Mordanklage gegen Krebsleugnerin in Chile

Margarita Galaz behauptete, das Gehirn bilde Tumore. In Chile droht ihr eine Anklage wegen Totschlags.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Mordanklage gegen Krebsleugnerin in Chile
Krebsleugnerin aus Chile mit Mordanklage konfrontiert

Die chilenische Therapeutin Margarita Galaz vertrat die Ansicht, dass Tumore entstehen, weil das Gehirn deren Bildung befiehlt, und dass Krankenhausaufenthalte den Zustand der Patienten nur verschlimmern. Eine ihrer Patientinnen, Fabiola, folgte diesem Rat und verstarb. Ihre Schwestern haben laut Berichten über den Fall eine Strafanzeige wegen Totschlags gegen Galaz erstattet. Die Angelegenheit ist von einem privaten Drama zu einer grundsätzlichen Rechtsfrage geworden: Wie weit reicht die Freiheit eines Erwachsenen, eine Behandlung abzulehnen, und wie groß ist die Verantwortung dessen, der dazu rät?

Was ist die Germanische Neue Medizin, die Galaz praktizierte?

Der theoretische Hintergrund von Galaz’ Arbeit geht auf den deutschen Arzt Ryke Geerd Hamer zurück. Seine Theorien sind als Germanische Neue Medizin (GNM) bekannt. Kernaussage ist, dass Krankheiten emotionalen Ursprungs seien und durch das Verstehen des zugrunde liegenden Konflikts geheilt werden könnten. Galaz fasste dies unmissverständlich zusammen: „Tumore bilden sich, wenn das Gehirn den Befehl gibt, weil sie notwendig sind.“ Statt medizinischer Behandlungen empfahl sie, das „Warum“ und „Wofür“ des Tumors zu erforschen, um angeblich echte Heilung zu erreichen.

Die Vorwürfe gehen über unverantwortliche Ratschläge hinaus. Laut einer Schwester Fabiolas habe Galaz diese in eine Sekte – die GNM selbst – eingeführt. Mit typischen Sektenstrategien habe sie nicht nur Fabiola davon überzeugt, sich von ihrer Familie zu distanzieren, sondern auch die Schwestern belästigt und gestalkt. Der Fall erinnert daran, dass die GNM eine belastete Geschichte hat: Im öffentlichen Diskurs wird oft der Fall des Arztes Vicente Herrera genannt, dem mindestens zweimal die Berufsausübung untersagt wurde, weil er diese Methoden bei seinen Patienten anwendete.

Das Audio, das die Anklage als entscheidend ansieht

Zu den Beweismitteln der Klägerinnen gehören Sprachnachrichten. In einer davon warnt Galaz Fabiola: „Wenn man dich jetzt ins Krankenhaus bringt, machen sie eine Biopsie und geben dir mehr Infusionen als nötig. [...] Dann werde ich jeden Kontakt zu dir verlieren, um uns zu verabschieden.“ Dieses Zitat, das in der Berichterstattung wiedergegeben wurde, verdeutlicht den Mechanismus: Es muss nichts verboten werden; es reicht aus, das Krankenhaus als Bedrohung darzustellen.

Im Hintergrund liegt eine Zahl, die in solchen Fällen oft auftaucht. Die Daten deuteten auf einen Tumor hin, der laut der Erzählung der Therapeutin einen „emotionalen Besitzer“ hatte und mit einem Konflikt zwischen der Patientin und ihren Schwestern verbunden war. Wenn die Diagnose zur persönlichen Geschichte wird, hört die Biopsie auf, ein Routineeingriff zu sein, und wird zum Verrat.

Chemotherapie im Zentrum der Debatte

Der Fall hat eine alte Diskussion neu entfacht. Auf der einen Seite stehen jene, die daran erinnern, dass viele Patienten dank Chemotherapie und Knochenmarktransplantation am Leben sind. Auf der anderen Seite wird ein seit Jahren kursierender Mythos beschworen: Dass Chemotherapie für den Tod von mehr als 25 % der Krebspatienten verantwortlich sei. Diese Behauptung stammt aus einem populärwissenschaftlichen Artikel. Bei genauerer Betrachtung der Quelle verändert sich das Bild erheblich.

Die besagte Studie ist keineswegs aktuell: Sie ist 21 Jahre alt und basiert auf Daten, die 25 bis 35 Jahre zurückliegen. Entgegen der landläufigen Interpretation empfiehlt sie zielgerichtete Therapien – einschließlich der heute stark entwickelten Immuntherapie –, um die Wirksamkeit der Behandlungen zu verbessern. Bei einigen seltenen Krebsarten sind die in dem Dokument genannten Ergebnisse der Chemotherapie zudem recht gut. Die Widerlegung betrifft also den Mythos, nicht die Chemotherapie selbst.

Argumente der Systemkritiker

Ein Gegenargument lautet: Wenn die Schulmedizin auch nicht immer heilt, warum lastet dann die juristische Schuld nur auf denen, die Alternativen anbieten? Kritiker argumentieren, dass Krebspatienten zwar unter konventioneller Behandlung sterben, aber niemand angeklagt wird, während Gesetze große Pharmakonzerne schützen und heterodoxe Heiler verfolgen. Diese Position mischt berechtigte Kritik – etwa an der Intransparenz der Pharmaindustrie und kommerziellem Druck – mit einer unhaltbaren Schlussfolgerung: Dass jede Methode allein deshalb gültig sei, weil sie alternativ ist.

Was sagt Margarita Galaz?

Statt ihre Position zu relativieren, griff Galaz die Medien scharf an. Sie wirft Journalisten vor, nach „Likes und Sensationslust“ zu streben, und behauptet eine nationale Verschwörung: „Etwas Schwerwiegenderes muss in Chile passieren, damit alle Medien den Schmerz von Fabi’s Schwestern und mir als Ablenkung nutzen“, schrieb sie laut den vorliegenden Informationen.

Die Justiz muss nun entscheiden, ob diese Therapien und Ratschläge die Schwelle zum Totschlag überschreiten oder ob es bei grober Fahrlässigkeit bleibt. Bis dahin bleibt eine unbequeme Frage offen, die beide Seiten nicht vollständig beantworten: Wenn ein Patient frei ist, eine Behandlung abzulehnen, wer trägt die Verantwortung, wenn derjenige, der zur Ablehnung drängt, dafür bezahlt wird?

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (200 Antworten).

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