3D-Studie: Turiner Grabtuch entstand auf Relief

Ein in Archaeometry publiziertes 3D-Modell legt nahe, dass das Turiner Grabtuch über einem Flachrelief geformt wurde.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

3D-Studie: Turiner Grabtuch entstand auf Relief
Studie: Turiner Grabtuch umhüllte keinen menschlichen Körper

Ein dreidimensionales Modell bringt das Turiner Grabtuch erneut unter Druck. Die Arbeit, veröffentlicht in der Zeitschrift Archaeometry und vom brasilianischen Designer Cicero Sarracena verfasst, behauptet, das Tuch habe nie einen menschlichen Körper bedeckt: Es sei über einer flachreliefartigen Figur geformt worden, wahrscheinlich einer pigmentierten oder erhitzten Platte zur Silhouettenübertragung. Alles dreht sich um die Verformung des Leinens bei der Umhüllung voluminöser Objekte. Auf einem echten Körper verzerrt sich das Tuch und erzeugt ein verbreitertes Bild — was der Autor als den Agamemnon-Maskeneffekt bezeichnet —, das mit der symmetrischen und präzisen Silhouette des Grabtuchs unvereinbar ist. Auf einer flachen oder kaum erhöhten Oberfläche bleiben die Proportionen hingegen realistisch.

Sarracena räumt ein, dass er einen Ursprung aus einer Leiche nicht völlig ausschließen kann, hält aber die Lesart für kohärenter mit den Daten, die auf eine kunstvolle Herstellung hindeutet. Die dokumentierte Erscheinung des Objekts im 14. Jahrhundert und Datierungen, die das Tuch zwischen 1260 und 1390 einordnen, stützen diese Linie.

Radiokarbonmethode und der Zeitraum 1260–1390

Der Radiokarbondatierungstest ist der am häufigsten wiederholte Punkt. Seine Ergebnisse ordnen die Herstellung des Leinens zwischen 1260 und 1390 ein, mehr als ein Jahrtausend nach der Kreuzigung. Für einen Teil der Analyse klärt dies die Angelegenheit: Wenn das Tuch mittelalterlich ist, ist auch das Bild mittelalterlich. Für andere weniger. Es wird argumentiert, dass die Probe von einem geflickten Bereich nach den Bränden stammen könnte, die das Objekt erlitt, und dass ein ursprünglicherer Teil ein anderes Datum ergeben hätte. Dieser Einwand wird seit Jahrzehnten wiederholt, obwohl seine Befürworter diesen angeblichen Flicken nicht durch materielle Beweise nachgewiesen haben.

Das Schreiben von 1389: Der Bischof, der Reliquie Betrug nannte

Als das Grabtuch erstmals in Dokumenten auftaucht, im Jahr 1354, geschieht dies in Lirey (Frankreich). Drei Jahrzehnte später, 1389, schreibt Pierre d'Arcis, Bischof von Troyes, an Papst Clemens VII., um den Betrug anzuprangern: Nach seinem Bericht hatte der Abt von Lirey ein Gemälde in Auftrag gegeben, das das Jesus umhüllende Grabtuch darstellte, und es als echt ausgestellt. Das Dokument wird als anonymes lateinisches Manuskript desselben Jahres in der Bibliothèque nationale de France aufbewahrt. Angesichts der Anklage wurde das Objekt einige Jahre zurückgezogen und danach wieder ausgestellt.

Hier taucht eines der Details auf, die die devotionalen Version am meisten beunruhigen. In den Evangelien betritt Petrus das Grab und findet die Binden vor, ohne dass ein eingeprägtes Bild erwähnt wird. Wäre der Abdruck dort gewesen, wäre dieses Tuch seit dem 1. Jahrhundert als Reliquie verehrt worden, nicht erst 1300 Jahre später.

Argumente der Verteidiger der Echtheit

Die andere Strömung gibt nicht auf und entfaltet ihre eigene Argumentation. Genannt werden Pollen palästinensischer Pflanzenarten, menschliches Blut der Gruppe AB und die Art der Münzen der Epoche, die in den Augen reflektiert sind. Auch Techniken wie die Röntgenstreustrahlung werden angeführt, die laut dieser Lesart einen Ursprung im 1. Jahrhundert bestätigen würde. Jeder Punkt hat eine Antwort. Die Blutgruppe AB beispielsweise existiert nicht länger als 1.500 Jahre, was im Widerspruch zu einem Körper aus dem 1. Jahrhundert steht. Münzen auf den Lidern waren heidnischer, nicht jüdischer Brauch.

Anatomische Fehler, die auf einen Handwerker hinweisen

Es gibt anatomische Details, die kein Labor benötigen. Es reicht, die Proportionen zu betrachten. Die Finger erscheinen in falscher Länge; das Haar fällt nach unten, obwohl es nach hinten fallen sollte, wenn der Körper lag; das Tuch weist keine einzige Falte auf, etwas Unmögliches bei einem echten Grabtuch, das sich zerknittert und dem Volumen anpasst. Manche schlagen ein Heimexperiment vor, um die Breite zu überprüfen: Das Gesicht mit einem Tuch bedecken, die breiteste Stelle des Schädels mit Pigment markieren und den Abstand zwischen den Markierungen messen, um ihn mit dem der Sindone zu vergleichen.

Der lukrative Markt der Reliquien

Nichts davon passiert im Vakuum. Das 14. Jahrhundert war das Goldene Zeitalter des Reliquienhandels: Fragmente des Kreuzes, Dornen, Tücher und Knochen, die für Vermögen verkauft wurden und Pilger sowie Geld bewegten. In diesem Kontext war es ein gutes Geschäft, ein Grabtuch mit dem Bild des Gekreuzigten in Auftrag zu geben — und die Form zu zerstören, damit keine Kopien entstanden, ähnlich wie man das Schnittmuster eines Haute-Couture-Kleides vernichtet. Der Wert einer Reliquie lag genau in ihrer Einzigartigkeit.

Eine Debatte, die Daten nicht schließen

Der Kern der Sache geht über Chemie und Anatomie hinaus. Ein großer Teil der Gläubigen benötigt greifbare Beweise — Nägel, Dornen, Grabtücher —, um einen Glauben zu stützen, der in seinem eigenen Gründungstext erklärt, selig zu sein, weil er glaubt, ohne zu sehen: „Selig sind, die nicht sehen und doch glauben“. Dieses Paradox löst keine Studie. Die 3D-Analyse fügt eine weitere Aktenstück hinzu, aber die Akte ist seit Jahrhunderten offen und scheint sich nicht schließen zu lassen.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (224 Antworten).

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