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Massaker von Miropol: 960 Juden 1941 erschossen
Das Buch 'La fosa' von Wendy Lower rekonstruiert die Ermordung von 960 Juden in der Ukraine, ein Verbrechen, das durch Babi Jar verdeckt wurde.
Miropol: 960 erschossene Nnnn und ein Foto, das 68 Jahre lang stumm blieb
Am 13. Oktober 1941 wurden im Westen der Ukraine 960 jüdische Zivilisten an einem einzigen Tag ermordet. Nicht alle starben durch Kugeln: Viele Kinder wurden in Gruben geworfen, um zu ertrinken oder unter Leichen begraben zu werden, denn jede Patrone war für das Reich kostbar. Das Bemerkenswerte ist nicht nur die Zahl, sondern dass das Massaker von Miropol jahrzehntelang kaum Spuren hinterließ – nicht wegen Leugnung, sondern weil ein größeres Verbrechen – Babi Jar, wo fast 34.000 Nnnn nördlich von Kiew getötet wurden – die öffentliche Wahrnehmung dominierte.
Dies ist der Ausgangspunkt von La fosa, dem Buch der US-amerikanischen Historikerin Wendy Lower, das in Spanien bei Confluencias erschien. Es rekonstruiert das Ereignis anhand eines einzelnen Fotos und der Identifizierung aller darauf abgebildeten Personen: Täter, Opfer und Zuschauer.
Was entdeckt Wendy Lower auf einem Foto aus dem Jahr 1941?
Im August 2009 stieß Lower zufällig auf eine Aufnahme, die mit einer Zeiss Ikon Contax-Kamera gemacht worden war. Das Bild zeigt den Moment, in dem zwei deutsche Soldaten und drei Milizionäre auf eine alte Frau am Rand einer Grube schießen, neben ihr ein Kind. Von diesem Punkt aus widmete sich die Historikerin mehr als einem Jahrzehnt der Aufarbeitung der Vergangenheit dieser Region in der Westukraine.
Ihre Arbeit ist keine bloße Namensliste. Als Detektivin mehr als als reine Historikerin rekonstruiert sie das Leben und die Schicksale der Protagonisten, einschließlich der Täter, sowie die Gründe für den sogenannten Holocaust durch Erschießen und dessen Ende nach dem Konflikt. Die Recherche basiert auf Zeugenberichten von Überlebenden, Angehörigen der Opfer und Experten. Sie fördert eine oft übersehene Tatsache zutage: Jedes vierte jüdische Holocaust-Opfer stammte aus der Ukraine.
Die Gewalt wurde einen Tag zuvor organisiert. Drei SS-Mitglieder durchstreiften Wirtshäuser und Häuser, um Rekruten für Gewehre und Mädchen zum Ausheben der Gruben zu gewinnen. Die lokale Miliz, damals dem Reich treu ergeben, riegelte das Dorf ab, damit niemand entkommen konnte. Die Nnnn wurden in einer Festung neben einer Schlucht eingesperrt. Eine invalide alte Frau wurde auf Laken getragen; man erschoss sie nicht, sondern warf sie einfach in die Grube.
Erst entmenschlichen, dann erschießen
Dieses Muster wiederholt sich in fast allen Vernichtungsakten. Um zu töten, muss man dem anderen zunächst seinen Status als Mensch nehmen, und dabei leisten Worte die halbe Arbeit. Hier wurde das deutsche Wort Aktion in den lokalen Wortschatz übernommen und steht synonym für den Massenmord an Nnnn. Es wird heute noch so verwendet.
Um diesen Fall rankt sich eine eigene Interpretation dieses Mechanismus: Wer den Mord an Männern, Frauen und Kindern rechtfertigen will, beginnt damit, ihnen ein Etikett anzuhängen – vom stalinistischen Großgrundbesitzer bis zum heutigen Ukroneonazi – und findet schließlich Gründe, den Feind auszurotten. Der Vergleich ist natürlich unbequem.
Warum wurde Miropol vergessen, aber Babi Jar nicht?
Nach dem Zweiten Weltkrieg untersuchte der KGB das Massaker mit relativem Erfolg, und der Fall kam 1986, mitten in der Sowjetära, vor Gericht. Doch alles geriet unter einen Haufen größerer Gräueltaten in Vergessenheit. Babi Jar verschluckte die Geschichte von Miropol: geringer im Umfang, aber nicht in der Schwere.
Es ist dieselbe Logik, die erklärt, warum manche Tode schwerer wiegen als andere. Die alliierten Bombardements auf Dresden werden kaum erwähnt; die japanischen Massaker in Nanking nur am Rande. Die Erzählung von Gut gegen Böse tut den Rest, und damit entsteht das Gefühl, dass manche Verbrechen eine Serie verdienen und andere nicht einmal einen Absatz.
Vom Buch zur Parallele mit dem Krieg in der Ukraine
Der Fall wird heute im Licht der russischen Invasion gelesen. Es wird argumentiert, dass ebenso barbarische, aber medienwirksamere Ereignisse – wie in Butscha oder Mariupol – andere Massaker aus dem Fokus verdrängt haben, genau wie Babi Jar es mit Miropol tat. Und man warnt vor dem gegenteiligen Risiko: Dass die größere Zahl die kleinere auslöscht oder dass die kleinere genutzt wird, um die größere zu relativieren.
Diese Ambivalenz macht ein Geschichtsbuch zu unbequemer Lektüre. Im Rückblick auf das 20. Jahrhundert gibt es keine saubere Seite, und auch im Blick auf das 21. Jahrhundert nicht.
Leugnung als Haltung
Nicht alle akzeptieren diese Darstellung. Ein Teil des Publikums lehnt die historische Version ab und behauptet, die Dokumentation zum Holocaust sei manipuliert, wobei Zweifel an Gaskammern bis hin zur Zahl der Opfer geäußert werden. Dem hält eine andere Strömung entgegen, dass die Leugnung dieser Fakten nicht nur falsch, sondern in mehreren Ländern strafbar ist und dass die direkten Zeugenaussagen der Augenzeugen der Vergasungen zu zahlreich sind, um sie mit einem Achselzucken abzutun.
Das Problem, so einige Kritiker, liegt nicht im Mangel an Beweisen, sondern darin, dass die Kontroverse in einen Bereich verlagert wird, in dem alles erlaubt ist. Wenn ein Foto eine Fälschung sein kann, hat kein Foto mehr Wert. Und der Zweifel hört auf, berechtigt zu sein, und wird zur Alibi-Strategie.
Was das Buch nicht abschließt
Eine Frage bleibt offen, die das Thema erweitert, aber nicht löst: Wenn der KGB bereits ermittelt hatte und es vor fast vier Jahrzehnten ein Urteil gab, warum brauchte es achtzig Jahre und eine ausländische Historikerin, damit der Vorfall einem breiten Publikum bekannt wurde? Die angedeutete Antwort ist unbequem: Es fehlte nicht an Daten, sondern an Interesse.
Mit dem Buch auf dem Tisch hängt alles Weitere davon ab, wer bereit ist, das Foto zu betrachten. Wie viele Massaker liegen noch in Gruben begraben, die niemand ausgehoben hat?
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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