Milei bewirbt $LIBRA: 106 Millionen aus dem Token in 18 Stunden extrahiert
Was passiert, wenn der Präsident eines Landes den direkten Link zum Kauf einer Kryptowährung postet und diese Währung Stunden später abstürzt? Das Ergebnis von $LIBRA lässt sich auf eine unbequeme Zahl zusammenfassen: 106,2 Millionen Dollar wurden von mit dem Launch verbundenen Wallets innerhalb von etwa 18 Stunden entnommen, laut den Daten von Arkham Intelligence, die im Zusammenhang mit den Ereignissen zitiert werden. Der Token erreichte eine Marktkapitalisierung von 4 Milliarden Dollar und bewegte fast 1,5 Milliarden, basierend auf den im Thread genannten Berechnungen, mit etwa 40.000 Käufern. Dann kam der Absturz, das Löschen der Beiträge und eine Frage, die niemand mit Macht laut beantworten möchte: Wer bezahlt das verlorene Geld?
Was genau ist mit der Kryptowährung $LIBRA passiert?
Der argentinische Präsident verbreitete in seinen sozialen Medien die Werbung für einen Token, einschließlich der Vertragsadresse, damit sich beim Kauf niemand irrte. Der Kurs verzeichnete binnen Minuten einen exponentiellen Anstieg und stürzte anschließend ab. Milei löschte die Nachrichten. Zu spät: Die Spur der Transaktionen war bereits in der Blockchain, was sie eben hat.
Die veröffentlichten Daten zeigen eine sehr ungleiche Verteilung. Die mit dem Launch verbundenen Wallets zogen 106,2 Millionen Dollar ab, so Arkham Intelligence, und hielten 57,6 Millionen in USDC und 48,6 Millionen in SOL. Der Entwickler des Projekts erzielte allein 20 Millionen an Handelsgebühren. Der aggregierte Gewinn der Insider-Teilnehmer würde über 126 Millionen liegen. Auf der anderen Seite des Ladentischs: Käufer, die einstiegen, als der Preis bereits hochschoss.
Wer verdiente Geld und wer blieb auf den Verlusten sitzen
Das Muster hat einen technischen Namen und ist nicht neu: Platzierung einer illiquiden Währung, Pumping des Kurses durch die Reichweite einer öffentlichen Figur und massiver Verkauf, sobald das Geld anderer einfließt. Das nennt man Pump and Dump, wie im Thread erinnert wird, und es ist die Art von Operation, für die, laut derselben Darstellung, ein bekannter US-Börsenhändler Jahre ins Gefängnis ging.
Die Schätzungen zur Anzahl der Geschädigten variieren und stammen von keiner offiziellen Stelle. Die im Diskurs genannten Zahlen sprechen von mehreren Tausend Menschen, die bei Höchstständen kauften und gefangen blieben, als die Währung ihren Wert verlor. Die meisten waren keine professionellen Händler: Sie vertrauten dem Unterzeichner, nicht einer Analyse des Assets.
Von Wählern zu Geschädigten: Der Wandel in den sozialen Medien
Der Tonwechsel ist das auffälligste Phänomen dieses Vorfalls. Personen, die bis vor Kurzem den Präsidenten verteidigt hatten, wechselten von Spott und Beleidigungen zu direktem Vorwurf, und Berichte kleiner Investoren, die angeblich ihre Ersparnisse verloren haben, werden nun öffentlich erzählt. Manche behaupten, dieselben Käufer hätten keinen Moment gezögert, Gewinne einzustreichen, wenn die Operation erfolgreich gewesen wäre. Es ist das klassische Argument, um nichts zu tun. Es ist auch genau das Argument, das nicht mehr funktioniert, wenn der Promoter der Staatsoberhaupt ist.
Darf ein Präsident eine private Investition bewerben?
Es wird argumentiert, dass die argentinische Gesetzgebung dem Präsidenten untersagt, direkt zugunsten einer Investition oder eines privaten Unternehmens einzugreifen. Daher das Grundproblem: Die Verteidigung, alles sei eine streng private Angelegenheit gewesen, kollidiert mit der Nutzung der institutionellen Stellung zur Verbreitung des Produkts. Wenn es privat war, so die Überlegung einiger, sollte die Verteidigung von einem Privatanwalt getragen werden, der aus eigener Tasche bezahlt wird, und nicht vom Staatsapparat.
Klagen: US-Kanzleien suchen Geschädigte
In den USA, so heißt es, kontaktieren Anwaltskanzleien Betroffene, um Sammelklagen vorzubereiten, und manche behaupten im Thread, dass die US-Justiz zuständig sei, wenn Geld aus dem angeblichen Betrug ihre Finanzsysteme durchlaufen habe. Veröffentlichte Informationen deuten darauf hin, dass das Umfeld des Präsidenten nach dem millionenschweren Anstieg und dem Absturz mögliche rechtliche Konsequenzen prüfte. All dies bleibt, zum Zeitpunkt dieser Diskussion und nach verfügbaren Versionen, im Bereich des Angeblichen: angekündigte Beschwerden und Klagen, ohne rechtskräftige gerichtliche Entscheidung.
Die Identität, die Interpol nicht findet
Auf Projektebene fehlt das Puzzleteil des vermeintlichen Verantwortlichen hinter der Firma. Interpol in Singapur teilte mit, dass es keine Aufzeichnungen über Julián Peh gebe, der als CEO des KIP Protocol bezeichnet wurde, was auf eine falsche Identität hindeutet. Ein Name, der nicht existiert, Wallets, die sehr wohl existieren, und ein Präsident, der seine Tweets nicht mehr hat. Das Geld ist derweil dort geblieben, wo es war: auf der anderen Seite.
Bei einer solchen Kombination – Werbung von oben, Verträge für alle sichtbar und Geschädigte, die vorgestern noch applaudierten –, ist es nicht seltsam, dass Anwälte an der Tür klopfen. Seltsam ist, dass jemand weiterhin behauptet, hier sei nichts passiert.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
Die ganze Diskussion lesen (287 Antworten).