Mercadona und die Agenda 2030: Der Supermarkt, der Stellung bezieht
Was steckt hinter einer Flagge der Agenda 2030 am Eingang eines Supermarkts? Am 25. September teilte Mercadona in den sozialen Medien seinen Beitritt zum UN Global Compact und die Feier des achten Jahrestags der Sustainable Development Goals (SDGs) mit. Die Reaktion ließ nicht auf sich warten: Mehrere Teilnehmer eines Forums kündigten an, dort nicht mehr einzukaufen. Der Auslöser war nicht die Geste selbst, sondern das, was viele dahinter vermuten: das Misstrauen gegenüber den SDGs als Deckmantel für einen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Wandel, den niemand gewählt hat.
Was sind die SDGs und warum stoßen sie auf Ablehnung?
Die 17 Sustainable Development Goals, die die UN 2015 verabschiedete, umfassen das Ende der Armut, Zero Hunger, Gesundheit und Wohlergehen, hochwertige Bildung, Geschlechtergleichstellung, sauberes Wasser, bezahlbare Energie, menschenwürdige Arbeit, Industrie und Innovation, Verringerung der Ungleichheiten, nachhaltige Städte, verantwortliche Produktion und Konsum, Klimaschutzmaßnahmen, Leben unter Wasser, Leben an Land, Frieden und Partnerschaften zur Erreichung der Ziele. Auf dem Papier halten viele Teilnehmer einige dieser Ziele für wünschenswert.
Das Problem liegt laut der am häufigsten geäußerten Analyse im Vorgehen. „Einige sind es nicht, der Rest wäre wünschenswert, das Problem ist die METHODE“, fasst eine der meistzitierten Aussagen zusammen. Die Kritik richtet sich nicht gegen die Ziele, sondern gegen die Mittel: Wer zahlt, wer entscheidet und auf wessen Kosten wird umgesetzt?
Die Rechnung, die niemand offenlegen will
Eines der häufigsten Argumente lautet, dass die Ziele naturgemäß unerreichbar seien. „Sie versprechen Dinge, die faktisch und von Natur aus unmöglich sind, wie das Ende der Armut“, behauptet ein Teilnehmer und fügt hinzu, dass man dies innerhalb von 15 Jahren erreichen wollte und die Situation nach der Hälfte der Zeit schlechter sei als zu Beginn. Inflation, Krieg und steigende Schulden werden als Beweise angeführt, dass das Modell nicht funktioniert.
Ein weiterer ausführlich diskutierter Punkt sind die Kosten. „Um die Armut zu beseitigen, muss jemand zahlen – wir –, und wir haben keine Entscheidung darüber, woher das Geld kommt“, so eine Analyse, die Ziel 1 mit Ziel 17 verknüpft: Die Partnerschaften zur Erreichung der Ziele werden in dieser Lesart zum Mechanismus, um den Rest zu finanzieren.
Die dunkle Seite: Was steckt hinter jedem einzelnen Ziel?
Der ursprüngliche Beitrag der Debatte entwickelt eine alternative Lesart jedes der 17 Ziele. Das Ende der Armut wird als Einführung eines bedingungslosen Grundeinkommens interpretiert, das nur das Nötigste abdeckt – Lebensmittel, Wasser, Strom, Kleidung – und Autos, Urlaub oder Elektronik ausschließt, während breite Bevölkerungsschichten Löhne nahe dem spanischen Mindestlohn (SMI) beziehen und aufgrund der Inflation immer weniger kaufen. Zero Hunger wird mit umweltfreundlichen Diäten assoziiert, die Insekten enthalten und wenig frisches Fleisch oder Fisch bieten, außer für jene, die es sich leisten können.
Gesundheit und Wohlergehen werden mit der kontinuierlichen Verabreichung von Impfstoffen und deren Pflichtcharakter für den Zugang zu Gesundheitsdiensten oder Versicherungen verknüpft. Hochwertige Bildung steht im Zusammenhang mit Inhalten, die je nach Regierung ideologisch gefärbt sind. Geschlechtergleichstellung bedeutet, Parität in Führungspositionen zu erzwingen, während prekäre Arbeitsbedingungen ignoriert werden. Sauberes Wasser und bezahlbare Energie führen zu Einschränkungen basierend auf klimatischer Verfügbarkeit und erneuerbarer Produktion. Menschenwürdige Arbeit beschränkt sich auf Jobs auf Mindestlohnniveau ohne berufliche Entwicklungschancen. Industrie und Innovation beziehen sich auf Projekte mit geringem oder sogar negativem realen Impact. Die Verringerung der Ungleichheiten führt zum Verschwinden der Mittelschicht. Nachhaltige Städte bedeuten die Einschränkung des privaten Verkehrs. Verantwortungsvolle Produktion führt zu höheren Steuern und Verboten. Klimaschutzmaßnahmen sollen CO2 reduzieren, obwohl das Modell darauf nicht vorbereitet ist. Die Kontrolle über Fischerei-, Agrar- und Viehressourcen bedeutet staatliche Verwaltung. Frieden und Gerechtigkeit stehen für die Stärkung supranationaler Institutionen. Und Partnerschaften bedeuten die Durchsetzung der Interessen reicher Länder gegenüber armen.
Die Entwicklung der Debatte: Von der Flagge zum Boykott
Die Diskussion wandelte sich schnell hin zu einem Boykott von Mercadona. „Gibt es noch Leute, die dort einkaufen?“, fragt ein Teilnehmer. „Ich habe nie dort eingekauft, aber jetzt schon gar nicht, selbst wenn ich verhungern würde“, fügt ein anderer hinzu. Die Kritik mischt die Ablehnung der Agenda 2030 mit Beschwerden über Qualität, Sortiment und Preise des Supermarkts.
Manche gehen weiter und behaupten, große Unternehmen würden gezwungen, sich der Agenda anzuschließen, auch wenn sie nicht bereitwillig tun. „Große Unternehmen werden gezwungen, die Scheiß-Agenda 2030 schluckweise hinzunehmen, auch wenn sie nicht wollen; leider müssen sie akzeptieren“, so ein Kommentar, der die Situation als Diktatur beschreibt. Ein anderer Teilnehmer berichtet, dass sein Unternehmen ein Foto mit der Agenda-Flagge veröffentlichen musste, weil der wichtigste Kunde, ein multinationaler Konzern, dies verlangte: „Anweisungen von oben“.
Der Gesellschaftsvertrag und der Widerstand
Die tiefgreifendste Kritik zielt auf den Gesellschaftsvertrag. „Der Gesellschaftsvertrag existiert nicht. Ich habe keinen Vertrag unterschrieben. Niemand hat mich gefragt. Einen Vertrag mit diesen drakonischen Bedingungen würde ich niemals unterschreiben“, so eine der meistzitierten Stimmen. Die Idee, dass die Agenda ohne demokratisches Mandat auferlegt wird, zieht sich durch viele Beiträge.
Andere weisen darauf hin, dass das ungenannte Ziel darin bestehe, Selbstständige sowie kleine und mittlere Unternehmen zugrunde zu richten, damit große Investmentfonds alles übernehmen. „Wir sehen, dass die verschiedenen Säulen unserer Gesellschaft uns verraten“, heißt es in einer Linie, die die Agenda mit der Unternehmenskonzentration verbindet.
Der Widerstand organisiert sich über den Konsum. „Ich suche seit Langem nach lokalen Lieferanten. Auf Telegram gibt es Gruppen, die sogar Listen nach Regionen und Produkttyp organisieren“, erklärt ein Teilnehmer, der Nahversorgung mit eigenem Gemüsegarten kombiniert. Ein anderer ergänzt, dass er nach seinem Umzug aufs Land aufgehört habe, große Einkaufszentren zu betreten.
Debatte über die Methode, nicht über die Ziele
Die häufigste Schlussfolgerung lautet, dass nicht die Ziele das Problem sind, sondern was bekanntermaßen getan wird, um sie zu erreichen. „Es reicht, ein edles Ziel vorzugeben, um jede Art von Maßnahme durchzuboxen“, fasst ein Kommentar zusammen, der kritisiert, dass Politiker Maßnahmen verkaufen, ohne zu analysieren, ob sie das Ziel tatsächlich erfüllen. Der Vergleich mit Wünschen an einen Geist – „Du bittest um etwas, das dir gut erscheint, und der Geist gewährt dir etwas völlig Verzerrtes und Bösartiges“ – schließt den Kreis.
Mercadona hisst unterdessen weiterhin die Flagge. Und die Kunden, die gegangen sind, denken vorerst nicht ans Zurückkehren.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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