Wer kontrolliert die Geldpresse: Vom argentinischen Peso zum Euro
Ein Ausschnitt eines Staatschefs, der ohne Skript über seine Zentralbank spricht, hat den Kernstreit wieder entfacht: Wer sollte den Schlüssel zur Geldpresse haben? Für manche ist die Szene der Beweis dafür, was man verliert, wenn man die Währung abgibt; für andere das perfekte Porträt eines Staates, der sich durch das Drucken von Banknoten finanziert. Der Konflikt trifft gleichzeitig auf die Dollarisierung, die Argentinien vorbereitet, und auf den Euro, den Spanien vor mehr als zwei Jahrzehnten übernommen hat. Und inmitten dessen eine unbequeme Tatsache: Die einstige Weltwährung brach neunmal zusammen, ohne dass jemand etwas hätte drucken können.
Die Rede, die manche neidisch und andere misstrauisch hören
Der Anfang ist ein bitterer Vergleich. Es sei traurig, so heißt es, einen Staatschef so offen sprechen zu hören und dies mit dem zu Hause zu vergleichen, was man ertragen muss. Das geteilte Video — gelobt mit einem knappen immer genial — dient eher als Zündfunke als als Argument. Denn der Kern der Sache ist nicht der Ton, sondern der Inhalt: Die Idee, dass die Abgabe der Währungskontrolle gleichbedeutend ist mit dem Verzicht auf einen Teil der Souveränität.
Argentinien und seine 50% Armut: Wie viel Gewicht bleibt im Portemonnaie?
Von dort aus verschiebt sich der Fokus auf Argentinien. Der wiederholte Ausgangspunkt ist eine Armutquote von 50% und eine bereits de facto dollarisierte Wirtschaft: Nur ein kleiner Teil des zirkulierenden Geldes sind Pesos. Von dieser Basis aus wird die Diskussion über die Währung nicht mehr abstrakt, sondern betrifft direkt das Essen auf dem Tisch.
Es wird argumentiert, dass eine Währung nur ein Gut wie jedes andere sei und dass es logisch wäre, Dollar durch Produktion und Verkauf zu verdienen, statt Papier herzustellen. Die Kritik an der früheren Verwaltung — fast zwei Jahrzehnte peronistischer Regierungen, laut dieser Lesart — erscheint als Auslöser dafür, dass ein Außenseiter an die Macht kam. Offen bleibt die Frage, ob jemand solche Sparmaßnahmen wählt, ohne vorher durch die Katastrophe gegangen zu sein.
Warum Milei nicht dollarisieren kann, ohne die Verfassung zu ändern
Hier taucht die technische Nuance auf, die die einfache Parole entkräftet. Eine offizielle Dollarisierung erfordert eine Verfassungsreform und damit parlamentarische Unterstützung, die die Regierung nicht hat. Was machbar ist, ist die Abschirmung der Wirtschaft gegen zukünftiges unkontrolliertes Gelddrucken: Wenn die Zentralbank die Emission nicht handhabt, kann der Nachfolger nicht auf diesen Hebel zurückgreifen.
Der Einwand ist sofort klar: Nichts hindert eine zukünftige Regierung daran, die Zentralbank wieder zu öffnen und erneut zu drucken. Befürworter entgegnen, dass das eigentliche Ziel langsamer und tiefergehend sei, ein Mentalitätswandel, damit die Versprechen vom Leben von Subventionen in den Urnen nicht mehr belohnt werden. Der Prozess, geben sie zu, wird in Jahren gemessen, nicht in Dekreten.
Der Euro als Abtretung von Souveränität: Das Argument kehrt sich gegen Spanien
Auf Europa angewendet wird die Überlegung interessant. Es wird behauptet, Spanien habe unter einer Währung, die es nicht kontrolliert, die höchste Schuldenlast seiner Geschichte angehäuft, und dass es durch die gemeinsame Nutzung des Euros mit Deutschland dessen Inflation importiert habe, während es industrielle Kapazität verlor, weil es nicht mit deren Währung konkurrieren konnte.
Die Antwort der Gegenseite lautet, dass genau diese Abtretung die Versuchung verhindert, Geld zu drucken. Mit dem Knopf einer hypothetischen neuen Peseta in den Händen einer ungezügelten Regierung, sagen sie, hätte die spanische Inflation nichts gegenüber der venezolanischen gutzumachen. Manche gehen weiter und behaupten, das Beste, was der spanischen Wirtschaft passiert sei, sei, dass die Währung von außen verwaltet werde.
Die Zentralbank und das farbige Stück Papier
Im Hintergrund schwelt auf beiden Seiten dieselbe Skepsis: Dass kaum jemand versteht, was eine Zentralbank tut. Man schätzt, dass bis zu 80% der Bevölkerung, hier wie dort, nicht erklären könnten, wofür sie da ist. Diese Lücke ist der ideale Nährboden: Sowohl die Führung der Champions League als auch das Versprechen, Renten durch Inflation zu erhöhen, finden Platz — Sätze, die halbe Wahrheiten und komplette Falschheiten vermischen.
Das liberale Lehrbuch erscheint und verschwindet je nach Bedarf. Wer weniger Staat fordert, applaudiert manchmal einer supranationalen Institution, die die nationale Währung kontrolliert. Wer Souveränität verlangt, akzeptiert manchmal die Abhängigkeit von der Federal Reserve. Kohärenz fehlt auf beiden Seiten, und auch das gehört zur Debatte.
Vom Geld für Ukraine zum konditionierten Kredit für Argentinien
Ein weiterer Analyseweg verbindet die beiden Schauplätze. Angesichts der Milliarden, die an die Ukraine geliefert wurden — laut dieser Lesart grundlos und ohne Rückkehr —, würde Argentinien nun Hunderte Millionen angeboten, aber als rückzahlbarer Kredit, gekoppelt an Ressourcen und Souveränitätsabtretungen. Die Schlussfolgerung dieses Narrativs: Das Land schießt sich ins eigene Bein und entfernt sich von Russland und China. Es ist eine These, kein bewiesener Fakt, aber sie kursiert stark.
Neun Pleiten mit der stärksten Währung der Welt
Die historische Tatsache, die alles am besten ordnet, ist folgende. Der Achtreal war die Weltwährung, ohne Zentralbank, die ihn willkürlich abwertete. Nun denn: Spanien erklärte sich zwischen 1557 und 1799 neunmal bankrott. Eine stabile Währung schützte das Land weder vor Korruption noch vor unverantwortlicher Fiskalpolitik.
Daraus ergibt sich die naheliegende Schlussfolgerung: Die Währung ist wichtig, aber nicht ausreichend. Man kann die Geldpresse entfernen oder lassen, wo sie ist, und Argentinien wird weiterhin um sein Abendessen kämpfen. Dollarisierung ist ein Mittel, kein Wunder. Und der Nachfolger wird sie immer rückgängig machen können.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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