Ein Sechszylinder-Diesel und 500 € Sprit, um Europa zu durchqueren
Was kostet es, sich wie der Herr der Welt zu fühlen? Laut dem Beitrag, der diese Diskussion eröffnet, etwa 500 Euro für Sprit und Maut. Das ist die Zahl, mit der eine Fahrt in einem Mercedes-Diesel-Kombi mit Reihensechszylinder —holländisches Kennzeichen, für die Hälfte der Anwesenden das Aussehen eines Leichenwagens— zwischen Paris und Amsterdam gerechtfertigt wird. Der Autor der Eingangsnachricht präsentiert die Fahrt nicht als logistische Heldentat, sondern als Demonstration der Überlegenheit: «Meine Kiste hat mehr Welt erlebt als die meisten Versager in dieser Höhle».
Die Provokation funktioniert. Und sie funktioniert schlecht. Denn der Thread spaltet sich von der ersten Minute an in zwei Lager: diejenigen, die über das Auto streiten, und diejenigen, die über denjenigen streiten, der es fährt.
Das Auto: sechs Zylinder, schlechter Wendekreis und Bestattungsinstitut-Ästhetik
Der Streitgegenstand ist ein Mercedes-Kombi mit Reihensechszylinder-Dieselmotor. Der Autor selbst räumt mit der technischen Verwirrung auf, die in der Diskussion entsteht: Es ist kein V6, dieser Block gehört zu einem anderen seiner Fahrzeuge, einem ML mit OM642-Motor. Der Kombi hat den Reihensechszylinder. Das erzählt er gereizt, weil jemand es falsch beschrieben hat, und das hält er für unverzeihlich.
Die ästhetische Beschreibung der anderen ist vernichtend und ziemlich einstimmig. «Was für ein hässliches, veraltetes Ding», fasst einer zusammen. «Eine Mischung aus Leichenwagen und Pfarrauto, das laut brüllt», fügt ein anderer hinzu. Der Vergleich mit dem Leichenwagen wird so oft wiederholt, dass er zur komischen Achse der Diskussion wird: Der eine sagt, er habe zum ersten Mal gesehen, wie der Tote selbst fährt, ein anderer ironisiert, es sei das einzige Fahrzeug, das sich ein knappes Budget leisten könne.
Der Autor leugnet das nicht. Im Gegenteil: Er prahlt damit, einen burgunderroten Daimler besichtigt und probegefahren zu haben, das Auto, das er als sein «Einhorn» beschreibt, und gesteht, dass die Aufregung so groß war, dass er zurücktreten musste, bevor der Kauf abgeschlossen war. Gekauft hat er es nicht, weil der Zustand nicht den Erwartungen entsprach, aber er betont, dass der Wendekreis schlecht ist und dass das Auto abgesehen davon «in jeder Hinsicht sublime» sei. Er spricht von einem früheren Besitzer, der genauso ein Nerd ist wie er, von Details, über die eine ganze Weile diskutiert wurde. Es ist der Teil der Geschichte, in dem die Begeisterung echt und nicht aufgesetzt klingt.
Der Streit: vom Auto zum Lebenslauf des Fahrers
Das Problem beginnt, als der Gegenstand nicht mehr zählt und das Urteil über die Person beginnt. Der häufigste Vorwurf ist nicht, dass das Auto hässlich sei, sondern dass es nicht zum Charakter passt, der es fährt. «Angesichts des Arroganzniveaus hätte ich einen AMG mit 700 PS erwartet, V8 Biturbo, 12,8 l/100 km», schreibt einer. Der Kontrast zwischen der großspurigen Erzählung und der Realität des Fahrzeugs ist der Witz, der die halbe Diskussion trägt.
Die zweite Front ist der Führerschein. Dem Autor wird vorgeworfen, mit dem Auto zu prahlen, ohne zu belegen, dass er es fährt, und die Antwort ist ein direkter Vorwurf: «Mach deinen Führerschein und such dir einen Job». Die Diskussion gerät damit in ein Terrain, das mit Automobil nichts mehr zu tun hat: Es wird diskutiert, ob der Autor einen Job hat, ob er auf eigene oder fremde Rechnung reist, ob sein Leben so komfortabel ist, wie er behauptet. Und der Autor antwortet, indem er die Tonalität erhöht: Er spricht von «Rivalitäten unter Bübchen», von bezahlten Runden, falls man sich persönlich trifft, von Leuten, die nicht zu seinem Kreis gehören.
Es gibt einen Moment, in dem die Sache explizit feindselig wird. Die Hinweise auf das Privatleben des Autors, auf seine Begleiter und auf angebliche Treffen folgen einander ohne jede Zurückhaltung. Sie tragen nichts zur Analyse des Autos oder der Fahrt bei, und der Autor selbst bittet schließlich, keine Dritten mehr zu erwähnen. Die Diskussion wird zur Abrechnung zwischen Leuten, die sich aus anderen Threads kennen und alte Ressentiments mit sich herumtragen.
Die eigentliche Fahrt: Sprit, Maut und ein Strafzettel in Zaandam
Unter dem Lärm gibt es konkrete Zahlen. Die Kosten der Fahrt für Sprit und Maut liegen bei etwa 500 Euro. Hinzu kommt eine Parkstrafe in Zaandam, deren Höhe der Autor später mit Foto genau beziffern will. Er erwähnt auch, dass er die Hauptuntersuchung (ITV, die spanische TÜV-Prüfung) machen lassen wird und die Unterlagen hochladen wird, wenn er das Auto abholt.
Auch die Reiseroute entspricht nicht dem epischen Ton. Der Autor räumt ein, mit seiner Schwester in die Niederlande gekommen zu sein und die Strecke von Zandvoort nie gesehen zu haben: Sie waren am Strand. Und er gibt zu, dass er in Amsterdam und Den Haag mehrmals geparkt und gefahren ist, wie er wollte, ohne Konsequenzen. «Ich hatte Glück im Unglück», schreibt er. Das Geständnis entzaubert die Epik der Europareise erheblich: Was als Heldentat präsentiert wird, ist eine Fahrt mit verwaltungstechnischem Glück.
Der Vergleich eines anderen Teilnehmers hilft, den realen Maßstab der Sache einzuschätzen. Ein Bekannter von ihm fuhr bis nach Krasnojarsk, in einem Isuzu Trooper. Er selbst reiste mit einem Fiat Punto nach Turin. Gemessen an diesen Distanzen ist Paris-Amsterdam in einem Diesel-Kombi, in seinen Worten, «ein Spaziergang». Die Messlatte für Respekt ist, bis nach Taschkent, Bischkek oder Dakar zu kommen.
Der Kontext, der wirklich zählt: warum man zum Tanken nach Deutschland rüberfährt
Zwischen den Beleidigungen erscheinen nützliche Informationen. Ein Teilnehmer erklärt, dass er alle zwei Monate wegen der Judo-Wettkämpfe seiner Kinder nach Belgien oder Deutschland fährt und die Gelegenheit nutzt, den Tank vollzumachen, und so kalkuliert, dass er mit Reserve ankommt. Zum Thema Tabak stellt er klar, dass man nicht so weit fahren muss: Rotes Marlboro kostet 90 Euro in seinem üblichen Markt. Und für Alkohol empfiehlt er die Karte einer niederländischen Handelskette, mit Wochenangeboten für die Allgemeinheit und Sonder rabatten für Mitglieder, die Punkte sammeln, gesetzlich begrenzt auf 25 %.
Es ist der einzige Abschnitt der Diskussion, in dem die grenzüberschreitende Fahrt als das behandelt wird, was sie ist: eine wirtschaftliche Praxis mit unterschiedlichen Steuervorschriften in jedem Land. Statt der Zurschaustellung von Kilometern gibt es hier eine Logik messbarer Ersparnis. Dort kaufen, wo die Steuer niedriger ist, den Tank randvoll machen und die ohnehin notwendige Fahrt nutzen. Keine Epik, nur Kalkül.
Hinter den Kulissen: Ressentiments von woanders
Ein großer Teil der Aggressivität entsteht nicht durch diese Fahrt. Mehrere Nachrichten verweisen auf frühere Auseinandersetzungen, auf frühere Identitäten auf anderen Plattformen und auf Konten, die sich gegenseitig beobachten. Es geht um alte Nicknames, parallele Foren und Verfolgung unter Teilnehmern. Eine der härtesten Nachrichten wirft dem Autor seine angebliche Aktivität in einem anderen Bereich vor, mit «Infodumps» und Theorien, die, so heißt es, niemanden interessieren.
Der Autor antwortet mit der gleichen Münze: Er beschuldigt andere, ihm im ganzen Forum zu folgen, erwähnt «Freundchen» und behauptet, er poste weiter, weil diejenigen, die ihn schikanieren, nicht so viel Macht haben, wie sie vorgeben. Es ist die Logik der permanenten Abrechnung, bei der das Auto nur der jüngste Vorwand ist. Die Frage des Titels —stört es euch?— hatte ihre Antwort, bevor sie gestellt wurde.
Am Ende ist die Bilanz die übliche: ein Auto, das seinem Besitzer als die ultimative Maschine erscheint, eine Mehrheit, die einen Leichenwagen mit ausländischem Kennzeichen sieht, und eine Diskussion, die nie darauf kommt, worüber eigentlich diskutiert wurde. Die Fahrt kostete 500 Euro. Das Prestige, deutlich weniger.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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