Montoro in Tarragona angeklagt wegen Begünstigung von Gasunternehmen
Der Ermittlungsrichter Rubén Rus vom Instruktionsgericht Nr. 2 in Tarragona hat den ehemaligen Finanzminister Cristóbal Montoro angeklagt, weil er sein Amt angeblich missbraucht haben soll, um Gesetze zu verabschieden, die bestimmten Unternehmen zugutekamen. Der Fall, der sieben Jahre lang unter Verschluss gehalten wurde, landet nun vor Gericht mit einer Fülle von E-Mails, Verlängerungen und gegenseitigen Verdächtigungen. Die Nachricht schlug wie eine Bombe ein in einem politischen Umfeld, in dem jede Anklage mit zweierlei Maß gemessen wird.
Was ihm vorgeworfen wird und warum das siebeneinhalbjährige Geheimnis alles kompliziert
Die Anklage stützt sich auf den angeblichen Missbrauch des Amtes zur Verabschiedung günstiger Vorschriften für Gasunternehmen. Laut veröffentlichten Berichten soll Montoro über 100 E-Mails mit vertraulichen Daten der Agencia Tributaria (spanische Steuerbehörde) erhalten haben, obwohl der Richter in diesem konkreten Austausch kein Straftatbestand sieht. Die Ermittlungen waren sieben Jahre lang geheim, eine Anomalie, die nach Angaben juristischer Quellen das gesamte Verfahren annullieren könnte. Einige behaupten, ein so langes Geheimnis sei „beispiellos“, und der Fall könne im Sande verlaufen.
Der Fall ist zudem verstrickt in den Kauf von Scheinfirmen von einem Unternehmer, der mit dem Gürtel-Skandal und Aldama verbunden ist, sowie in Zahlungen der Xunta de Galicia (Regionalregierung Galiziens) an die Beratungsfirma von Montoro, die ebenfalls untersucht werden. Auch das Stromnetz taucht in den Akten auf: Es werden Verbindungen zum Team des Ex-Ministers geprüft, die selbst während Sánchez’ Amtszeit in Moncloa bestanden hätten. Jeder neue Faden dieses Knäuels fügt dem Bericht weitere Schichten hinzu, die die Verteidigung versuchen könnte, über prozessuale Wege zu entkräften, bevor man in die Sache einsteigt.
Das zweierlei Maß als Rahmen: Alle sind gleich, aber manche gleicher
Die politische Reaktion war fast automatisch. Ein Teil der Analyse besagt, dass die Anklage gegen Montoro gute Nachrichten für VOX seien, denn alles, was die PP schwächt, nützt der Rechten, die sich als saubere Alternative präsentiert. Eine andere Strömung weist darauf hin, dass die PSOE versucht, von ihren eigenen gerichtlichen Fronten abzulenken – Sánchez’ Bruder, die ERE-Affäre, die Mail-Affäre –, indem sie alte Fälle in peripheren Gerichten wieder aufrollt. Und eine dritte, unbequemere Sichtweise deutet darauf hin, dass das Problem nicht eine Partei ist, sondern ein System: die Antikorruptionsstaatsanwaltschaft, der Zweite Senat des Obersten Gerichtshofs und die UCO (Operative Einheit der Guardia Civil) als Teile eines Getriebes, das selten zu Gefängnisstrafen für die Eliten führt.
Die zynischste Berechnung fasst eine Idee zusammen, die kursiert: Wenn man zwischen Korrupten wählen muss, dann lieber die meinen. Dieser Satz, der im Grunde jede Forderung nach Verantwortung ausradiert, ist das eigentliche Loch in der Debatte. Denn solange die Diskussion sich darauf konzentriert, wer mehr stiehlt, bleibt das praktische Ergebnis dasselbe: Straflosigkeit und Verfahrensverlängerungen.
Die 70 Verlängerungen und das Risiko, dass alles verjährt
Eine der Zahlen, die Juristen am meisten beunruhigt, ist die Anzahl der Verlängerungen der Ermittlungsphase: bis zu 70. Diese Anhäufung von Erweiterungen hat dazu geführt, dass einige Analysten glauben, ein Teil der Fakten könnte bereits verjährt sein. Der Richter selbst musste mit der Paradoxie kämpfen, einen Ex-Minister angeklagt zu halten, während der Justizkalender zugunsten des Vergessens spielt. In der Praxis steht der Fall vor zwei möglichen Enden: entweder wird er wegen irregulärer Geheimhaltung aufgehoben oder wegen Verjährung eingestellt. In beiden Fällen lautet die Botschaft, die durchdringt, dass die Gerechtigkeit spät und schlecht kommt.
Was vom Fall bleibt und was die PP riskiert
Jenseits des Lärms berührt der Fall Montoro einen empfindlichen Nerv: die Beziehung zwischen dem Finanzministerium und regulierten Unternehmen. Ein Minister, der Gesetze verabschiedet, die bestimmte Sektoren begünstigen, während er gleichzeitig Beziehungen zu Beratungsfirmen unterhält, die genau diese Unternehmen beraten, ist ein Lehrbuchkonflikt von Interessen. Die Verteidigung wird argumentieren, dass keine Straftat vorliegt, und mag recht haben auf strafrechtlicher Ebene. Aber der politische Verschleiß ist bereits eingetreten, und die PP weiß das.
Die Frage, die über den Akten schwebt, ist nicht, ob Montoro verurteilt wird, sondern ob das System so konstruiert ist, dass niemand je verurteilt wird. Mit 70 Verlängerungen, sieben Jahren Geheimhaltung und einer UCO, die manchmal scheint, ihr eigenes Ding zu machen, lädt die Antwort nicht zum Optimismus ein. Der Fall bleibt offen. Und das allein ist schon ein Faktum.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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