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Nefertiti: Ägyptens Dementi, Nature bestätigt
Ein Ground-Radar-Bericht in Nature belebt die Reeves-Theorie wieder: ein 2x10-Meter-Gang neben Tutanchamuns Grab nach Jahren offizieller Leugnung.
Radare, Dementis und ein zehn Meter langer Gang neben Tutanchamun
Der Scan, der das Rätsel lösen sollte, existierte bereits, als das Rätsel im Gegenteil für gelöst erklärt wurde. Nach drei Jahren Gerüchten und Medienzirkus urteilte das ägyptische Ministerium für Altertümer: „Die hochrangige geophysikalische Untersuchung liefert den schlüssigen Beweis, dass es keine versteckten Kammern neben oder innerhalb des Grabes von Tutanchamun gibt.“ Ende der Diskussion, Hypothese begraben. Und doch veröffentlichte die Zeitschrift Nature Jahre später Ergebnisse eines Ground-Radars, die einen Raum von zwei Metern Breite und zehn Metern Länge parallel zum Korridor zeigten, der zur Grabkammer des Kinderpharaos führt. Das Pendel schwingt erneut gegen dieselbe Wand.
Die Hypothese hat einen Namen. Nicholas Reeves, britischer Ägyptologe und ehemaliger Kurator der Abteilung für ägyptische Altertümer im British Museum, vertritt die Ansicht, dass das Grab Tutanchamuns (KV62) eigentlich der äußere Abschnitt einer viel größeren Struktur ist, die von Nefertiti „vorbereitet und noch belegt“ wurde. Die Basis ist kein Bauchgefühl aus dem Café: Sie beruht auf dem detaillierten Scan, den das spanische Team Factum Arte vom Grab erstellte, um eine exakte Replik zu bauen.
Was Reeves' Theorie über Nefertitis Grab besagt
Die Idee stützt sich auf ein bauliches Detail. Als Howard Carter das Grab 1922 öffnete, musste er mehrere Wände entfernen, um in die Kammern zu gelangen: am Eingang, in der Vorkammer und in der Grabkammer. Diese Vorgeschichte nährt den Verdacht, dass andere Wände mehr verbergen könnten. Hinzu kommt eine Seltsamkeit, die Archäologen seit Jahrzehnten nicht vollständig erklären können: In KV62 wurde nur die Sarkophagkammer bemalt. Die übrigen Türen waren mit Gips versiegelt, ohne Fresken.
Ein so kleines Grab für einen Pharao verwundert. „Man hätte ihm kein Grab für den königlichen Koch gebaut“, fasst eine Strömung zusammen, die die Hypothese für plausibel hält. Wenn hinter der Mauer jemand liegt, argumentieren sie, muss es jemand Wichtiges sein. Und das ägyptische Ministerium war nicht völlig verschlossen: Im September 2015 lud es Reeves ein, seine Theorie und die Beweise dafür vorzustellen, kurz darauf wurde die Nutzung von Radaren im Grab genehmigt.
Das Communiqué, das den Fund begrub, und was danach kam
Der Zyklus hat sich mehrfach gedreht. Zuerst kamen enthusiastische Bestätigungen: zwei versteckte Räume, eine „riesige Kammer hinter der Wand“, Pläne für einen Dokumentarfilm mit National Geographic. Dann der Stopp. Im Februar 2017 entfernte der Minister für Altertümer Reeves aus der Untersuchung, und später stellte das Ministerium selbst fest, dass es keine Kammern gab. In der Zwischenzeit war Reeves bereits als Opportunist bezeichnet worden, der Geld und Bekanntheit auf einem dafür vorbereiteten Terrain suchte.
Dann die Wendung. Eine erweiterte Ausgabe seines Standardwerks Tutankhamun Complete enthielt neue Beweise, die angeblich seine Hypothese unterstützen. Parallel dazu erschienen die Ground-Radar-Ergebnisse, die in Nature veröffentlicht wurden. Der zwei-zu-zehn-Meter-Gang bringt wieder auf den Tisch, was immer da war: Wenn dahinter ein intaktes Großgrab liegt, wäre der Fund vergleichbar mit dem des ersten chinesischen Kaisers.
Thermische Anomalien und Pyramiden: das gleiche Muster des Verdachts
Es ist kein Einzelfall. Auch in der Cheops-Pyramide wurde eine thermische Anomalie festgestellt: eine Zone, die wärmer ist als der Rest der Blöcke. Die nüchternste technische Erklärung ist, dass diese Blöcke von denen dahinter getrennt sind, was nicht unbedingt ein Grab impliziert. Tatsächlich wird diese Technik genutzt, um Steinplatten an Fassaden zu lokalisieren, die abzufallen drohen: Der Luftspalt zwischen Platte und Untergrund verhindert bereits die Wärmeleitung.
Mit den Radaren verhält es sich ähnlich. Die Diskrepanz zwischen einem positiven und einem negativen Befund kann methodisch sein, nicht archäologisch. Dieselbe Wand liefert unterschiedliche Messwerte je nach Ausrüstung. Daher geht die eigentliche Debatte nicht darum, ob Nefertiti dort liegt, sondern ob die eingesetzte Technologie eine leere Kammer von einer strukturellen Hohlräumigkeit unterscheiden kann.
Der spanische Weg: Myriam Seco und Factum Arte
Spanien taucht zweimal in dieser Geschichte auf, und beide Male mit mehr Gewicht, als üblicherweise anerkannt wird. Factum Arte lieferte den Scan, der alles auslöste. Und die Mission unter Leitung der Sevillanerin Myriam Seco fand eine Mumie und einen Sarg neben dem Grab Thutmosis III.; innerhalb der Nachricht bezog sich die Archäologin positiv auf das mögliche Grab Nefertitis.
Warum niemand einen zehn Millimeter dicken Bohrer ansetzt
Hier liegt der Knotenpunkt, der die Experten spaltet. Ein Teil befürwortet minimale Sondierungen: Mit einem Bohrer und einem extra langen zehn-Millimeter-Aufsatz würde eine halbe Stunde genügen, um zu wissen, ob etwas da ist. Die andere Strömung betrachtet dies als Amateur-Abkürzung. Bei solchen Stätten sucht man nicht-invasive Archäologie, und die Konservierungsteams werden keine Wand beschädigen. Die Arbeitshypothese ist genau das: eine Hypothese, und „hier ist ein Grab, sicher“ zu verkaufen, ist es, was den Zirkus genährt hat.
Also lautet die Frage nicht, ob Nefertiti hinter der Mauer liegt. Sondern wie lange wir noch eine Wand scannen werden, die ein Bohrer in einer halben Stunde klären würde.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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