Omegangelion: Apokalyptischer Roman und Suizidankündigung
Ein Autor, der sich Uriel Omegangelos nennt, hat in einem Forum den Dark-Fantasy-Roman „Omegangelion – Die Botschaft vom Ende der Zeiten“ veröffentlicht. Das Werk, von dem bisher drei Bücher und eine Karte geteilt wurden, vermischt orthodoxe Theologie, Gnostizismus und Kritik an der institutionellen Kirche. Doch was die Leser erschüttert, ist nicht nur die Handlung, sondern die begleitende Ankündigung: Der Autor plant, sich in drei Wochen das Leben zu nehmen, wie aus seinen Nachrichten hervorgeht. „Nur noch 3 Wochen, damit du mir deine Meinung vor meinem Suizid mitteilen kannst“, schreibt er. Das Buch wird unter einer Creative-Commons-Lizenz ohne Gewinnerzielungsabsicht angeboten und zirkuliert bereits als PDF.
Die Botschaft: Eine Theologie der Befreiung durch den Tod
Der Roman wird als göttliche Offenbarung präsentiert. Sein Autor, der den Namen des Engels Uriel annimmt, behauptet, er schreibe nicht für Ruhm oder Geld, sondern um eine Botschaft Gottes an alle Kinder Adams zu übermitteln. Die Geschichte spielt auf einem fiktiven Kontinent namens Ykumini, der die vier spirituellen Nationen des Christentums symbolisiert: Orthodoxe, Westliche, Miaphysiten und Nestorianer. Laut dem Autor evoziert die Handlung den Vierten Kreuzzug und den Einfluss der westlichen Theologie, der er vorwirft, Gott als Ursache des Bösen zu betrachten.
Der philosophische Kern von Omegangelion ist eine Verteidigung der kosmischen Euthanasie. Das Omega, Ikon des Eschatons, vereinigt sich mit dem Punkt der Manifestation, um die Euthanastische Befreiung dieses sterbenden und unheilbaren Kranken zu beschwören, der die materielle Schöpfung ist. Der Autor zitiert den Zweiten Petrusbrief: „Wie die alte Welt im Wasser unterging, sind Himmel und Erde, die jetzt sind, zum Feuer am Tag des Gerichts bestimmt.“ Für ihn ist Selbstmord keine Sünde, sondern ein Akt der Befreiung.
Die Handlung: Engel, Magier und ein Kolosseum
Die Geschichte folgt Azrail und Sariil, zwei Waisenzwillingen, die auf den Straßen von Edessa, einer Grenzstadt, ums Überleben kämpfen. Azrail, dreizehn Jahre alt, aber mit dem Aussehen eines Zehnjährigen, ist dünn und blass, hat große grün-graue Augen und wirkt krankhaft. Sein Bruder Sariil teilt sein Schicksal. Beide werden von einer mystischen Loge rekrutiert, die ihnen den Mystischen Pfad lehrt, einen Weg arkanen Wissens, der sie dazu bringt, Elelefs, dem Teufel, der Ursache des Bösen, gegenüberzutreten.
Im Laufe der drei Bücher durchlaufen die Zwillinge extreme Prüfungen: Azrail wird Gladiator im Kolosseum von Vyzantion, wo er seine Rivalen mit einer schlanken Klinge tötet; Sariil vertieft sich in Meditationen und Visionen, die ihn zu einem Zikkurat führen; und beide werden in magische Rituale verwickelt, die Spiegel des Daat, astrale Kronen und Himmelschlüssel beinhalten. Der Roman gipfelt in einer Beschwörung, bei der Hierophant und Archon ihre Geiste vereinen, um mit einer einzigen Stimme zu sprechen: „Waw ist Shin: Vereinigung in der Dualität. He ist Mem: Realität in der Illusion. Jod ist Aleph: Zeit in der Ewigkeit.“
Die Kontroverse: Literatur oder Wahnsinn?
Die Reaktionen im Forum waren gemischt. Einige Leser lobten die Originalität des Werks und hoben seinen Nekketsu-Stil sowie die Darstellung der Gedanken, Gefühle und Instinkte des Protagonisten als Charaktere hervor. Andere kritisierten die Kälte der Zwillinge und die übermäßige Komplexität der Symbolik. Ein Teilnehmer fasst zusammen: „Es ist sehr originell, die Gedanken, Gefühle und Instinkte des Protas als Charaktere darzustellen.“ Dennoch überschattet der Schatten des Suizids die gesamte Diskussion.
Der Autor hat sein Recht auf Sterben vehement verteidigt. „Wenn du nicht willst oder kannst tolerieren, dass ich mein Recht auf Sterben verteidige und ausübe, sag es mir und wir beenden es“, schreibt er. Für ihn ist nur ein wahrer Freund, wer ihn zu 100 % so akzeptiert, wie er ist, einschließlich dessen, was er als seine Fehler betrachtet. Diese Haltung hat eine ethische Debatte unter den Lesern ausgelöst, von denen einige ihre Besorgnis geäußert und versucht haben, ihn abzubringen.
Der Kontext: Ein vom Schmerz geprägtes Leben
Uriel Omegangelos beschreibt sich als Person mit einem Intelligenzquotienten von 138, Asperger-Syndrom und einer schwierigen Kindheit. Er erwähnt, dass seine Mutter ihn als Kind geschlagen habe und dass seine Familie seinen Lebenswillen ausgesaugt habe. „Meine Familie hat meinen Lebenswillen ausgesaugt“, erklärt er. Diese persönliche Erfahrung prägt sein Werk, das als Katharsis und Suche nach Sinn inmitten des Leidens gelesen werden kann.
Der Autor hat auch Ideen für eine Prequel und Sequel geteilt, die eine aktualisierte Karte von Ykumini und neue Zeichnungen beinhalten. Darin greift der Spektrale Katze ein, um Sariil bei seinem Diebstahl des Grimoires aus dem Tempel von Edessa zu führen. Diese zusätzlichen Materialien verstärken den Eindruck, dass Omegangelion ein Lebensprojekt ist, kein bloßes Hobby.
Das Vermächtnis: Ein verfluchtes Werk
Trotz der Kontroversen hat das Werk ein treues Publikum gefunden. Ein PDF wurde zur kostenlosen Download erstellt und vorgeschlagen, es auf OpenLibry hochzuladen. Der Autor hat seinen Segen gegeben, dass es ohne Gewinnerzielungsabsicht verbreitet wird, wobei die Herkunft angegeben werden soll. „Wenn du es tust, werde ich dich vom Himmel anlächeln“, schreibt er an einen seiner Leser. Die Gemeinschaft ihrerseits hat den Wunsch geäußert, dass die Vernunft obsiege und der Autor seine Entscheidung überdenke.
Die Geschichte von Omegangelion ist selbst ein Roman: die eines Mannes, der seinen Schmerz in Kunst verwandelt und sein Ende wie das seiner Figuren ankündigt. Es bleibt abzuwarten, ob seine Botschaft über die Seiten und Foren hinaus Bestand hat. Sicher ist, dass sein Werk, mit seinen Engeln, Magiern und seiner Apokalypse, bereits einen unauslöschlichen Eindruck bei jenen hinterlassen hat, die es gelesen haben.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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