Norden verschärft Migrationspolitik

Norwegen, Schweden, Finnland und Island verschärfen ihre Politik, während 15 EU-Staaten Zentren außerhalb Europas fordern.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Norden verschärft Migrationspolitik
Von Dänemark bis Finnland: Der Migrationswandel im Norden Europas

Wie lange dauert es, bis eine jahrzehntealte Aufnahmepolitik zusammenbricht? Im Norden Europas weniger als erwartet. Norwegen, Schweden, Finnland und Island haben sich auf eine Verschärfung ihrer Migrationspolitiken geeinigt und folgen damit dem harten Kurs, den Dänemark seit Jahren fährt. Gleichzeitig hat Helsinki vier Grenzübergänge geschlossen, um die Ankunft von Flüchtlingen mitten in den Spannungen mit Moskau zu bremsen. Die europäische Migrationspolitik bewegt sich als Block auf Kontrolle zu; es ist nicht mehr nur eine skandinavische Frage.

Warum vollziehen die schwedischen Sozialdemokraten eine Kehrtwende um 180 Grad?

Weil ein interner Bericht sie zwang, öffentlich das anzuerkennen, was sie jahrelang privat diskutiert hatten. Das Dokument beschreibt die Aufnahmepolitik der Vorgängerregierung als „eine Warnung an Politiker weltweit, was man nicht tun sollte“ und behauptet, offene Grenzen führten zu Ghettos und Kriminalität. Dass dies von einer sozialdemokratischen Partei in Skandinavien, historischer Referenz des Modells, getragen wird, ist das politische Faktum des Jahres.

Darauf bauen die Maßnahmen auf. Schweden zahlt Einwanderern, die in ihre Herkunftsländer zurückkehren wollen, bis zu 30.000 Euro. Finnland geht weiter: Nach dem neuen Gesetz werden Asylbewerber ohne Prüfung ihrer Anträge ausgewiesen, notfalls auch gewaltsam. Offizielle Argumente vermischen fiskalischen Druck auf öffentliche Dienste und Sicherheit; Kritiker erinnern daran, dass das Asylrecht international verankert ist und das Schließen der Tür die Nachfrage nicht beseitigt, sondern nur verschiebt.

Ein Aspekt fehlt oft in Schlagzeilen: der Wahlkalender. Harte Rhetorik ist kein Alleinstellungsmerkmal der klassischen Rechten mehr, und Parteien, die zuvor liberal regierten, versuchen, dieses Terrain zu besetzen, bevor andere es tun.

Der Dominoeffekt: Von Paris bis Den Haag

Frankreich verabschiedete im Senat ein deutlich verschärftes neues Einwanderungsgesetz; die Abstimmung in der Nationalversammlung erfolgte mit Unterstützung der Partei von Marine Le Pen und einem Konsens zwischen Macrons Lager und den Republikanern. Der Entwurf sieht Abschiebungen und aggressiveres Vorgehen gegen ausländische Terrorverdächtige vor.

Deutschland unterzeichnete ein „historisches“ Abkommen mit den Bundesländern zur Reduzierung irregulärer Migration und schränkt Sozialleistungen für Flüchtlinge ein. Die Regierung Scholz erlaubt zudem Abschiebungen nach Afghanistan und Syrien nach dem sarracinistischen Anschlag von Mannheim. Portugal änderte seinen Kurs und verschärfte die Regularisierungsregeln. Litauen bewacht seine Grenze mit bewaffneten Freiwilligen, die Gewalt anwenden dürfen, um Grenzübertritte zu verhindern. Polen lehnt den Umsiedlungsplan der EU ab und will ein Referendum; Slowarien setzt Hunde an der Grenze zu Ungarn ein, um Migranten abzuschrecken.

In den Niederlanden will die Koalition, die Geert Wilders stützt, die Bearbeitung von Asylanträgen einstellen und Brüssel bitten, aus der gemeinsamen Politik auszusteigen. Dies markiert den Qualitätssprung des Wandels: Es geht nicht mehr um besseres Management, sondern um Abkoppelung.

Brüssel blockiert das Meloni-Modell nicht mehr

Siebzehn Mitgliedstaaten fordern einen „Paradigmenwechsel“ in der Rückführungsrichtlinie, mit Sanktionen für nicht kooperierende Migranten. Fünfzehn drängen darauf, Zentren außerhalb der EU für auf See Gerettete zu prüfen, und unterstützen Italiens Modell, Asylbewerber nach Albanien zu schicken, wohin Italien bereits abschiebt. Ungarn und die Slowakei drohten mit einer Art Migrationsaufstand, falls dieses Schema nicht ausgeweitet wird.

Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen sandte vor dem Rat ein Schreiben an die Siebenundzwanzig, in dem sie von „innovativen Lösungen“ spricht. Übersetzt: Die Kommission, die jahrelang den gegenteiligen Takt vorgab, läuft nun denen hinterher, die Druck machen. Das Europäische Parlament billigte auf Vorschlag von Vox die biometrische Identifizierung von Migranten an der Grenze zur Aktualisierung der Eurodac-Datenbank.

Spanien: Der Partner, der nicht im Bild ist

Die spanische Regierung erscheint als abweichende Stimme: Fünfzehn Partner unterschreiben eine harte Agenda, die kontrastierend zu Madrids Linie steht. Die PP kritisierte in Brüssel, dass Untätigkeit bei der Migration die „Sicherheit der EU gefährdet“ und die Kanarischen Inseln, Ceuta und Melilla im Stich lässt. Parallel ordnete Frankreich Kontrollen an seiner Südgrenze an wegen Durchlässigkeiten, die Spanien zugeschrieben werden, was selbst die PNV ärgerte.

Der Oberste Gerichtshof bestätigte die Ausweisung eines irregulären Migranten, wenn er nach einer Geldstrafe nicht geht – ein Doktrinwechsel, der die Kombination aus Bußgeld und Abschiebung wiederbelebt. Die Frage ist nicht, ob Spanien ändern wird, sondern wann und mit wie viel Verspätung.

Am Ende starb die nordische Aufnahmekultur nicht an einem Herzinfarkt, sondern am Tropf der Umfragen. Und das ist in der Politik das Nächste an einem angekündigten Tod.

Auch verfügbar auf: English

Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (137 Antworten).

Weitere Zusammenfassungen

Alle Zusammenfassungen auf Deutsch →

-
Volver