Estás usando un navegador desactualizado. Es posible que no muestre este u otros sitios web correctamente. Debe actualizar o usar un navegador alternativo.
Mexikaner fühlen sich weiß, obwohl sie es nicht sind
In einem Forum wird diskutiert, dass in Mexiko und Lateinamerika die weiße Identität oft nur auf den Hautton reduziert wird.
In Mexiko reicht die Hautfarbe allein nicht aus, um als weiß zu gelten. Diese Paradoxie steht im Zentrum einer Diskussion mit 161 Beiträgen, die mit einer unbequemen Feststellung beginnt: Ein großer Teil der Mestizen-Bevölkerung hält sich für weiß, weil sie Weiße primär mit hellem Teint gleichsetzen und nicht mit der Gesamtheit der Gesichtszüge. Das Ergebnis ist laut den Teilnehmern ein Land, in dem die ethnische Identität stärker von dem abhängt, was man sein möchte, als davon, was man tatsächlich ist.
Der Fehler, Weißsein nur am Hautton zu messen
Die häufigste Diagnose verweist auf ein grundlegendes Missverständnis: In Mexiko glaubt man, dass das Weißsein ausschließlich vom Hautton abhängt, und ignoriert dabei, dass auch Gesichtszüge und Knochenstruktur eine Rolle spielen. So werden offensichtliche Mestizen als weiß betrachtet, nur weil sie helle Haut haben, während Menschen mit ausgeprägten europäischen Merkmalen diese Zugehörigkeit abgesprochen wird, wenn sie gebräunt sind.
Hinzu kommt ein weiteres Vorurteil: Die Annahme, dass nur Angelsachsen oder Nord- und Mitteleuropäer als weiß gelten können. Dieser Irrtum ist nicht auf Mexiko beschränkt, wie mehrere Beiträge zeigen, sondern verbreitet sich über ganz Hispanoamerika bis nach Spanien, wo manche behaupten, dass sich dort ebenfalls viele Menschen fälschlicherweise als Mestizen definieren.
Ein Teilnehmer beschreibt die Konsequenz als ein informelles Kastensystem, in dem der soziale Status von der wahrgenommenen ethnischen Zugehörigkeit abhängt. Wie ein anderer zusammenfasst, haben Mexikaner die Mentalität der Spanier des 16. Jahrhunderts in einem indigenen Körper: Sie sind stolz, und da das Weißsein Status verleiht, wollen sie nicht zurückstecken.
Die Erfahrung dessen, der stigmatisiert wurde
Eines der detailliertesten Zeugnisse beschreibt, wie ein mexikanisches Kind seine ethnische Zugehörigkeit im Alter von neun Jahren entdeckt – nicht durch anthropologische Studien, sondern weil Mitschüler ihn „Schwarzer“ nannten. Er wusste, dass er nicht schwarz war, weil er schwarze Menschen im Fernsehen gesehen hatte und ihnen nicht ähnelte. Dieses Erlebnis wiederholte sich: Bei einem Kostümfest als revolutionärer Bauer sagte ein Freund, er sehe aus wie ein Indio. Die Erinnerung daran war allgegenwärtig.
Dieses alltägliche Lernen erklärt besser als jede Statistik, warum die Selbstwahrnehmung als weiß so widerstandsfähig ist. Es geht nicht um Unwissenheit, sondern um eine seit der Kindheit verinnerlichte soziale Hierarchie. Der Hautton wird zum Tauschobjekt auf dem Schulhof, lange bevor jemand ein Geschichtsbuch gelesen hat.
Der zerbrochene Spiegel Hollywoods
Die Diskussion lenkt auf das US-Kino, wo, so ein Teilnehmer, eindeutig gemischtrassige Schauspieler als weiß dargestellt wurden. Genannt werden Fälle wie Johnny Depp, Tommy Lee Jones, Edward Furlong und Keanu Reeves. Besonders auffällig ist Edward Furlongs Rolle als Bruder eines Neonazis in American History X oder Johnny Depp, der für eine Produktion im 18. Jahrhundert in einer niederländischen Siedlung geschminkt und „weißgewaschen“ wurde.
Das Argument lautet, dass auch das Weißsein auf der Leinwand ein Konstrukt ist. Wenn Hollywood Mestizen für angelsächsische Rollen weiß wäscht, ist es kaum verwunderlich, dass man in Mexiko denselben Anspruch erhebt. Fiktion und Realität befruchten sich gegenseitig.
Der Blick auf Spanien: Mediterrane, die sich als Nordeuropäer sehen
Das Gespräch wechselt auf die andere Seite des Atlantiks. Mehrere Beiträge weisen darauf hin, dass in Spanien Ähnliches passiert: Mittelmeermenschen, die sich aufgrund weniger westgotischer Vorfahren vor über tausend Jahren als nordisch betrachten. Es wird daran erinnert, dass der rassistische Begriff „Mediterraner“ eine Erfindung der Anthropologie des späten 19. Jahrhunderts ist, die heute niemand mehr verwendet, während „blanco“ (weiß) zur Beschreibung eines hellen Teints im Spanischen bereits seit dem Mittelalter belegt ist.
Außerdem taucht die Debatte um den Begriff „Español“ vor der Abspaltung Portugals 1640 auf, als er synonym für die Herkunft von der Iberischen Halbinsel stand, einschließlich der Katalanen. Nationale und ethnische Identitäten vermischen sich bis zur Verwechslung, und der Ton verschärft sich mit gegenseitigen Vorwürfen der Minderwertigkeitskomplexe.
Die Falle der ethnischen Kategorien
Die Debatte mündet in eine technischere Diskussion: die Nichtexistenz einer sogenannten kaukasischen Rasse. Es wird argumentiert, dass unter diesem abstrakten Begriff eine Gruppe von Varianten zusammengefasst wird, die bestimmte Elemente teilen – ähnlich wie es keine einzelne „Pferderasse“ gibt, sondern verschiedene Pferderassen. Kein Volk ist zu 100 % weiß, und die „weiße Familie“ ist vielleicht die weiteste und am stärksten vermischte.
Die Schlussfolgerung, die sich laut den Teilnehmern aufdrängt, ist für alle unangenehm: Weißsein ist eine Abstraktion ohne solide biologische Grundlage, aber mit sehr realen sozialen Folgen. Ob in Mexiko, in Spanien oder in Hollywood – der Hautton bestimmt weiterhin, wer man ist, bevor man den Mund öffnet. Die Frage bleibt, ob dies jemals aufhören wird.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
Die ganze Diskussion lesen (161 Antworten).
Ist Mexiko rassistisch oder nur klassenbewusst? Begriffe wie Mestizaje und Whitexican entfachen eine offene Debatte über Phänotyp-Hierarchien in Lateinamerika.