Milei gewinnt in Argentinien, Peronismus verliert Hochburgen

Milei siegt bei den argentinischen Wahlen 2023 mit zehn Punkten Vorsprung. Der Peronismus bricht in historischen Hochburgen zusammen. Dollarisierung und Sparmaßnahmen bleiben ungewiss.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Milei gewinnt in Argentinien, Peronismus verliert Hochburgen
Milei gewinnt mit zehn Punkten Vorsprung, der Peronismus verliert seine Bastion

Was hat sich in Argentinien geändert, dass der Peronismus Gebiete verlor, die er seit Jahrzehnten regierte? Die Auszählung der Präsidentschaftswahlen 2023 ergab einen Sieg für Javier Milei mit etwa zehn Punkten Vorsprung und 14 Millionen Stimmen. Historische Hochburgen wandten sich dem libertären Kandidaten zu. Der Sieg stand fest, bevor Milei sein Amt antrat und bevor ein einziger Preis angehoben wurde. Von da an drehte sich alles um Wirtschaft.

Die peronistische Bastion bröckelt in La Matanza und Merlo

Das Alarmsignal war nicht das nationale Gesamtergebnis, sondern die geografische Verteilung. Gemeinden im Großraum Buenos Aires, die traditionell als Stimmenreservoir des Peronismus dienten, neigten während der Auszählung zunehmend zu Milei. Bei mehr als 40% ausgezählten Stimmen betrug der Vorsprung bereits rund zehn Punkte. In Merlo und Corrientes, Regionen mit starker peronistischer Tradition, kippten viele Wahlbezirke ins libertäre Lager. Die Provinz Buenos Aires blieb nach ersten Einschätzungen beim Peronismus unter Führung von Axel Kicillof. Nationaler Sieg, territoriale Spaltung. Diese Diskrepanz zwischen Präsidenten- und Provinzwahl预示te das erste Regierbarkeitsproblem.

Regieren ohne Partei: Der Preis des Bündnisses mit Macri

Milei kam ohne eigene Parteistruktur an die Macht, und das hat seinen Preis. Ein Präsident ohne Partei braucht etablierte Apparate, um handlungsfähig zu bleiben, und diese Apparate fordern ihren Tribut in Form von Ämtern und Patronage. Daher die Annäherung an das Umfeld von Mauricio Macri und die Ernennung von Patricia Bullrich zur Sicherheitsministerin. Eine einstige politische Rivalin wurde in das Projekt integriert und brachte das konservative Netzwerk ein, das dem libertären Kandidaten fehlte.

Diese Operation lässt sich zweifach interpretieren. Manche sehen darin unvermeidlichen Pragmatismus, um Gesetze im Kongress durchzubringen; andere betrachten es als ersten Bruch des ursprünglichen Versprechens. Beides kann gleichzeitig zutreffen, und wahrscheinlich ist es so.

Die geerbte Wirtschaftslage: 140% Inflation und die Hälfte des Landes arm

Bevor Milei das Casa Rosada betrat, war die wirtschaftliche Lage alles andere als rosig: eine Inflationsrate von 140% und rund 50% der Bevölkerung unterhalb der Armutsgrenze. Zahlen eines Landes, das vor achtzig Jahren zu den reichsten der Welt gehörte und sich seit Jahrzehnten schleichend auflöst.

Ausgehend von dieser Basis war die Frage nicht, ob es Sparmaßnahmen geben würde, sondern wie tiefgreifend sie ausfielen und wer die Kosten trug. Die Preisinflation war bereits im Gange, und die Machtübergabe verschärfte die Unsicherheit: Ein Teil des Landes setzte auf den Schock, ein anderer auf Widerstand auf der Straße. Die soziale Fragilität bildete den Hintergrund jeder Maßnahme.

Was bedeutet Dollarisierung und warum stößt sie auf so viel Widerstand?

Die Dollarisierung war das zentrale Wahlversprechen und der am heftigsten diskutierte Punkt. Sie besteht darin, den Peso durch den US-Dollar zu ersetzen und auf eine eigenständige Geldpolitik zu verzichten – genau jenes Instrument, mit dem die Zentralbank Inflation erzeugt. Das Pro-Argument: Es sei der einzige Weg, die Blutung sofort zu stoppen. Das Contra-Argument: Ohne eigene Währung laste die gesamte Anpassung auf Löhnen und Wirtschaftstätigkeit.

Der optimistischste Fall geht davon aus, dass der Prozess trägt, wenn enorme Devisenzuflüsse in kurzer Zeit erfolgen. Das pessimistische Szenario nimmt an, dass dieser Fluss ausbleibt und das Land auf halbem Weg stehen bleibt, mit einer bezahlten Dollarisierung und ungebrochener Inflation. Die Details der Berechnungen – wie viel benötigt wird und woher es kommen soll – sind der Punkt, an dem Mehrheiten zerbrechen.

Der unbequeme Sieger in den öffentlichen Medien

Der Sieg überraschte weite Teile der Medienlandschaft, nicht nur in Argentinien. In Spanien wurde die Berichterstattung der öffentlich-rechtlichen Sender von Teilen des Publikums als versteckter Widerstand gegen das Ergebnis gewertet: Spekulationen über das Profil des Durchschnittswählers, Zweifel am Gewinner und vorschnelle Vergleiche mit der europäischen Ultrarechten. Die Überraschung war nicht, dass ein Liberaler regierte; es war, dass sein Sieg das Narrativ erschütterte, mit dem die Region jahrelang beschrieben worden war.

Zwei Monate später: Preise vervielfacht, Löhne eingefroren

Die Realität holte die Theorie schnell ein. Berichte aus dem Inneren des Landes zeugten von einer raschen Verschlechterung innerhalb weniger Wochen: Einige Güter verteuerten sich um das Fünf- bis Sechsfache, während die meisten Löhne eingefroren blieben. Der Schlag traf nicht mehr nur die ohnehin benachteiligten Gruppen, sondern auch Mittelschichten, die früheren Krisen entkommen waren.

Die Frage, die niemand vollständig beantwortet, lautet: Wie lange hält die gesellschaftliche Geduld, bevor sich der Straßenwiderstand organisiert? Gewerkschaften und die Klientelnetzwerke des alten Systems haben Anreize, die Anpassung nicht kampflos hinzunehmen, und die Abnutzung einer Regierung ohne eigene Struktur setzt oft schnell ein.

Milei hatte versprochen, dass der Weg hart werde. Niemand erwartete, dass die Rechnung schon vor seinem Amtsantritt beglichen werden musste.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (583 Antworten).

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