Operation Epsom: die Panzersschlacht, die die Normandie vergaß

Zwei britische Panzerdivisionen gegen drei SS-Panzerdivisionen im Bocage. Operation Epsom zeigt die Realität des Kampfes ohne Luftüberlegenheit.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Operation Epsom: die Panzersschlacht, die die Normandie vergaß
Epsom, die Panzersschlacht, die die Normandie vergaß

Zwei britische Panzerdivisionen gegen drei SS-Panzerdivisionen im normannischen Bocage, ohne Luftunterstützung aufgrund des schlechten Wetters und in einem erbitterten Kampf. Die Operation Epsom, die Ende Juni 1944 begann, ist eine jener Schlachten, die in den Handbüchern kaum Erwähnung finden, aber dennoch etwas messen, das kaum jemand messen will: was passiert, wenn man die alliierte Luftüberlegenheit aus der Gleichung nimmt und die Mittel beider Seiten im Schlamm gegeneinander antreten lässt. Das Ergebnis erschüttert mehrere Erzählungen, die seit achtzig Jahren kursieren.

Das Vorhaben ist einfach zu formulieren, aber teuflisch schwer umzusetzen. Die Briten drängten an der Front nach Süden, wobei schottische Infanterie und gepanzerte Einheiten sich den Weg durch das Heckenland bahnten, und stießen auf das II. SS-Panzerkorps. Dort befanden sich die 9. und 10. SS-Panzerdivisionen], zusätzlich zur 2., und in der folgenden Operation, Luttich vom 7. bis 12. August, kam die Frundsberg hinzu. Ohne Luftwaffe wurde der Kampf durch Panzerabwehrkanonen, Panzerung und die Fähigkeit, durchzuhalten, entschieden.

Was die Operation Epsom war und warum sie wichtig ist

Epsom war der britische Versuch, Caen im Juni 1944 von Westen her zu umgehen. Die Operation stützte sich auf das VIII. und das XXX. Korps, mit der 15. schottischen Infanteriedivision und den Churchill-Panzern des 7. Royal Tank Regiment, die zusammen mit den Royal Scots vorrückten. Das überlieferte Bildmaterial zeigt den Preis: eine zerstörte 17-Pfünder-Kanone und ein außer Gefecht gesetzter Tiger, der von Soldaten der Durham Light Infantry inspiziert wird.

Die Frage, die über all dem schwebt, ist, warum eine Schlacht dieser Intensität kaum Platz im kollektiven Gedächtnis findet. Die Antwort hat mit der Erzählung zu tun, die sich danach durchgesetzt hat: die Landung, die Ostfront, der Pazifik. Was im Bocage zwischen Hecken und versunkenen Wegen geschah, passt in keine herkömmliche epische Erzählung.

Der 17-Pfünder und der Mythos schwacher britischer Panzer

Die Vorstellung, das Vereinigte Königreich habe während des gesamten Krieges mittelmäßige Panzer gebaut, ist eine jener Vereinfachungen, die einer Überprüfung der Daten nicht standhalten. Der britische 17-Pfünder war wahrscheinlich die beste Panzerabwehrkanone des Konflikts: Er konnte Panzerung wie die deutsche 88 mm durchschlagen, wog eine Tonne weniger und hatte die doppelte Feuerrate. Das ist keine Stammtischmeinung, sondern ein technischer Vergleich.

Der Churchill hingegen leidet unter einer ungerechten schwarzen Legende. Er wurde als Infanterieunterstützungspanzer mit starker Panzerung und exzellenter Geländegängigkeit entwickelt, und sein robustes Fahrgestell ermöglichte es, ihn für fast jede Aufgabe anzupassen: Die meisten Hobart's Funnies (spezialisierte Pionier- und Landungsfahrzeuge) waren modifizierte Churchills. Die Qualität des Churchill angesichts eines Crocodile-Flammpanzers zu hinterfragen, hat eine offensichtliche Antwort.

Was die Matilda II betrifft, so sind die Daten eindeutig: 1940 konnte keine deutsche Panzerabwehrkanone außer einer 88 mm im direkten Schuss sie durchschlagen. Dass sie einen Busmotor hatten, war egal, wenn sie sich in der libyschen Wüste genauso wie ein Panzer IV bewegten.

Wer an der Spitze stand: die Verteilung des Blutes im Empire

Einer der schwierigsten Punkte der Debatte ist, welche Truppen die Angriffe anführten. Bei Market Garden wurde die Spitze des XXX. Korps von einer irischen Panzerbrigade geleitet. In der zweiten Schlacht von El Alamein bahnten Australier, Schotten, Neuseeländer, Inder und Südafrikaner den Weg. In Monte Cassino waren die ersten, die angriffen und dezimiert wurden, Neuseeländer und Inder, gefolgt von Polen, Marokkanern und sogar Brasilianern.

Ein Detail verdient Präzision: Die australischen und neuseeländischen Einheiten hingen von ihren jeweiligen Parlamenten ab, ebenso wie die südafrikanischen. Wenn sie dort kämpften, wo sie kämpften, dann weil ihre Regierungen es akzeptierten. Während der Belagerung von Tobruk 1941 forderten die Australier einen Austausch ihrer Division, und die Royal Navy zog die 9. Australische Division ab und ersetzte sie durch die 70. Britische Division. Es war keine imperiale Aufzwingung, sondern eine Verhandlung zwischen Verbündeten.

Die Dichte der Front: der Datenpunkt, der den Vergleich bricht

Hier erscheint das unangenehmste Argument für die vorherrschende Erzählung. Der Vergleich zwischen der Ost- und der Westfront nach der Normandie wird fast immer mit absoluten Zahlen von Verlusten und Material gemacht, und dieser Vergleich ist irreführend. Der Schlüssel liegt in der Dichte der Kräfte pro Kilometer Front: An der Westfront waren die Divisionen auf einen viel kleineren Raum komprimiert, was die Intensität des Kampfes pro Meter Gelände vervielfachte.

Die Ostfront war riesig und die Logistik aufgrund der Entfernungen und des Klimas ein Albtraum, aber das bedeutet nicht automatisch eine höhere Intensität an jedem einzelnen Punkt. Den Osten von 1944 und 1945 mit dem Westen von 1939 und 1940 zu vergleichen, ist schlichtweg Betrug.

Der Fall Beevor und Geschichte als Erzählung

Das Gespräch lenkt sich auf einen Eigennamen: Antony Beevor. Die Kritik an ihm ist konkret: Er sammelt die Topoi jedes Ereignisses und baut daraus einen Roman, ohne die Daten zu untersuchen, die nicht in die Erzählung passen. Sein Buch über Stalingrad fesselt; sein Buch über Berlin beginnt zu riechen; sein Buch über den Spanischen Bürgerkrieg bricht völlig in sich zusammen.

Der grundlegende Vorwurf ist methodisch: Es werden die Daten genommen, die passen, und die, die stören, werden verworfen. Das ist keine Geschichte, das ist Erzählung mit Fußnoten. Der Vergleich, der gezogen wird, ist hart: Eine Romanautorin verdient mehr Respekt als ein Popularisierer, der so arbeitet.

Die Führungslektion, der sich niemand stellen will

Es wird eine Parallele zum Spanischen Bürgerkrieg gezogen, die Tiefgang hat. In der Nationalisten-Fraktion unterstellten sich die provisorischen Offiziere dem professionellen Offizierskorps. In der Republikaner-Fraktion wurden die Berufsoffiziere den Milizführern unterstellt, die keine Ausbildung hatten, sich aber für Genies hielten. Der Unterschied im Ergebnis lag nicht am Enthusiasmus, sondern an der Führungsstruktur.

Verluste in den Kampftruppen zu erleiden, zerstört keine Armee, denn damit muss man rechnen. Wenn neun Neulinge zu einem Trupp hinzukommen, werden sie den erfahrenen Sergeanten nachahmen und in zwei Wochen Soldaten sein. Was eine Armee zerstört, ist die Zerstörung der professionellen Befehlskette.

Das Echo von Churchill und das selektive Gedächtnis

Über die Entscheidungen der britischen Führung bleibt ein Zitat, das oft wiederholt wurde: Churchill hatte eine Schwäche für Menschen mit exzentrischem Charakter, und vielleicht hatte er nicht genug davon an sich selbst. Der Satz, der Kenneth Macksey zugeschrieben wird, fasst gut zusammen, wie einige Entscheidungen im damaligen London getroffen wurden.

Epsom und Luttich kommen nicht in den Filmen vor. Es gibt kein Hollywood-Epos für eine 17-Pfünder-Kanone, die zwischen Hecken zerstört wurde. Aber da ist der Fakt, der verwirrt: Als die Luftwaffe aus der Gleichung genommen wurde, mussten die Mittel beider Seiten ohne Ausrede gegeneinander antreten. Und das Ergebnis passt in keine der beiden bequemen Erzählungen – weder in die, die die Briten herabwürdigt, noch in die, die die Panzerdivisionen mythologisiert.

Wie viele Schlachten wie diese liegen noch unter der Erzählung begraben, die man sich zu erzählen entschied?

Auch verfügbar auf: English

Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (101 Antworten).

Weitere Zusammenfassungen

Alle Zusammenfassungen auf Deutsch →

-
Volver