Nur wer Land oder Vieh hat, wird essen

Der Konflikt zwischen Stadt und Land kehrt in einer Debatte über die Lebensmittelkrise zurück: Ein Forumsteilnehmer warnt vor Engpässen.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Nur wer Land oder Vieh hat, wird essen
Nur wer Land oder Vieh hat, wird essen: Das Land gegen die Stadt

Er lagerte Essen zu Hause wie ein Dealer. Er versteckte es, rationierte es und verbarg es vor Beschlagnahmungen. Es war kein Krimineller, erinnert sich ein Forumsteilnehmer: Es war ein Dorfbewohner während der spanischen Nachkriegszeit, als Besitz dazu zwang, so zu tun, als hätte man nichts. Dieser Instinkt taucht Jahrzehnte später wieder auf in einer Warnung im Chat: nur wer Land oder Vieh hat, wird essen. Der Satz eröffnet eine alte Debatte neu: Ist das ländliche Gebiet der letzte Rückzugsort oder ein Graben mit Verfallsdatum?

Wer ist Nazaret Martín und warum stört ihre Botschaft?

Nazaret Martín trat aus einem für Kommunalpolitik ungewöhnlichen Profil in die öffentliche Diskussion: Hirtenfrau und Bürgermeisterin ihres Dorfes, ein Amt, das sie für Somos Cáceres mit Unterstützung der Partido Popular innehat. Ihr Werdegang wurde unterschiedlich interpretiert. Für manche ist sie eine Aktivistin, die zur institutionellen Politik wechselte; für andere jemand, der ihre Rhetorik nicht geändert hat. Was an ihrem Ansatz stört, ist die Verschiebung des Fokus vom Preis des Einkaufskorbs auf etwas Unbequemereres: die Primärproduktion. Wenn das System ins Stocken gerät, gibt es weder Weizen noch Fleisch zu verteilen, und wer das Land kontrolliert, startet mit einem Vorteil.

Die Nachkriegszeit als Spiegel: Als das Land aß und die Stadt nicht

Das immer wiederkehrende Vorbild ist der Hunger der 1940er Jahre. Man erinnert sich, dass damals die Landbevölkerung mehr und besser aß als die Stadtbewohner, und dass Besucher vom Dorf Proviant im Koffer in die Stadt brachten. Umgekehrt gibt es Berichte, etwa aus Galicien, von organisierten Gruppen, die gewaltsam aufs Land zogen, um sich Nahrungsmittel zu beschaffen. Dies sei eine Geschichte, so diese Stimmen, die jeder Mensch über 80 Jahren bestätigen kann.

Die Erinnerung bleibt nicht dabei stehen. Auch Parallelen zu anderen Experimenten des 20. Jahrhunderts werden gezogen: Unter Lenin, so heißt es, aßen Beamte besser als die Bauern, die die Nahrung produzierten, und wer Getreide versteckte, musste mit Schlimmerem rechnen als nur Vorwürfen. Die Sarracena, die einige daraus ziehen, ist unbequem: der Produzent ist nicht immer derjenige, der isst.

Reicht ein Gewehr, um Land und Vieh zu verteidigen?

Das post-apokalyptische Szenario dient als Mentaltest. Eine in der Diskussion kursierende Berechnung ist vernichtend: Ein Gewehr und ein paar Schachteln Munition reichen nicht aus, um Land und Vieh vor hungrigen Massen zu schützen. In einer Welt ohne Rechte muss derjenige, der etwas besitzt, es auch verteidigen können, und Gewalt zählt am Ende mehr als Eigentum. Daraus folgt die Schlussfolgerung, dass überlebt, wer über mehr und bessere Waffen verfügt, aber vor allem über loyale Menschen, um sie einzusetzen.

Die institutionelle Variante dieser Angst ist die Beschlagnahme. Es wird erwartet, dass bei Hungersnöten ein Ausnahmezustand oder eine vergleichbare Maßnahme verhängt wird, um Vieh „zum Gemeinwohl“ wegzunehmen, unabhängig vom Eigentümer. Die oft wiederholte Rezeptur ist fast dörflich: Wenn du etwas behalten willst, sorge dafür, dass niemand weiß, dass du es hast. Ein Teil der Diskussion rahmt diesen Zusammenbruch in einen angeblichen Migrationsdruck; der ursprüngliche Beitrag liefert jedoch keine Daten, die dies stützen.

Von der Serie Apagón zu virtuellen Währungen

Die Fiktion hat diesem Angstbild ein Gesicht gegeben. In Apagón von Sorogoyen wird die Ankunft des Hungers in der Stadt erzählt, während es dem Land an Nahrung nicht mangelt; die Stadtbevölkerung wartet nicht darauf, zu sterben, sondern bewaffnet herunterkommt, um sich zu nehmen, was da ist, und tötet zuerst das Vieh, statt es zu züchten. Diese Szene dient als Argument für jene, die glauben, der Zusammenbruch werde keine harmonische Tauschgemeinschaft mit der Natur sein, sondern ein Wilder Westen mit anderen Indianern.

Die gleiche Logik wird auf andere Vermögenswerte angewandt. Man erinnert sich an den Enthusiasmus jener, die hofften, Wohnungen für einen Appel und ein Ei zu kaufen, wenn alles zusammenbricht: Wenn das Land bis zu diesem Punkt verfällt, sind weder virtuelle Währungen noch Geld nützlich, denn wer kann, flieht, und wer bleibt, hat nichts zu verkaufen.

Die andere Seite: Das Land hat nicht alles gelöst

Dem Narrativ vom ländlichen Rückzugsort steht eine Gegenposition gegenüber. Wenn der Zusammenbruch nie eintritt, sieht die Bilanz anders aus: weniger Dienstleistungen, weniger Leistungen und weniger Chancen für die Gebliebenen. Manche prophezeien, dass durch das Warten auf eine nicht eintretende Apokalypse vielen eher der Charakter als die Speisekammer verderbt wird.

Auch die vermeintliche sarracena Überlegenheit des Produzenten wird diskutiert. Im Vergleich zwischen Feldarbeit und anderen essentiellen Berufen wird ein gewisser Drang bemängelt, sich die Medaille des Unverzichtbaren umzuhängen. Das Land ernährt, ja. Aber das Argument wird manchmal als Schild gegen jede Kritik missbraucht.

Tierwohl, Käfige und Lebensraum

Hinter der Warnung über Weizen lauert eine weitere Debatte, die des Tierwohls gegenüber dem menschlichen Wohlbefinden. Eine kursierende Zeile fasst dies mit Sarkasmus zusammen: Man fordert Tierwohl mit befreiten Tieren, während man Menschen in 80 m² für drei oder vier Personen innerhalb von 15-Minuten-Städten zusammendrängt. Der Vergleich ist grob, zeigt aber ein Unbehagen auf: Wer entscheidet, wie man lebt und wie man isst?

Mit diesen Elementen wird die Warnung von einer bloßen Pointe zu einem Thermometer. Die Zeugen jener Züge, die aufs Land fuhren, sind heute laut den Erzählenden über 80 Jahre alt.

Auch verfügbar auf: English

Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (155 Antworten).

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