Núcleo Nacional: Gratis-Promotion durch Talkshows

Núcleo National prahlt mit kostenloser Werbung nach TV-Auftritten. Debatte über Echtheit des rechtsradikalen Netzwerks bleibt unbelegt.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Núcleo Nacional: Gratis-Promotion durch Talkshows
Núcleo Nacional und der Zirkus einer Ästhetik ohne Unterschrift

Ein zehnsekündiges Video mit fünfzehn Personen in Reih und Glied, erhobenen Armen und einem Aufruf für den 8. November. Mit diesem Material hat eine rechtsensrecht Gruppe erreicht, was anderen Jahre kostet: sich in alle Talkshows einzuschleichen, ohne einen Euro für Werbung zu zahlen. Die Gruppe selbst feiert dies unverhohlen und bezeichnet die Berichterstattung als „Zine“. Die Medienpräsenz diene ihnen als Werbung, so lautet ihre Botschaft. Und hier beginnt die unbequeme Frage: Wenn der Skandal sie nährt, wer hat dann ein Interesse daran, ihn am Leben zu erhalten?

Was ist Núcleo Nacional und was hat es getan?

Die Gruppe präsentiert sich mit einer Ästhetik, die direkt an die dreißiger Jahre erinnert: Kapuzen, schwarze Flaggen, nächtliche Leuchtraketen und salutierende Arme. In den kursierenden Clips erscheint eine Frau als Gesicht der Gruppe vor einer Reihe von Männern, und das Netzwerk kündigt Treffen am Wochenende vom 8. und 9. November unter Slogans wie „Nicht aufhören bis zur Eroberung“ an.

Die Inszenierung ist kein Zufall. Ein großer Teil der Diskussion dreht sich genau darum, warum diese so erkennbare wie kontroverse Bildsprache gewählt wird, statt eines diskreteren Formats. Befürworter argumentieren, dass die militärische Haltung und die Ästhetik der Zwischenkriegszeit für das Publikum attraktiver seien, als politisch korrekt zugegeben werden mag. Kritiker entgegnen, dass diese Treue zur Vergangenheit sie gerade zu einem leicht lächerlich zu machenden Vogelscheuchen mache.

Echte Gruppe oder orchestrierte Inszenierung?

Hier spaltet sich die Analyse in zwei Lager. Eine Strömung behauptet, alles rieche nach Fabrikation: Wäre die Gruppe echt und gefährlich, wären ihre Mitglieder bereits identifiziert, mit Daten und Gesichtern von Gegnern bloßgestellt worden. Das Fehlen dieser Kampagne der öffentlichen Anprangerung wird aus dieser Sicht als Hinweis darauf gewertet, dass keine echte Gesinnung dahintersteckt.

Eine zweite, nüchternere Analyse sieht keine Inszenierung, sondern Opportunismus: Leute, die frei agieren und die Lücke nutzen, die andere nicht besetzen. Zwischen beiden Hypothesen kursiert der nie bewiesene Verdacht einer Organisation, die von Geheimdiensten gegründet wurde – die klassische Theorie der gezielten Feindbildkonstruktion. Die einzige Gewissheit zum Zeitpunkt dieser Diskussion ist, dass niemand Beweise vorgelegt hat und beide Versionen weiterhin im Raum stehen.

Das Fernsehen als kostenlose Lautsprecheranlage

Die Berichterstattung wurde schnell zum eigenen Thema. Die Gruppe verbreitete einen Ausschnitt einer Sendung, um sich darüber lustig zu machen, dass ihr Minuten geschenkt wurden, und scherzte, einem TVE-Editor einen Platz anzubieten, falls er gefeuert würde. Für einen Teil des Publikums sind öffentliche und private Sender zur besten Kommunikationsagentur der extremen Rechten geworden: Die Ausstrahlung der Videos fungiert als unfreiwilliges Schaufenster.

Es ist der alte Mechanismus des „Angstmachers“. Je öfter das Bild des Vermummten gezeigt wird, desto stärker wächst das Bedrohungsgefühl und desto mehr Gewinn wird demjenigen beschert, der genau das will. Einige behaupten, die Wiederholung der Szene integriere sie schließlich in die Landschaft.

Der Hintergrund: VOX und die Lücke rechts davon

Keine dieser Performances lässt sich ohne die Wahlkarte verstehen. In der Diskussion wird VOX als eine vom System domestizierte Formation beschrieben – ausgerichtet an Brüssel, der NATO und den Arbeitgeberverbänden – und daher unfähig, die Flanke abzudecken, die diese Gruppen mit Lärm und Ästhetik besetzen wollen. Die schwebende Frage ist, ob diese Lücke real oder imaginär ist.

Das Kalkül ist langfristig angelegt. Manche sehen in diesen Szenen den Embryo einer Alternative, die eines Tages Raum beanspruchen wird. Andere reduzieren es auf Pose ohne Substanz: viel Foto, wenig Struktur, null Programm. Klar scheint jedoch, dass der Lärm ihnen Sichtbarkeit verschafft, die sie bei Stimmenanteilen nicht haben.

Die Ästhetik, die manche als Ballast ansehen

Der häufigste Vorwurf ist der des Anachronismus. Uniform, Gruß und Aufmarsch zu reproduzieren projiziert keine Macht: Es projiziert Verkleidung. Das Bild, das normale Menschen abstößt, ist laut einem Forennutzer nicht die Paraphernalie der Zwischenkriegszeit, sondern die des Schlägers, der sich als Kämpfer verkleidet. Und dieses Register, sagen Kritiker, sei es, das wirklich Ablehnung erzeugt.

Demgegenüber beruft sich die Verteidigung der Gruppe auf eine vermeintliche gesunde Männlichkeit und die Notwendigkeit harter Typen für das Kommende. Das Gegenargument ist vernichtend in seiner Einfachheit: Wer reale Macht sucht, verkleidet sich nicht, er handelt, ohne sich zeigen zu lassen. Das Erscheinungsbild wird nur gepflegt, wenn noch nichts anderes anzubieten ist.

Mit der Werbung, die sie sich selbst geben, und der, die andere ihnen geben, sollte die Gruppe wachsen. Bislang erreichen sie nur Fernsehminuten. Es bleibt abzuwarten, wie viele dieser Minuten sich in etwas anderes als eine neue Kontroverse übersetzen.



Stimmen aus dem Forum

Wenn man Absichten hat oder bestimmte Aktivitäten mit echter Intention ausführt, zeigt man sie nicht, im Gegenteil, es interessiert einen, unbemerkt zu bleiben und mit eiserner Faust zu handeln.
— Zur Theorie der künstlichen Inszenierung

Diese Treue zu den 30ern könnt ihr nutzen, um euch ein Grundstück in der Sierra zu kaufen und ein Museum des III. Reichs zu errichten.
— Kritik an der Ästhetik der Zwischenkriegszeit

Dann haben die Sender ja Material für die Talkshows der ganzen Woche...
— Berichterstattung als unfreiwilliger Lautsprecher

Auch verfügbar auf: English

Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (292 Antworten).

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