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Otegi-Zitat entfacht Debatte über Migranten im Gastgewerbe
Ein Otegi zugeschriebenes Zitat darüber, wer ohne Migranten Kaffee servieren würde, eröffnet die Debatte über Löhne, Gastronomie und Beschäftigung in Spanien neu.
Otegi fragt, wer ohne Migranten Kaffee servieren würde
Wer hätte uns auf den Terrassen Kaffee serviert, wenn es keine Fremden gäbe? Die Frage, die Arnaldo Otegi zugeschrieben wird, hat ausgereicht, um eine Diskussion wieder zu eröffnen, die in Spanien nie ganz endet: diejenige, die Gastronomie, Löhne und Migration vermischt. Der Satz kursiert als sein Zitat und hat einen Sturm von Reaktionen ausgelöst, der vom Klassendenken bis zur wirtschaftlichen Analyse reicht und dabei auch die Erinnerung an den spanischen Arbeitsmarkt vor drei Jahrzehnten weckt.
Der Kern der Sache ist nicht neu. Die spanische Gastronomie stützt sich seit Jahren auf ein Paradoxon: Sie ist einerseits einer der Sektoren, die am meisten Beschäftigung generieren, und andererseits einer der schlechtest bezahlten. Wer das Zitat verteidigt, behauptet, dass die Terrassen ohne migratische Arbeitnehmer schließen würden. Wer es angreift, kontert mit einer unbequemereren Frage: Warum will niemand diesen Job machen?
Warum will niemand Kellner in Spanien sein?
Das am häufigsten wiederholte Argument in der Diskussion betrifft die Arbeitsbedingungen. Man verweist auf Schichten, die sich über acht Stunden hinausziehen, Dreimonatsverträge und Gehälter, die um die tausend Euro kreisen. Mit diesen Zahlen wäre das Problem nicht ein Mangel an Arbeitskräften, sondern ein Mangel an Anreizen. Die Gastronomie ist zum perfekten Beispiel eines Arbeitsmarktes geworden, der Einheimische ausschließt und Neuankömmlinge absorbiert.
Manche gehen weiter und vergleichen es mit der Mechanisierung der Landwirtschaft. Früher zogen Maultiere die Pflüge; heute tun es Traktoren. Früher bedienten einheimische Kellner; heute tun es Migranten. Die Analogie, die in der Diskussion kursiert, hat ihre Logik und ihre Falle: Ein Traktor muss weder Miete zahlen noch essen.
Der Geist der Neunziger und die Nostalgie nach Vollbeschäftigung
Ein Teil der Analyse blickt mit Melancholie zurück. Es wird behauptet, dass es in den Neunzigern keine „Sackgassen-Jobs“ gab und Millionen von Arbeitnehmern nicht gegeneinander konkurrierten, und dass die Mentalität eine andere war: Man arbeitete und strebte höchstens nach einer bequemeren Position. Nach der Krise von 2008 hätten sich die Prioritäten geändert: Beamter, Influencer oder leben vom BOE (Staatsanzeiger). Die implizite Schlussfolgerung lautet, dass das Problem nicht das Angebot an Stellen ist, sondern die Nachfrage nach Anstrengung.
Dieser Erzählung steht etwas entgegen. Die spanische Gastronomie hat ihre Bedingungen in zwanzig Jahren nicht verbessert, und die Konkurrenz unter den Arbeitnehmern wurde nicht durch Migration verursacht, sondern durch die Struktur des Sektors. Wer fünfzehn Stunden am Tag für tausend Euro Kaffee serviert, tut dies nicht, weil er es mag, sondern weil er keine Alternative hat. Das gilt sowohl für den Migranten als auch für den Einheimischen.
Otegi, der unbequeme Bote
Die Figur Otegis erschwert jede Debatte. Für manche ist er ein „verbürgerter Bourgeois“, der jetzt eine Immigration rechtfertigt, die Löhne prekär macht. Für andere sagt er eine Selbstverständlichkeit, die niemand anerkennen will. Die Diskussion driftet schnell zu seiner Vergangenheit und seiner Rolle in der baskischen Politik ab, was den wirtschaftlichen Kern der Sache verdunkelt.
Bemerkenswert ist, dass das Zitat, ob wahr oder nicht, wie ein Spiegel funktioniert. Jeder sieht darin, was er ohnehin schon dachte: Der Unternehmer eine Entschuldigung, Löhne nicht zu erhöhen; der Arbeitnehmer einen Beweis dafür, dass der Markt kaputt ist; der Politiker eine Gelegenheit, über Grenzen zu sprechen. Währenddessen füllen sich die Terrassen weiterhin und der Kaffee wird weiterhin serviert.
Die unbestrittene Tatsache: Die Gastronomie kann offene Stellen nicht besetzen
Jenseits der Kontroverse gibt es eine Tatsache, die in der Diskussion wiederholt wird: Der Gastronomiasektor hat Schwierigkeiten, Stellen zu besetzen. Dies ist kein rein spanisches Phänomen. In Frankreich, jenseits der Grenze, sind die Kellner laut manchen Beobachtungen lebenslang Franzosen, weil der Beruf dort nicht so abgewertet wird. Der Vergleich mit Biarritz oder Donibane dient einem Zweck: Das Problem ist nicht die Nationalität des Bedienenden, sondern das Prestige und das Gehalt der Stelle.
Wenn der Job des Kellners besser bezahlt und besser angesehen wäre, müsste man nicht fragen, wer ihn machen soll. Jeder würde es tun. Otegis Frage handelt im Grunde nicht von Migranten: Sie handelt von einem Land, das entschieden hat, dass das Servieren von Kaffee keinen würdigen Lohn verdient.
Am Ende hat der Otegi zugeschriebene Satz dem üblichen Zweck gedient: Dass jede Seite ihre Vorurteile bestätigt. Manche werden sagen, es sei klassistisch; andere, es sei realistisch. Und während diskutiert wird, erkaltet der Kaffee an der Bar.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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