Die Rechnung zum Mietstreik: 1.400 € pro Monat für Konsum
Der Verzicht auf die Mietzahlung würde einen Mieter, der heute 500 Euro frei zur Verfügung hat, in jemanden verwandeln, der 1.200 oder 1.400 Euro für Freizeit, Kleidung, Restaurants, Weiterbildung oder Kinder ausgibt. Auf dieser Arithmetik basiert die These, dass ein Mietstreik niemanden bestrafen, sondern die lokale Wirtschaft ankurbeln würde. Und wer dies vorschlägt, gibt offen zu: Es handelt sich um ein Gedankenexperiment der Fiktionsökonomie in einem utopischen Land.
Die These teilt das Feld in zwei Lager: Auf der einen Seite stehen die Vermieter, die einen großen Teil des Arbeitsertrags ihrer Mieter abschöpfen; auf der anderen Seite die Arbeiterklasse, die nahe an den Arbeitsplätzen wohnen muss. Das Geld, das nicht mehr in die Miete fließt, argumentiert man, würde in lokalen Geschäften landen. Das aktuell gezahlte Geld hingegen werde oft verwendet, um weitere Wohnungen zu kaufen und sie auf Airbnb anzubieten. Der offensichtliche Einwand – der Privatvermieter, der seine Rente mit einer Miete aufbessert – wird schnell abgetan: Diese Person besitzt bereits ihr eigenes Zuhause und erhält eine Rente.
Was es wirklich kostet, eine Mietwohnung zu unterhalten
Die schwächste Stelle des Arguments betrifft die Kosten. Eine Immobilie instand zu halten ist nicht kostenlos, und eine Renovierung nach zwanzig Jahren Vermietung kann mehrere Jahresmieten verschlingen. Man erinnert daran, dass Mieten in Spanien jahrzehntelang günstig waren, weil die Qualität schlecht war: Wohnungen mit denselben Böden und Betten nach siebzig Jahren Nutzung. Seit dem Jahr 2000 ist die Kaufkraft gestiegen, die Nachfrage hat sich auf bessere Häuser verlagert, und das kostet Geld.
Die im Umlauf befindlichen Preisbeispiele sind folgende: Ein 40-Quadratmeter-Kellerzimmer für 900 Euro im Monat oder eine Wohnung mit Doppelverglasung, die weder Heizung noch Klimaanlage benötigt, für 1.400 Euro. Letztere, so heißt es, seien sofort weg und tauchten kaum auf Immobilienportalen auf. Die Erzählung vom gierigen Vermieter, der Preise erhöht, kollidiert hiermit: Er erhöht sie, weil sich die angebotene Substanz verändert hat.
Warum ein Streik die Mieten verteuern statt senken würde
Hier liegt der Schwerpunkt der Kritik. Wenn Mieten nicht bezahlt werden, übernehmen Eigentümer mehr Risiko und weniger Rendite, und ein Teil zieht sich aus dem Markt zurück. Das Ergebnis wäre nicht günstiger Wohnraum, sondern weniger Angebot: Zuerst verschwinden die teuren Wohnungen, dann die billigen, am Ende bleibt gar nichts übrig. Knappheit, nicht der Preis selbst, ist das Grundproblem, und jede Maßnahme, die das Angebot reduziert, verschärft es. Es gibt keinen Konsens darüber, wie stark die rechtliche Unsicherheit der Vermieter hier wiegt, aber mehrere Teilnehmer stimmen in der Richtung des Effekts überein.
Parallel dazu wird die institutionelle Reaktion diskutiert. Es wird behauptet, eine Regierung, egal ob von der PP oder PSOE geführt, wäre in der Lage, einen Notstand (estado de alarma) auszurufen und Mieter massenhaft festzunehmen, da beide Parteien von Rentiers gewählt würden. Die ironische Antwort – dass man sie einfach in ihren eigenen Wohnungen festnehme, Problem gelöst – verdeckt nicht, dass das Szenario aus anderen Gründen als unwahrscheinlich gilt.
Alternativen: Bauen, Leerstand besteuern und der steuerliche Weg
Im Gegensatz zum Streik findet der Vorschlag, das Angebot zu erhöhen, die größte Unterstützung. Öffentliche Wohnungen zu bauen und zu erschwinglichen Preisen zu vermieten, würde Arbeitsplätze schaffen, private Preise drücken und verhindern, dass Vermieter verarmen. Durch Dekret Mietpreissenkungen zu erzwingen, argumentiert man, macht nur den Eigentümer ärmer und indirekt das ganze Land. Der zweite Hebel ist steuerlich: Den Besitzer einer bewohnbaren, aber leerstehenden Wohnung mit einem Betrag zu bestrafen, der der entgangenen Miete entspricht.
Manche gehen weiter und schlagen vor, den Mietstreik zugunsten eines Steuerstreiks aufzuschieben, beginnend mit Mehrwertsteuer (IVA) und Einkommensteuer (IRPF). Andere zielen auf die Regulierung von Ferienwohnungen ab: Der Stadtrat von Sevilla hat mit den Stimmen von PP und Vox eine Regelung verabschiedet, die bis zu 23.000 zusätzliche touristische Wohnungen zulassen würde. Ein Detail, das, gesehen von der ursprünglichen These, schlecht zum Diagnosebild passt.
Wohin fließt das eingesparte Geld?
Der am heftigsten diskutierte Teil des gesamten Ansatzes ist die Verwendung der Ausgaben. Dass Mieter für Freizeit, Kleidung oder lokale Restaurants ausgeben, belebt zwar die lokale Wirtschaft. Aber manche erinnern daran, dass ein großer Teil dieses Konsums für Handys, Videospiele und Computer ausgegeben wird, die im Ausland hergestellt wurden, sodass das Geld das Land verlässt, statt im Kreislauf zu bleiben. Daraus ergibt sich die unbequemere Lesart: Die Miete fungiere als Form der internen Kapitalbindung, ein Mechanismus, damit Ersparnisse im Ibex-Index landen.
Man sollte diese These nicht wörtlich nehmen, aber anerkennen, dass sie einen wunden Punkt trifft: Wohnraum als Fluchtanlage in einer Wirtschaft mit wenig Industrie. Denn wenn das Problem beim Angebot und nicht bei den Preisen liegt, warum wird die am häufigsten genannte Lösung – Bauen – seit Jahrzehnten nicht umgesetzt?
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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