US-Strategie treibt neue Geopolitik in Europa und Asien
Während die USA einerseits Russland verurteilen und andererseits China als potenziellen Gegner aufbauen, wirkt die Außenpolitik eher wie ein Schachspiel denn als klare Interessenvertretung. In den letzten vier Jahren konzentrierte sich die Debatte auf einen angeblichen Fahrplan – von manchen als „der große US-Plan“ bezeichnet –, der europäische Deindustrialisierung, die Energiekrise und Chinas demografische Umstrukturierung kombinieren soll, um Abhängigkeit und Konflikte zu schaffen.
1. Teile und herrsche: Die angebliche Allianz zwischen Russland und China
Der Ausgangspunkt des Threads ist die Frage von Nefersen: Warum fördern die USA die Annäherung Russlands an China, während die eigene Politik gleichzeitig darauf abzielt, Moskau zu isolieren? Die unter Teilnehmern kursierende Antwort lautet, dass die Strategie zwei Blöcke schaffen soll, die nicht gleichzeitig angreifbar sind – eine Variante des klassischen „Teile und herrsche“, bei der der Feind nicht gespalten, sondern gegen einen dritten Akteur vereint wird.
2. Unmögliche Reindustrialisierung und der Einbruch des europäischen BIP
Mehrere Nutzer zitieren Daten, die die Machbarkeit einer Reindustrialisierung des Westens infrage stellen. Deutschland habe laut Thread sein BIP „in 12 Jahren fast verdreifacht“, doch das BIP-Wachstum spiegele nicht den Wettbewerbsverlust in arbeitsintensiven Sektoren wider. Die Arbeitskosten in den USA und Europa werden als „außer Kontrolle“ beschrieben, was die Rückverlagerung der Hightech-Produktion unmöglich mache. Ein wiederkehrendes Argument ist, dass die einzige Lösung darin bestehe, die Produktion zu regionalisieren und Löhne auf ein Viertel des US-Niveaus zu halten.
3. Die Energiekrise und das RAND-Dokument
Im März 2023 wurde laut Thread ein Bericht der RAND Corporation geleakt, der beschrieb, wie die USA den Krieg in der Ukraine und die darauffolgende Energiekrise in Europa geplant hätten. Das Dokument, als „erschütternd“ bezeichnet, legt nahe, dass Gas- und Ölknappheit als Hebel genutzt wurden, um europäische Unternehmen zur Rückkehr auf die US-Märkte zu zwingen und so eine Abhängigkeit von US-Kapital und Technologie zu schaffen.
4. Chinas Demografie und der Kollaps der Rentenversicherung
Ein weiterer Schwerpunkt der Debatte ist die Ein-Kind-Politik der 60er Jahre, die laut Nefersen dazu führen werde, dass in den nächsten 30 Jahren eine Milliarde Chinesen von 500 Millionen Rentnern abhängig sei. Eine Lösung durch Immigration wäre unrealistisch: Es bräuchte 1,5 Milliarden neue Einwohner, um das Modell auszugleichen – eine Zahl, die die verfügbare Weltbevölkerung weit übersteigt.
5. Konfliktprognosen und der Schatten eines Dritten Weltkriegs
Die Teilnehmer warnen, dass die Kombination aus einem energielosem Europa, einem militärisch und demografisch expandierenden China und wirtschaftlich schwächelnden USA (BIP-Rückgang von 1,8 % im Jahr 2022) eine Hochspannungssituation erzeugt. Einige nennen die Präsenz des Kriegsschiffs Kearsarge in der Ostsee seit März als Zeichen einer möglichen militärischen Eskalation. Andere, skeptischer gestimmt, erinnern daran, dass die jüngere Geschichte zeigt, dass Äquidistanz zwischen Großmächten oft bestraft wird, was wenig Raum für „blockfreie“ Länder lässt.
Zusammenfassend ist der „große US-Plan“ kein offizielles Dokument, sondern ein Gemisch aus Hypothesen, Daten und Verdächtigungen, die laut der Debatte die Architektur eines neuen Kalten Krieges prägen könnten. Ist dies das Vorspiel eines globalen Konflikts oder einfach eine unbegründete Verschwörungstheorie?
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