Mindestrente plus private Vorsorge: Spanien diskutiert ein gemischtes Modell

Ein gemischtes Modell sieht eine gleiche Mindestrente für alle sowie eine optionale private Vorsorge vor. Das Problem: Heutige Beitragszahler würden doppelt zahlen.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Mindestrente plus private Vorsorge: Spanien diskutiert ein gemischtes Modell
Eine gleiche Mindestrente für alle und eine private Vorsorge für alle, die es sich leisten können

Der Vorschlag ist einfach – und genau deshalb unbequem: Alle zahlen denselben Beitrag, um eine Grundrente in Höhe des halben Mindestlohns zu garantieren, und danach ist jeder auf sich gestellt – mit regulierten privaten Vorsorgeplänen. Weder derjenige, der 16.000 Euro verdient, noch der, der 120.000 verdient, kommt am Mindestbeitrag vorbei. Wer nicht mehr einzahlen kann oder will, soll sich später nicht beklagen, nur 50 % des Mindestlohns zu erhalten. Auf dem Papier klingt das nach einem gentleman's agreement zwischen den Generationen. In der Praxis taucht das erste Hindernis auf, bevor es überhaupt losgeht: Wer das System heute mit seinen Beiträgen trägt, müsste die aktuellen Renten zahlen und zusätzlich anfangen, die eigene Rente anzusparen. Eine doppelte Belastung, bei der niemand erklärt hat, wie sie verteilt werden soll.

Das Minimum, das das System auffrisst

Der häufigste Einwand richtet sich nicht gegen die Idee einer Grundrente, sondern gegen ihre expansive Natur. Manche halten dagegen, dass das Minimum mit der Zeit immer weiter wächst und am Ende dasselbe Problem erzeugt wie heute – oder ein schlimmeres. Die Falle, so heißt es, liege nicht im Ausgangspunkt, sondern in der Steigung: Jede garantierte Untergrenze wird zum erworbenen Recht und zum Objekt von Wahlkampfversprechen. Und damit kommt die Demografie ins Spiel, jener Elefant, den niemand anschauen will. Bei einer alternden Bevölkerung wächst die Zahl der Empfänger schneller als die der Beitragszahler, und das jetzige System gleicht zunehmend einer Kette, in der die Jungen für die Alten zahlen. Die unbequeme Frage: Was passiert, wenn die Jungen nicht mehr ausreichen?

Das Geld, das unterwegs verschwindet

Bevor man darüber streitet, wie viel eingezahlt werden soll, sollte man wissen, wo das Eingezahlte landet. Der Verdacht, dass das System wie ein Schneeballsystem funktioniert, schwebt über einem großen Teil der Debatte. Es ist keine formale Anschuldigung, sondern eine Intuition: Wenn das Geld der heutigen Beitragszahler nicht für die heutigen angelegt, sondern für die von gestern ausgegeben wird, hängt die Nachhaltigkeit davon ab, dass die Basis immer weiter wächst. Und Wachstum ist demografisch nicht garantiert. Dem kapitalgedeckten Modell stellt sich dagegen eine vorgelagerte Frage: Was tun mit denen, die seit Jahrzehnten einzahlen, ohne wählen zu können? Einen Schnitt an irgendeinem Punkt zu setzen lässt eine Gruppe mit leeren Händen oder mit anerkannten Ansprüchen zurück, die jemand bezahlen muss.

Die privaten Pläne, die nicht überzeugen

Der Vorschlag sieht private, von der Regierung regulierte Altersvorsorgepläne vor. Die Antwort fällt an einem Punkt einstimmig aus: Es gibt sie schon, und sie sind unbeliebt. Man wirft ihnen vor, wahrer Schrott im Dienst der Banken zu sein, mit Gebühren, die die Rendite auffressen, und Konditionen, die den Anbieter begünstigen. Bessere Regulierung löst das Kernproblem nicht: Garantiert das staatliche System nur den halben Mindestlohn, hört die private Ergänzung auf, eine Option zu sein, und wird zur Notwendigkeit. Und Notwendigkeiten sind auf einem Finanzmarkt teuer.

Euthanasie als Rentenpolitik

Der radikalste Ausweg aus der Debatte ist kein wirtschaftlicher, sondern ein existenzieller. Manche schlagen vor, jede Reform des Systems sollte von einer aktiven Förderung des Rechts auf Euthanasie begleitet werden. Die Idee, ungeschönt vorgetragen, zielt darauf ab, dass sich ein Teil des Nachhaltigkeitsproblems lösen würde, wenn ältere Menschen einen würdevollen Ausweg hätten, wenn die Rente nicht reicht. Es ist ein extremer Vorschlag, der keine direkte Entgegnung gefunden hat – aber er zeigt, wie sehr die Rentendebatte zu einer Debatte über den Wert des Lebens im Alter geworden ist.

Das Steuermodell, das alle gleichmacht

Als Alternative zum Beitragsmodell entsteht die Option, die Renten über die Einkommensteuer zu finanzieren – mit Renten, die für alle exakt gleich sind, ohne Höchst- oder Mindestgrenzen, auch wenn sie nicht an die Inflation angepasst werden. Es ist die egalitärste Version des Systems: Alle erhalten dasselbe, alle zahlen nach ihrem Einkommen. Das Problem: Der Zusammenhang zwischen Einzahlung und Auszahlung entfällt, was die Beitragszahlung entmutigen und die Rente zu einer weiteren Sozialleistung machen kann. Und in einem Land mit bereits hoher Steuerlast klingt eine Erhöhung der Einkommensteuer zur Finanzierung gleicher Renten nicht nach einem erfolgreichen Wahlversprechen.

Die Generation, die doppelt zahlt

Der heikelste Punkt ist der Übergang. Die heutigen Beitragszahler müssten die Renten der aktuellen Rentner ohne jede Änderung der Bedingungen zahlen und zusätzlich anfangen, die eigene Rente anzusparen. Eine kollektive Anstrengung, bei der niemand erklärt hat, wie sie verteilt werden soll. Der Verdacht, dass ältere Wähler mehr Stimmgewicht haben als junge, fügt eine Schicht Zynismus hinzu: Jede Reform, die heutige Rentner benachteiligt, ist politischer Selbstmord. So läuft das System weiter aus eigener Trägheit, mit Flickwerk und Versprechen, während sich die demografische Pyramide an der Basis verjüngt.

Die vorsichtigste Prognose lautet, dass keine tiefgreifende Reform vorangebracht wird, solange die politischen Kosten einer Reform der aktuellen Renten höher sind als die des Ignorierens des Problems. Aber die Arithmetik wählt nicht. Und wenn die Zahlen nicht mehr aufgehen, ist der Spielraum für Entscheidungen verschwunden.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (30 Antworten).

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