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Olivenöl-Ernte steigt um 48%, Preise fallen nur langsam
Die Olivenölernte in Spanien steigt um 48% auf 1,26 Millionen Tonnen. Der Großhandelspreis sinkt auf 3,60 Euro, während der Einzelhandel über 6,50 Euro bleibt.
Großhandelspreis für Olivenöl fällt auf 3,60 Euro, Supermarkt bleibt bei 6,50
Die spanische Olivenölernte hat sich erholt, doch die Preise folgen dieser Erholung deutlich langsamer als erwartet. Schätzungen des Landwirtschaftsministeriums (Ministerio de Agricultura) gehen für die Kampagne 2024-2025 von mehr als 1,26 Millionen Tonnen aus, ein Anstieg von 48% gegenüber dem Vorjahr und 4% über dem Durchschnitt der letzten sieben Jahre. Der Haken: Das neue Öl ist noch nicht in den Küchen angekommen. Der Preis im Großhandel ist bereits auf 3,60 Euro pro Kilo gesunken, während natives Olivenöl extra (AOVE) im Supermarkt weiterhin über 6,50 Euro pro Liter kostet. Hier beginnt der Konflikt.
Rekordernte, knappe Reserven und Monate bis zur Verfügbarkeit
Der Trendwechsel hat meteorologische Gründe. Die Frühjahrsregenfälle haben nicht nur die Stauseen aufgefüllt, sondern auch viele Olivenhaine wieder bewässert. Doch zwischen der ersten Ernte und der Flasche im Regal vergehen Monate. Bis dahin lebt der Markt von den Restbeständen des Vorjahres.
Und diese Bestände sind gering. Es verbleiben etwa 186.000 Tonnen Öl aus der vorherigen Saison, während der Durchschnitt früherer Kampagnen bei rund 400.000 Tonnen lag. Diese Diskrepanz zwischen erwarteter Menge und aktuellem Bestand hält den Preisdruck am Ende der Kampagne hoch.
Im Großhandel ist der Kilo-Preis für AOVE auf etwa 3,60 Euro gefallen, natives Olivenöl liegt bei rund 4 Euro pro Kilo. Da ein Kilo weniger als einen Liter entspricht, liegt der Literpreis im Großhandel unter 4 Euro. Am anderen Ende der Kette ist Marken-AOVE in großen Ketten bereits unter 7 Euro zu finden. Der Literpreis ist stufenweise gesunken: von 9 auf 8, von 8 auf 7, von 7 auf 6,50 Euro.
Das internationale Umfeld unterstützt die Theorie der ewigen Knappheit nicht. In China wird eine 5-Liter-Kanne Olivenöl für 12,70 Euro verkauft, was 2,54 Euro pro Liter entspricht; Sonnenblumenöl kostet dort 0,70 Euro pro Liter. Das Land pflanzt seit Jahrzehnten Olivenbäume an, mit einer Rate von durchschnittlich 14.000 neuen Hektar pro Jahr. Auf Online-Plattformen wurden 5-Liter-Kannen AOVE zeitweise für 7 Euro pro Liter angeboten.
Warum wird das Öl gelagert statt verkauft?
Hier liegt der Kern der Debatte. Ein Teil des Marktes argumentiert, dass Olivenöl lagerfähig sei und genau diese Lagerhaltung verhindere, dass der Preisverfall im Großhandel vollständig beim Endverbraucher ankommt. Spanien erhält über 28 Millionen Euro Beihilfen für die private Lagerhaltung von Olivenöl, ein Instrument, das dazu dient, Überschüsse vom Markt zu nehmen.
Gleichzeitig hat der Branchenverband die Genossenschaften öffentlich aufgefordert, mit Bedacht zu verkaufen, da die Bestände sehr knapp seien. Übersetzt: Wenn niemand Ware freigibt, halten sich die Preise. Dieser Aufruf funktioniert aber auch in die andere Richtung – manche warnen, dass geduldige Verbraucher gewinnen könnten.
Weniger Absatz, mehr Umsatz: Die Zahlen der Kampagne
Besonders auffällig sind die Volumendaten. DCoop, der dominierende Akteur im Sektor, räumte ein, dass der Absatz um 20% sank, der Umsatz jedoch um 57% stieg. Das Unternehmen steigerte seinen jährlichen Umsatz von etwa 700 Millionen Euro auf 1,1 Milliarden Euro dank der Preiserhöhungen und erwartet nun Umsätze von über 1,2 Milliarden Euro. Mit diesen Zahlen wird der Absatzrückgang zum Geschäftsmodell.
Die zentrale Frage lautet: Wer verdient in der gesamten Kette Geld? Deoleo, der zweite große Player im Oligopol, wird von Fonds kontrolliert und soll laut Berechnungen selbst bei einem Verkaufspreis von 12 Euro kaum Gewinn machen. Wenn der Produzent mehr umsetzt, der Zwischenhändler keinen Gewinn sieht und der Verbraucher das Dreifache zahlt, passt die Rechnung nirgends auf.
Verbraucher wechseln zu Sonnenblumenöl
Während die Branche diskutiert, hat sich die Nachfrage stillschweigend verändert. Sonnenblumenöl und Hoch-Oleic-Öl haben in der Fritteuse an Boden gewonnen. Air-Fryer sind so populär geworden, dass sie den Verbrauch von Litern dauerhaft reduzieren. In der Gastronomie wird hochwertiges Öl nur noch für Salate verwendet; für das Gros der Frittiervorgänge greift man zu Tresteröl oder billigeren Mischungen.
Diese Gewohnheitsänderung ist schwer rückgängig zu machen. Ein Verbraucher, der sich ans Braten mit Sonnenblumenöl gewöhnt hat, kehrt nicht wegen eines Euro Rabatt zurück. Vielleicht nicht einmal bei zwei Euro. Die während des Preishochs verlorenen Marktanteile sind endgültig weg, was erklärt, warum die Branche nun enthusiastisch von Überangebot spricht, wo sie zuvor von Dürre sprach.
Wie könnte sich der Ölpreis entwickeln?
Die Marktlogik besagt, dass bei höherer Produktion und geringerer Nachfrage die Preise nachgeben müssen, was im Großhandel bereits geschieht. Die Unsicherheit liegt im Tempo. Produktions- und Transportkosten sind durch die Inflation gestiegen, die Anreize für Zwischenhändler, ihre Margen zu senken, sind unklar, und der Kalender spielt gegen die Verbraucher: Bis die neue Ernte abgefüllt ist, verkauft der Markt alte Bestände zu Knappheitspreisen.
Es ist zu erwarten, dass der Literpreis in den nächsten Monaten weiter sinkt, allerdings wahrscheinlich nicht auf das Niveau von vor drei Jahren. Und es gibt eine Ungewissheit, die keine Analyse klären kann: Wenn der Preis auf 4 Euro fällt, kommt der Kunde zurück, der zu Sonnenblumenöl gewechselt hat?
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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