Spaniens Atomaufsicht verteidigt Laien bei Nuklearausstieg

Eine Ratsmitglied des CSN argumentiert im Kongress, dass zu viel Fachwissen kontraproduktiv sein kann.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Spaniens Atomaufsicht verteidigt Laien bei Nuklearausstieg
Spaniens Atomaufsicht verteidigt die Ernennung von Kommissaren ohne technisches Fachwissen

Der Rat für nukleare Sicherheit (Consejo de Seguridad Nuclear, CSN) ist das Gremium, das die spanischen Atomkraftwerke überwacht. Am Donnerstag erschienen der Kandidat für den Präsidentenposten und vier Aspiranten auf einen Kommissarsitz vor dem Kongress. Unter ihnen war Pilar Lucio, geboren 1972 in Plasencia, Absolventin der Politikwissenschaft und Soziologie an der Universität Complutense Madrid, ehemalige Gleichstellungsministerin der Regionalregierung von Extremadura und ehemalige Abgeordnete, die ihren Sitz im Regulierungsorgan erneuern möchte. Sie verteidigte ihre Kandidatur mit einem Satz, der bereits die Runde macht: „Um ein Kommissar des Rates für nukleare Sicherheit zu sein, ist es nicht zwingend erforderlich, außergewöhnliche technische Kenntnisse auf diesem Gebiet zu haben, obwohl dies offensichtlich hilft. Aber Vorsicht, denn zu viel Wissen kann auch kontraproduktiv sein.“

Dieser Satz war kein Versprecher. Er diente dazu, die Kandidatur ihrer Kollegin Silvia Calzón, ehemaliger Staatssekretärin für Gesundheit und bis dahin in La Moncloa tätig, für denselben Posten zu unterstützen. Das Detail ist wichtig: Spanien steht kurz vor dem Beginn der Stilllegung und Demontage seiner Kernkraftwerke, mit allen Implikationen für Strahlenschutz, Abfallwirtschaft und Versorgungssicherheit.

Was beim CSN entschieden wird und warum der Zeitpunkt heikel ist

Gemäß seiner eigenen Definition hat der Rat die Aufgabe, „die Arbeitnehmer, die Bevölkerung und die Umwelt vor den schädlichen Wirkungen ionisierender Strahlung zu schützen“, sicherzustellen, dass kerntechnische und radioaktive Anlagen sicher betrieben werden, und Maßnahmen gegen radiologische Notfälle jeglicher Herkunft festzulegen. Dies ist keine gewöhnliche Verwaltungsstelle: Es ist das letzte technische Filter, bevor eine politische Entscheidung zum physischen Risiko wird.

Der Zeitplan verschärft die Situation. Die Demontage eines Atomkraftwerksparks ist die längste, teuerste und technisch anspruchsvollste Phase des gesamten Zyklus: Dekontamination, Management abgebrannter Brennelemente, Überwachung der Standorte über Jahrzehnte hinweg. Dort profilierte Vertrauenspersonen der Politik statt technischer Experten einzusetzen, ist kein organisatorisches Detail. Es ist der Unterschied zwischen Prüfen und Gehorchen.

Das Grundargument: Wozu dient ein Kommissar, der nichts weiß?

In der durch diesen Fall ausgelösten Debatte taucht eine unbequeme und ziemlich zynische These auf: Wenn der Posten dazu dient, einen in La Moncloa bereits beschlossenen Fahrplan umzusetzen, ist es besser, kein eigenes Urteil zu haben. Wer zu viel weiß, stellt Fragen, erhebt Einspruch und hinterlässt schriftliche Spuren. Wer nichts weiß, unterschreibt. Ein Teil der Analyse besagt, dass der Regulierer zu einer Bestätigungskammer für Entscheidungen wird, die anderswo getroffen wurden, und dass erklärte Inkompetenz als Alibi fungiert: Wenn etwas schiefgeht, beruft man sich auf Unwissenheit.

Die am häufigsten gezogene Parallele ist die zum Umgang mit der DANA (schwere Sturmkatastrophe): Eine Verantwortliche für den Katastrophenschutz, die nach Angaben vor Gericht keine Erfahrung in dieser Position hatte. Die daraus gezogenen Lehren sind nicht, dass Inkompetenz tolerierbar sei, sondern dass sie funktional ist. Niemand tritt zurück, weil er nichts weiß. Man tritt zurück, weil man weiß und schweigt.

Vom Vetternwirtschaft zum System: Beschwerden über den CSN hinaus

Der Fall Lucio-Calzón hat als Auslöser für breiteren Unmut gedient: Die Wahrnehmung, dass technische Ernennungen Parteiquoten folgen und nicht Lebensläufen. Manche fassen es mit einem klassischen Beispiel zusammen: Jemanden ohne Führerschein an die Spitze der Straßenverkehrsbehörde setzen. Der Scherz ist lustig, bis er auf ein Organ angewendet wird, das ionisierende Strahlung überwacht.

Die in verschiedenen Kontexten wiederholte Diagnose lautet Apparat-Meritokratie: Jahre der Parteimitgliedschaft wiegen mehr als ein Doktortitel, mit dem Ergebnis eines Staates, in dem sensible Posten durch Loyalität und nicht durch Kompetenz besetzt werden. Dies ist kein neues Phänomen, aber der CSN hat eine Besonderheit, die ihn schwerwiegender macht: Seine Fehler werden nicht in der nächsten Legislaturperiode korrigiert. Sie werden in Sievert und Jahrzehnten gemessen.

Der Zeitpunkt der Angelegenheit und was noch offen ist

Zum Zeitpunkt dieser Diskussion trat Lucio als Kandidatin für die Erneuerung ihres Amtes auf und Calzón als Kandidatin für einen Kommissarsposten. Der Kongress hörte zu. Es gibt keine bekannte Lösung bezüglich des Ergebnisses der Erneuerungen oder ob Lucios Worte Konsequenzen für das Verfahren haben werden. Die Akte bleibt genau dort stehen: Ein Satz, gesprochen im parlamentarischen Rahmen, ein Regulierungsorgan, dessen Neubesetzung aussteht, und ein Atomkraftwerkspark, der in seine heikelste Phase eintritt. Mit diesen Voraussetzungen ist es nicht seltsam, dass jemand das laut ausgesprochen hat. Seltsam ist, dass es überhaupt gesagt werden muss.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (130 Antworten).

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