Moskau erweitert sein U-Bahn-Netz um 200 km und übertrifft London und New York
Das Moskauer U-Bahn-Netz umfasst nun 527 Kilometer, deutlich mehr als die 402 km in London und die 399 km in New York. Auf den ersten Blick rechtfertigt diese Zahl allein die Schlagzeile. Doch der wirklich überraschende Aspekt ist ein anderer: Während im Westen kaum noch Tunnel gegraben werden, wurden in der russischen Hauptstadt innerhalb eines Jahres fast 200 Kilometer neue Linien eröffnet. Hinzu kommen drei Vorortbahnlinien von jeweils über 80 Kilometern Länge, die nicht in diesen 527 Kilometern enthalten sind. Der Bau von Wolkenkratzern geht Hand in Hand mit dem unterirdischen Betonieren: Aktuell werden mehr als 50 Türme mit einer Höhe von über 150 Metern gleichzeitig errichtet.
Das Bild eines verfallenden Russlands kollidiert mit der Baustellenkarte, die sich im Zentrum und an der Peripherie zeigt. Die Daten sind eindeutig, auch wenn ihre Interpretation vom Betrachter abhängt.
Wie viele Wolkenkratzer werden in Moskau gebaut?
Zu den Projekten gehören der Zilart-Turm (150 Meter hoch, 40 Stockwerke), der Alia Business Park, der Alkon-Turm (168 Meter, 33 Stockwerke) und der Komplex Prime Park (147 Meter verteilt auf 41 Etagen). Dazu kommen Poklonnaya 9 (128,7 Meter, 32 Etagen), spöttisch als Wohnsitz für Neureiche bezeichnet, sowie das Cluster Seliger City, das Türme mit Höhen von 159,6, 146,4, 127,5 und 121,6 Metern bündelt.
Die Liste ist lang. Die Towers of the Will erreichen 199 Meter und 56 Stockwerke, ergänzt durch zwei weitere Türme mit 184,8 Metern und 52 Etagen. Symphony 34 in der Khutorskaya-Straße verbindet einen 190-Meter-Turm mit 54 Stockwerken mit weiteren Gebäuden von 173,7 und 151,5 Metern. City Bay, Filicity, Sydney City oder Michurinsky vervollständigen eine Karte, die oft paarweise veröffentlicht wird: erst die Rendergrafik, dann der Kran. Fünf Türme unter dem Namen „The Five“ wachsen gleichzeitig in den Himmel.
Warum das Moskauer U-Bahn-Netz London und New York schlägt
Die Expansion der U-Bahn ist das Kernstück der Erzählung. Die Station Nishhegorodskaya ist als größte Haltestelle Moskaus geplant – ein Knotenpunkt, der die Central Ring Line, die Vorortbahn, die U-Bahn und die im Bau befindliche Autobahnumgehung verbinden soll.
Ab hier teilt sich die Analyse. Einige argumentieren, dass der Westen keine Kapazitäten mehr habe, dass U-Bahnen mangels Geld „nicht einmal gegen Bezahlung“ gebaut würden und kein europäisches oder US-amerikanisches Netz zu den längsten der Welt gehöre. Dem steht ein prosaischeres Argument gegenüber: Kilometerzahlen zwischen Ländern mit unterschiedlicher Dichte, Budgets und Bodenverhältnissen zu vergleichen, sei irreführend. Zudem koexistiert das hohe Volumen öffentlicher Investitionen in Russland mit einem Krieg, dessen Kosten in dieser Bilanz nicht auftauchen.
Spanien ist ebenfalls ein bergiges Land: Die Debatte um Raum
Der Kern des Konflikts liegt in der Geografie. Es wird argumentiert, dass Russland eine große Ebene mit reichlich Wasser sei, während Spanien nach der Schweiz das gebirgigste Land Europas sei, mit wenig komfortablem urbanem Boden und wasserarmen Flüssen. Daher die Klage, dass hier „wie Hobbits“ gebaut werde – kümmerlich, mit maximal drei Metern Deckenhöhe.
Die Gegenargumente liefern andere Zahlen: 92 % des spanischen Territoriums seien leer, so die These, mit Dichten wie in Sibirien. Leer sei aber nicht gleich bebaubar, kontern die Kritiker, und steiles Gelände fülle sich nicht per Dekret mit Türmen. Der Austausch endet unentschieden: Der Vergleich beider Länder hinkt, sobald Orografie und Bodenpolitik vermischt werden. Niemand weicht zurück.
Was kostet Bauen in Moskau: Steuern und Rückfluss von Kapital
Das Geld hat seine eigene Logik. Der maximale russische Einkommensteuersatz liegt bei 13%, während das spanische Äquivalent bei gleichen Gewinnen über 50% läge, so die Behauptung. Diese Differenz würde verfügbares Einkommen für Immobilien freisetzen. Hinzu kommt laut dieser Sichtweise die Rückkehr von Vermögen, die zuvor in Europa angelegt waren und nach den Blockade-Maßnahmen gegen Häuser und Yachten heimgekehrt seien. Grob gesagt: Statt potenzielle Rivalen der Macht fernzuhalten, drängt man sie zur Repatriierung von Kapital.
Die Rechnung hat eine offensichtliche Kehrseite. Eine Flat Tax für hohe Einkommen und ein Staat, der eine Kriegsanstrengung trägt, sind zwei Seiten derselben Medaille, und das Immobilienwunder muss irgendwo bezahlt werden. Projekte von 250.000 Quadratmetern wie das Nationale Weltraumzentrum, zusammen mit dem Wiederaufbau der VDNH im Stil von 1954, dienen sowohl der Imagepflege als auch der Investition.
Das Kleingedruckte: Wer lebt in diesen Türmen?
Ein weiterer Fokus liegt auf dem menschlichen Faktor. Ein bekannter Machtkritiker gestand nach einem Besuch ein, warum die Menschen nicht protestierten: Es gebe Arbeit, öffentliche Verkehrsmittel seien günstig, Verwaltungsangelegenheiten funktionierten während der Arbeitszeit, und ohne Fernseher merke man den Krieg im Alltag kaum. Dem entgegen steht die Sichtweise, dass jeder Turm eine gläserne Bienenwabe ohne Seele sei, ein hochverdichtetes Urbanismusmodell aus sowjetischer Zeit, hässlich und unnatürlich, das vor allem jene anziehe, die keine andere Wahl haben.
Ein kurioses Detail liefert die Peripherie: In der Oblast Twer im Norden entsteht ein Dorf zur Umsiedlung von 3.000 Afrikanern aus Südafrika, verteilt auf 30 Siedlungen, laut veröffentlichten Plänen. Exporturbanismus und Bevölkerungspolitik im selben Paket.
Hier stellt sich immer dieselbe Frage: Wo endet Infrastruktur und wo beginnt Schaufensterpolitik? Die Zahlen zu U-Bahn, Türmen und Kilometern sind unbestreitbar. Was sie bedeuten – echter Fortschritt oder Propaganda für den Innenmarkt – bleibt unbeantwortet.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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