Norwegen erzielt 36.000 € Gewinn pro Kopf durch seinen Staatsfonds
Der staatliche Pensionsfonds Norwegens erwirtschaftete im Jahr 2023 einen Gewinn von knapp 200 Milliarden Euro. Auf die Bevölkerung umgelegt bedeutet das mehr als 36.000 Euro pro Einwohner in einem einzigen Geschäftsjahr. Die von Libre Mercado veröffentlichte Zahl hat eine Idee wieder auf den Tisch gebracht, die in Spanien wie Science-Fiction klingt: dass ein Land es sich leisten kann, dass Teile seiner Bevölkerung ohne Arbeit leben. Der eigentliche Kern der Sache relativiert die Schlagzeile jedoch erheblich.
Wie viel verdiente der norwegische Fonds 2023 und woher kommt das Geld?
Das Geld fällt nicht vom Himmel oder aus einem Dekret. Norwegen fördert Öl und Gas, nimmt Einnahmen daraus und investiert den Überschuss an den Finanzmärkten, statt ihn auszugeben. Die am häufigsten wiederholte These ist einfach: Es wurde nicht verteilt, sondern investiert. Und der Fluss reißt nicht ab: Das Land bereitet sich darauf vor, seine Förderung von Rohöl und Gas bis nahe an historische Höchststände zu steigern.
Dieses Detail unterscheidet den norwegischen Fonds von einem einfachen Anlagevehikel. Der Reichtum fließt hinein, akkumuliert sich und arbeitet für sich allein. Das Ergebnis zeigt sich in weniger glamourösen Dingen: warmen Wohnungen, in denen es mitten im Winter 23 Grad hat, und einem Dienstleistungsnetz, das ohne Erschütterungen funktioniert. Das Bemerkenswerte ist laut dieser Lesart nicht so sehr, dass Norweger ohne Arbeit leben können, sondern dass das System dabei nicht zusammengebrochen ist.
Norwegen und Venezuela: Dasselbe Öl, zwei gegensätzliche Ausgänge
Hier wird die Diskussion hitzig. Manche behaupten, es gehe den Norwegern gut, weil sie Sozialisten seien, und Venezuela scheitere, weil sein Sozialismus nicht echt war. Der Einwand kommt schnell: Kein Land mit Öl und schlechtem Management beweist etwas über Modelle. Der wahre Sozialismus wurde nie getestet, heißt es nach dem Lehrbuch, doch dieses Buch ist seit Jahrzehnten nicht aktualisiert worden.
Ein anderer Strang der Analyse deutet auf das Gegenteil hin: Die natürliche Ressource erklärt das Ergebnis nicht allein, aber das Management tut es. Norwegen baute mit Öl und norwegischer Führung ein wohlhabendes Land auf; Venezuela baute mit mehr Öl und einer anderen Leitung das Gegenteil auf. Keine der beiden Lesarten schließt den Fall ab, unter anderem weil niemand bewiesen hat, dass Kultur oder Geologie die entscheidende Variable sind.
Warum hat Spanien keinen Staatsfonds wie Norwegen?
Die häufigste Antwort lautet, dass es keine Rohstoffe gibt, die man speichern könnte. Die spanische Kohlegeologie — unterirdische Adern, viel Lignit zwischen Schiefergestein und hunderte Meter tief — machte sie im Vergleich zum Tagebau in Australien oder Kolumbien, wo riesige Muldenkipper eingesetzt werden, unwirtschaftlich. Wettbewerb war unmöglich, und der Bergbau wurde geschlossen.
Der Gegenpunkt: Spanien hat auch sein Öl, und es heißt Tourismus. Er generiert Devisen, Arbeitsplätze und einen Teil des BIPs, den kein Bohrloch ersetzen kann. Einige fügen hinzu, dass der spanische Staatsfonds, wenn auch kleiner und anders konzipiert, angemessen funktioniert. Ein Teil der Diagnose geht in eine andere Richtung: Hier, so argumentieren Kritiker, zieht die Wirtschaftspolitik die Verteilung des Überschusses dem Sparen vor, und das ist kein Problem des Untergrunds, sondern der Entscheidungen.
Das Kleingedruckte: Norwegen ist mehr als nur ein Fonds
Das nordische Land, das als Spiegel dient, hat Ecken und Kanten, die oft vergessen werden. Seine Migrationspolitik — Abschiebung irregulärer Migranten, Kostenübernahme durch den Abgeschobenen und Inhaftierung bei unerlaubtem Aufenthalt — wird als deutlich härter beschrieben als die spanische, und sie wird von einer laboristischen Regierung angewandt. Nur den Kontostand des Fonds zu vergleichen und den Rest des Regelwerks zu ignorieren, ist ein halbes Bild.
Manche erinnern auch daran, dass Kälte, Steuerlast und Lebenshaltungskosten ihren Tribut fordern, und verweisen auf das Russland der Neunziger als Warnung: Die Preis-, Außenhandels- und Währungsliberalisierung, angeordnet von Jelzin im Januar 1992, führte laut einem Teilnehmer der Debatte dazu, dass Beamte jahrelang unbezahlt blieben. Ein System ohne Sicherheitsnetz abzuwickeln, geht nicht immer gut aus.
Was bedeutet „ohne Arbeit leben“ in Norwegen wirklich?
Niemand verteilt Umschläge an die Bürger. Der Fonds fungiert als Polster: Er stützt die öffentlichen Ausgaben, finanziert Dienstleistungen und ermöglicht es einem Teil der Bevölkerung, nicht von einem Lohn abhängig zu sein, um sich zu ernähren. Die grundlegende Diskussion dreht sich nicht darum, wer arbeitet, sondern wer die Party bezahlt und mit welcher Rücklage.
Auf der spanischen Seite wird dieselbe Frage mit einem importierten Stereotyp beantwortet: dem eines Landes von Terrassenbesuchern, Siesta und Shopping, das von der Anstrengung anderer lebt. Es ist eine Karikatur, funktioniert aber als Brandbeschleuniger in jeder Diskussion über Produktivität, Löhne und Arbeitszeiten.
Wenn diese Episode etwas lehrt, dann dies: Der norwegische Fonds wird weiter wachsen, solange Öl und Gas gefördert werden. Dass Spanien das Modell kopiert, ist unwahrscheinlich; dass es wieder darüber diskutiert, sobald eine solche Zahl auftaucht, ist fast sicher. Niemand hat bisher herausgefunden, wie man Geologie herstellt.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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