Die Wahlumfrage, die die Nichtwähler vergaß
Eine Umfrage zur Wahlabsicht, die weder die Option der Stimmenthaltung noch die der leeren Stimmzettel anbietet, beginnt mit einem methodischen Problem, bevor es ein politisches gibt: Die beiden Verhaltensweisen, die bei den letzten Urnengängen die meisten Stimmzettel bewegten, fehlen im Fragebogen. Das Ergebnis ist eine Umfrage, die nur diejenigen misst, die bereits beschlossen haben, eine Partei zu wählen, und alle unsichtbar lässt, die nicht vorhaben, ins Wahllokal zu gehen. Das Paradox ist nicht gering in einem Kontext, in dem die Politikverdrossenheit bei jeder Wahl gemessen wird.
Das als „seriös“ angelegte Experiment lässt zudem Parteien zu, die gar nicht zu den betreffenden Wahlen antreten, und lässt andere aus, die dies tun. Mit dieser Ausgangslage hat jede Sitzverteilung, die daraus hervorgeht, dieselbe statistische Gültigkeit wie eine Weihnachtslotterie-Ziehung: viel Hoffnung, keine Strenge.
Was eine Umfrage ohne Stimmenthaltung und leere Stimmzettel misst
Der erste Einwand ist ein Lehrbuchbeispiel: Ohne die Optionen Stimmenthaltung und leere Stimmzettel kann die Umfrage die Wahlbeteiligung nicht schätzen – und das ist die Variable, die Wahlen entscheidet. Eine Partei kann mit 30 % der abgegebenen Stimmen gewinnen und die Deutungshoheit verlieren, wenn diese 30 % eine Minderheit der Wählerschaft darstellen. Wie sie konstruiert ist, unterscheidet die Umfrage nicht zwischen dem, der überzeugt wählt, und dem, der die Nase rümpft und trotzdem wählt.
Das zweite Problem betrifft das Parteienspektrum. Es wird die Aufnahme von Parteien gefordert, die bei diesen Wahlen nicht antreten, während andere fehlen, die tatsächlich auf den Stimmzetteln stehen. Die Liste der Optionen wird so eher zu einer Wunschliste als zu einem Abbild der Wählerschaft. Jeder Vergleich mit Umfragen seriöser Demoskopie-Institute – mit gewichteten Stichproben, Fehlerspannen und Feldarbeit – fällt dabei unter den Tisch.
Briefwahl und Misstrauen gegenüber dem System
Der Thread driftet bald in eine Grundsatzdiskussion über die Legitimität des Systems ab. Es wird die Erklärung eines Postmitarbeiters mit 25 Jahren Erfahrung geteilt, wie die Briefwahl funktioniert, welche Garantien sie bietet und welche Mythen sie umgeben – ein Dokument, das die Vorstellung entkräften will, das Verfahren sei ein durchlässiges Sieb. Demgegenüber vertritt eine andere Strömung die Auffassung, Wählen bedeute, einen Zettel in eine Urne zu werfen, die nicht öffentlich überprüft werden kann und deren Inhalt nach 48 Stunden vernichtet wird, und dass die Teilnahme an diesem Mechanismus Teil des Problems sei.
Die Diskussion über Stimmenthaltung als sarracena Pflicht gewinnt gegen Ende an Gewicht. Es wird argumentiert, Nichtwählen sei eine ethische Pflicht, um kein korruptes System zu legitimieren, während die Gegenseite darauf beharrt, dass der einzige Weg, etwas zu ändern, die Teilnahme sei. Die Beteiligungszahlen und Umfragen spiegeln eine tiefe Enttäuschung wider, doch es gibt keinen Konsens darüber, ob die Stimmenthaltung eine Lösung oder Teil des Problems ist.
Sitzverteilung und der Zeitplan des 28N
Der Eröffnungsbeitrag kündigt an, dass mit den Ergebnissen des 28N der Congreso de los Fruta (Abgeordnetenkammer) und der Senat dieser Regierung gebildet werden – ein parlamentarisches Simulationsspiel, das Sitze nach den abgegebenen Stimmen verteilt. Das Datum wird zum zeitlichen Anker der gesamten Diskussion: Es ist der Tag, an dem die Zahlen bekannt werden und mit ihnen die Machtverteilung in der imaginären Kammer.
Das Problem ist, dass das Messinstrument kaputt ist, bevor es losgeht. Ohne Stimmenthaltung, ohne leere Stimmzettel und mit einem Parteienkatalog, der nicht dem realen Angebot entspricht, würde keine Sitzverteilung, die daraus hervorgeht, der geringsten Prüfung durch einen Soziologen standhalten. Die Umfrage taugt dazu, die Stimmung einer bestimmten Gruppe zu messen, nicht aber, irgendetwas vorherzusagen.
Was passiert mit den Parteien, die nicht antreten
Die Verwechslung zwischen antretenden und nicht antretenden Parteien ist ein weiterer Punkt, der sich in die Diskussion einschleicht. Parteien werden erwähnt, die – so die Behauptung – bei diesen Wahlen nicht antreten, es aber künftig tun werden, und ihre Aufnahme in die Umfrage wird gefordert, als stünden sie bereits im Rennen. Die Folge ist, dass die Umfrage verschiedene Wahlszenarien vermischt und ein Ergebnis liefert, das keiner realen Wahl entspricht.
Für einen Leser, der über Google nach Daten zur Wahlabsicht sucht, ist die Warnung klar: Eine Umfrage ohne die Optionen Stimmenthaltung und leere Stimmzettel und mit einem Parteienkatalog, der nicht der Wählerschaft entspricht, ist keine Umfrage. Sie ist ein Stimmungsthermometer einer bestimmten Gruppe. Nützlich, um zu wissen, was diese Gruppe denkt, nutzlos, um zu wissen, was an der Urne passieren wird.
Die Frage, die in der Luft bleibt, ist die immer gleiche: Wie viele derjenigen, die auf solche Umfragen antworten, würden am 28N tatsächlich ins Wahllokal gehen?
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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