Mietergewerkschaft in Spanien nennt Investoren die „wahren Invasoren“

Die spanische Mietergewerkschaft Sindicato de Inquilinas bezeichnet Investoren als die „wahren Invasoren“ und entlastet Migranten, junge Menschen und Rentner inmitten der Mietkrise.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Mietergewerkschaft in Spanien nennt Investoren die „wahren Invasoren“
Mietergewerkschaft: „Die wahren Invasoren sind die Investoren“

Der Sindicato de Inquilinas (spanische Mietergewerkschaft) hat eine unbequeme Botschaft ins Zentrum der Debatte gerückt: „Die wahren Invasoren sind die Investoren, nicht die Migranten, trans Personen, jungen Menschen oder Rentner.“ Der Satz, verbreitet von Okdiario, liefert keine einzige Zahl zu Preisen, Angebot oder Nachfrage. Er definiert die Wohnungskrise darüber, was sie nicht verursacht.

Und darin liegt die Paradoxie. Eine Organisation, die sich als Mietergewerkschaft präsentiert, widmet ihre viralste Botschaft der Entlastung von vier Gruppen, die keine Eigentümer sind. Das ist Framing, keine Wohnungspolitik.

Was sagt der Sindicato de Inquilinas genau?

Der Text stellt zwei Blöcke gegeneinander: die „Investoren“ als verantwortliche Akteure und eine Liste von Gruppen — Migranten, trans Personen, junge Menschen und Rentner — als Adressaten des falschen Vorwurfs. Die Reaktionen haben sich gespalten. Ein Teil liest darin den Versuch, den Diskurs zu stoppen, der den ausländischen Mieter oder den prekären jungen Menschen verantwortlich macht. Andere sehen darin eine taktische Wahlkampfwende: den Fokus auf den abstrakten Investor zu lenken, gerade wenn der Zugang zu Wohnraum einen Großteil des gesellschaftlichen Unmuts bündelt.

Die Zahlen: 17 % der Bevölkerung gegenüber 8 % der Wohnungen

Hier erscheinen die einzigen quantifizierbaren Daten, die im Austausch kursieren. Laut einer Nachricht im Thread machen Migranten 17 % der Bevölkerung aus, während große Investoren rund 8 % der Wohnungen besitzen. Wer diese Zahlen anführt, folgert, dass das zuerst zu beseitigende Problem ein anderes ist.

Die Rechnung ist mit einem Haken versehen. Bevölkerung und Wohnungsbestand sind keine vergleichbaren Größen ohne Gewichtung nach Einkommen, Lage und Mietverhältnis: Ein Prozentsatz von Personen lässt sich nicht von einem Prozentsatz von Ziegeln abziehen. Trotzdem hält mancher im Thread dagegen, dass es in Spanien keinen allgegenwärtigen institutionellen Vermieter nach britischem Vorbild gibt, wo – so dieselbe Nachricht – der Besitzer von Dutzenden Reihenhäusern durchaus ein erkennbares Modell sei.

Wer ist Valeria Racu?

Mehrere Nachrichten im Thread nennen Valeria Racu, die mit der Gewerkschaft in Verbindung gebracht wird. Laut diesen Nachrichten – ohne unabhängige Überprüfung – studierte sie in London mit einem Stipendium einer Bankstiftung und wirkte vor ihrem Aktivismus in einer Serie auf Antena 3 mit. Zudem wird ihr zugeschrieben, als Studierendenvertretung an ihrer Universität rund 35.000 Pfund jährlich verdient zu haben. Das sind Daten, die als Munition für Vorwürfe dienen, nicht als Prüfung.

Fonds, Investitionen und das Oligopol-Argument

Die andere Angriffslinie richtet sich gegen das Label „Investor“ selbst. Laut einer Nachricht im Thread sind in Spanien rund 1.500 inländische und etwa 400 ausländische Fonds aktiv. Das dort vertretene Argument: Ein Fonds bündelt die Ersparnisse Tausender kleiner Anleger, und ein Verbot schafft die Investition nicht ab – es konzentriert sie nur in großen Vermögen. Der Kreuzzug gegen den Investor würde den Markt also einer Handvoll Vermögender überlassen, genau das Gegenteil von dem, was die Parole verspricht.

Während Mieten die größte Bürgerbeschwerde sind, bleibt eine Frage offen: Will der Sindicato de Inquilinas Wohnungen billiger machen oder den Kulturkampf gewinnen? Letzteres ist ihm bereits gelungen.

Auch verfügbar auf: English

Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (40 Antworten).

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