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Melilla: Massensturm auf den Grenzzaun mit Dutzenden Toten
Zwischen 800 und 1.000 Menschen stürmten am 25. Juni 2022 den Grenzzaun von Melilla. Die damals kursierenden Zahlen sprachen von bis zu 45 Toten und rund 200 Verletzten.
Melilla: Der Sturm auf den Grenzzaun, der Dutzende Tote forderte
Am Morgen des 25. Juni 2022 stürmten zwischen 800 und 1.000 Menschen, überwiegend Sudanesen, die Anlagen des spanischen Zolls in Melilla. Es war kein spontaner Sprung: Die Gruppe kam in geschlossener Formation von den nahegelegenen Bergen herab, mit einer Winkelschleifer und mindestens einer Axt ausgerüstet, und warf sich gegen den doppelten Zaun. Das Ergebnis, nach den Zahlen, die direkt an der Grenze kursierten: zwischen 18 und mehr als 40 Tote und rund 200 Verletzte auf beiden Seiten. Die spanische Guardia Civil und die marokkanische Gendarmerie schlugen den Angriff zurück. Was als Zahl von 31 Toten in den Gesundheitszentren von Nador begann, stieg nach Angaben der NGOs auf 37.
Das Ausmaß der eingesetzten Kräfte — in Bataillonsstärke — und die Härte der Zusammenstoßes führten zu einer unbequemen Schlussfolgerung: Das war nicht einfach wieder ein Migrationsaufruhr. Es war etwas anderes.
Vom Zaun zur offenen Schlacht: Was am 25. Juni geschah
Der Ablauf, rekonstruiert anhand der verfügbaren Quellen, beschreibt eine Gruppe von 200 Menschen, die direkt gegen den spanischen Zaun vorging. Etwa 70 wurden abgewehrt. Die restlichen über 100 schafften es hindurch und gerieten mit der Guardia Civil aneinander: rund 50 Verletzte auf jeder Seite. Auf marokkanischer Seite war der Kampf weitaus härter. Die Gendarmerie zersprengte die angreifende Gruppe, jedoch um den Preis vieler tödlicher Opfer. Sanitätsquellen nannten mehr als 30 Tote; andere sprachen von 18; die NGOs von 37. Die Schwerverletzten gingen in die Dutzende.
Die Verluste der marokkanischen Gendarmerie überstiegen laut den kursierenden Informationen die Hundert-Marke an Verletzten, mindestens fünf davon schwer. Zu möglichen Toten in den eigenen Reihen bestätigten die offiziellen Zahlen keinen einzigen Todesfall, Gerüchte sprachen jedoch von zwei bis fünf. Das verbreitete Bildmaterial zeigte bewusstlose Personen ohne sichtbare Schusswunden, was die These von Erstickung durch Gedränge in der Massenpanik oder von Schlägen befeuerte. Ein Detail wurde mit den Stunden zentral: die verzögerte Versorgung der Verletzten.
Wer organisierte den Sturm? Die Miliz-These
Die Version, die in den folgenden Stunden an Gewicht gewann, deutete auf eine Operation mit hierarchischer Struktur hin. Marokko verwies sogar auf Algerien: Der Angriff sei von „Milizionären" kommandiert worden, mit geplantem Vorgehen und Anführern, die in Konfliktzonen ausgebildet worden seien. Die verbreitetste Lesart unter denen, die das Thema verfolgten, war, dass die Strategie einen hohen Organisationsgrad zeigte — weit entfernt vom Klischee des ausgehungerten Migranten, der verzweifelt über die Grenze kommt.
Diese These passte in einen größeren Zusammenhang: Migrationsdruck als Werkzeug diplomatischen Drucks. Die beschriebene Abfolge — Marokko verlagert Menschen an die Grenze und setzt sie als Druckmittel ein, und wenn sie sie nicht mehr braucht, geht es hart mit ihnen um — zeichnete das Bild eines Erpressungsspiels, bei dem Spanien die Verteidigung der eigenen Grenze auslagert. Und da stellte sich die unbequeme Frage: Wenn die Integrität Melillas davon abhängt, was die marokkanischen Kräfte wollen und können, wie lange dauert es, bis jemand auf die Idee kommt, die Enklave einzufordern?
Das Geschäft mit den NGOs und das Opfer-Narrativ
Ein Teil der Analyse richtete den Blick auf das Ökosystem rund um die irreguläre Migration. Es wurde argumentiert, dass NGOs und bestimmte Organisationen den Menschenschmuggel in ein Geschäft mit viel Geld dahinter verwandelt haben und dass ohne diesen Anreiz viele dieser Tragödien nicht stattfinden würden. Die Kritik richtete sich nicht gegen die Solidarität, sondern gegen die Industrie, die sie monetarisiert. Parallel dazu wurde die Heuchelei des offiziellen Diskurses angeprangert: Dieselbe Regierung, die die Rettung der Aquarius beklatscht hatte, schwieg zu den Toten am Zaun.
Demgegenüber vertrat eine andere Strömung die Auffassung, das Problem seien nicht die NGOs, sondern das Fehlen legaler Wege. Die meistgeäußerte Prognose: Würden diejenigen, die einreisen wollen, über den Grenzübergang mit gültigen Papieren kommen, wäre niemand gestorben. Die Diskussion driftete Richtung europäisches Migrationsmodell, Sozialingenieurwesen und Lohndumping ab, mit Positionen von vollständiger Schließung bis hin zur Regularisierung.
Was Spanien an der Südgrenze auf dem Spiel hat
Der Vorfall hinterließ eine unbequeme Erkenntnis: Die Grenze von Melilla wurde mit Mitteln verteidigt, die nicht spanisch waren. Die Guardia Civil hatte nach Regierungsentscheid weder die Kapazität noch die Erlaubnis, diejenigen festzunehmen, die über den Zaun kletterten, so die Lesart des rechtlichen Rahmens. Den Körper hinhielt die marokkanische Gendarmerie. Das macht die Sicherheit der Enklave zu einer Frage diplomatischer Geometrie.
Die zur Debatte stehende Alternative — die eigene Verteidigung selbst in die Hand nehmen — stößt auf politische und menschliche Kosten. Die andere Option, weiter zu delegieren, macht Spanien zum Geisel der Interessen Rabats. Dazwischen liegt die Zahl, die niemand sehen will: Dutzende Tote an einem Junimorgen. Wie oft muss sich das Drehbuch noch wiederholen, bis jemand beschließt, das Ende zu ändern?
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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