensystem hat und dass das Geld der Rentner in eine Bank gesteckt wurde, die pleiteging, sodass sie ohne Rente dastehen. Diese Prämisse ist grundsätzlich falsch. Paraguay hat das IPS, ein klassisches öffentliches Umlagesystem, defizitär und jahrzehntelang geplündert. Private Kapitalisierungsfonds sind Sache Chiles und Perus. Paraguay mit Chile zu verwechseln ist, als würde man VOX mit der PNV verwechseln.
Die Geschichte über die pleitegegangene Bank klingt nach einer Anekdote aus dem riesigen Sektor der genossenschaftlichen Banken in Paraguay, wo einige Institute gescheitert sind, nicht nach einem systemischen Merkmal eines gemischten Modells. Ohne Nennung der Institution und Aktenlage ist es bloß Stammtischgerede. Was stimmt, ist, dass VOX in Spanien ein gemischtes Rentensystem vorschlägt, und dort steht die Debatte über Kapitalisierung und Investmentfonds bereits auf der Tagesordnung.
Treffen mit Milei und Abascal: Pose oder echte Nähe?
Peña hat sich mit Javier Milei und Santiago Abascal getroffen, und die Fotos wurden über die offiziellen Kanäle der argentinischen Präsidentschaft verbreitet. Die Szene mit Milei, Abascal und dann Ayuso, gleiche Kleidung und Geste, hat leichte Witze befeuert. Doch jenseits der Geste stellt sich die Frage, ob diese Treffen eine echte ideologische Nähe implizieren oder bloße internationale Pose sind.
Kurze Antwort: Pose. Paraguay ist kein liberales Laboratorium, es ist Caciquismo (Herrschaft lokaler Machthaber) mit Flagge. Die Treffen dienen dem Foto und der Erzählung, nicht dem Export eines Wirtschaftsmodells, das dort nicht existiert. Die Erzählung vom „paraguayischen Modell“, das Milei als Beispiel für Wirtschaftspolitik lobte, hält schlecht stand, wenn das Land auf Basis von Soja und Rindfleisch wächst und der Staat keine Einnahmen erzielt.
Was passiert nun mit dem Rücktritt?
Der paraguayische Senat weigert sich, den Rücktritt zu bearbeiten, und lässt die Angelegenheit in einem Schwebezustand, der dem Zurücktretenden zugutekommt. Wenn er nicht bearbeitet wird, bleibt Peña Präsident. Wenn er bearbeitet wird, könnte er die lebenslange Immunität erhalten. In beiden Szenarien verliert der Bürger, der Rechenschaft erwartet.
Die übergreifende Frage ist, ob der Skandal vor Gericht endet oder in institutioneller Vergessenheit. Da der Colorado-Apparat die Institutionen kontrolliert, ist Letzteres das wahrscheinlichste Ergebnis. Währenddessen nutzt die internationale liberale Erzählung Paraguay weiterhin als Schaufenster. Ironien des Lebens: Das Land, das keine Steuern einzieht, dient als Vorbild für jene, die Steuersenkungen versprechen.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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