Mariupol: Berichte über Asow-Gegenangriff durch Tunnel

Berichte, wonach das Asow-Bataillon Teile Mariupols über Tunnel aus dem Asowstal-Werk zurückerobert haben soll, bleiben unbestätigt.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Mariupol: Berichte über Asow-Gegenangriff durch Tunnel
Mariupol und die Theorie der Tunnel unter dem Asowstal-Werk

Eine Stadt, die als erobert galt, liefert weiterhin Kriegsmeldungen. Die kursierende Version besagt, dass das Asow-Bataillon die Truppenabzüge nutzte, um wichtige Sektoren von Mariupol zurückzuerobern, gestützt auf ein weitläufiges Netz unterirdischer Tunnel, das vom Asowstal-Werk ausgeht. Diese Analyse stammt von einem Beobachter namens Jomini und wurde von einem Militäranalysten verbreitet: Es gebe ukrainische Widerstandsnester außerhalb des Industriekomplexes; falls Galerien von der Stahlhütte in die Stadt führen, könnten diese Kräfte sich verteilen. Falls dies stimmt, wäre der Truppenrückzug ein schwerer Fehler gewesen. Ob es stimmt, ist genau das, was niemand bestätigen konnte.

Was behauptet die Version des Gegenangriffs genau?

Die vorherrschende Erzählung betrachtete Mariupol als gefallen, mit der Stahlhütte als letztem Rückzugsort und Kämpfern, die sich unterirdisch versteckten. Die These des Gegenangriffs fügt ein unbequemes Element hinzu: Dass dieser Untergrund keine Sackgasse ist, sondern ein Netz von Galerien, das im Asowstal seinen Ursprung hat, welches Ausbrechen, Zuschlagen und erneutes Verstecken ermöglichen würde. Darauf basiert die Behauptung einer Geländegewinnung in der Stadt.

Bemerkenswert ist die Nachvollziehbarkeit. Alles hängt an einer Kette von Nachrichten in sozialen Medien, mit namentlichem Analysten und einer Quelle, die unter Pseudonym schreibt. Keine verifizierbaren Karten, keine offiziellen Berichte, keine geolokalisierten Bilder. Wenn der einzige Beweis ein Tweet ist, der einen anderen Analysten zitiert, ist das passende Wort nicht Information: Es ist ein Hinweis.

Eine Belagerung gewinnt man durch Warten, nicht durch Sturmangriff

Der stärkste Einwand kommt nicht aus der Geopolitik, sondern aus der Logistik. Wenn das Ziel die Eroberung einer befestigten Stellung ist, treibt ein erzwungener Sturmangriff die eigenen Verluste in die Höhe; sie einzukreisen und zu warten kostet weniger. Befürworter dieser Lesart erinnern daran, dass seit jeher belagert wird und das Ergebnis von den Vorräten bestimmt wird, nicht von der Infanterie.

Daraus leiten einige ab: Herauskommen ist kein Sieg, sondern der Verlust der Vorräte. Wenn eine Kraft ihr Versteck verlassen würde, um anzugreifen, könnte man dies als Zeichen lesen, dass die Speisekammer leer ist, nicht als siegreiche Manöver. Manche behaupten sogar, dass Kampf im offenen Gelände, bei Artilleriefeuer und klarer Sicht, nur das Ende beschleunigt. Der Gegensatz ist klar und lässt sich nicht durch Enthusiasmus lösen: Entweder sind es Verbände, die sich ausdehnen, oder Männer, die einen Ort zum Sterben suchen.

Asowstal: Vom dokumentierten Tunnel zur Tischgespräch-Fantasie

Die Stahlhütte ist ein sowjetisches Industrie-Monster mit Kellern, Leitungen und technischen Galerien aus Jahrzehnten. Dass es Tunnel gibt, ist plausibel. Dass dieses Netz ganze Stadtviertel erreicht und nachhaltige Operationen hinter den Linien ermöglicht, erfordert Beweise, die niemand lieferte. Und wenn Beweise fehlen, entsteht Spott: In jeder Diskussion über Wunder-Tunnel taucht die lokale Variante auf, die behauptet, die Galerie münde in einen Kreisverkehr der Hauptstadt.

Diese Art der Übertreibung vergiftet die gesamte Akte. Ein plausibles Datum – es gibt Keller und verstreute Kräfte – wird so weit gedehnt, bis es unbrauchbar wird, und dann nutzt man die Lächerlichkeit der Übertreibung, um auch das Plausible zu leugnen.

Charkiw, die andere Front, die die Schlagzeile verdeckt

Unter der Schaufenster-Präsentation von Mariupol liegt ein deutlich gewichtigeres Faktum: Die ukrainischen Fortschritte im Raum Charkiw und der Einsatz von Panzerbrigaden, um die russische Rearguard zu treffen, laut demselben Thread. Das hätte tatsächlich Konsequenzen für die Landkarte, nicht nur eine Scharmützel in einem Friedhof.

Hier entsteht die unbequeme Übereinstimmung. Zwei gegensätzliche Erzählungen nutzen dasselbe Material: Eine sagt, die Ukraine gewinnt die Initiative zurück, die andere zeigt die Unfähigkeit, die Einkreisung zu lockern. Beide können gleichzeitig wahr sein, und das ist der Teil, den kaum jemand zugeben will.

Wie die Vorhersage alterte

Monate vergehen, das Thema kehrt zurück und die Diskussion verwandelt sich in etwas anderes: In Abrechnung. Begeisterte Nachrichten werden hervorgeholt, um Fabeln genannt zu werden, man ironisiert über die vergangene Zeit und die zweitgrößte Armee der Welt, und der Gegenangriff, der Mariupol hätte ändern sollen, bleibt als wiederkehrender Witz. Die Sarracena ist grausam, aber nützlich: Im Krieg schreibt die erste Version derjenige, der am meisten Hoffnung hat.

Kann man einen städtischen Sektor wochenlang halten, wenn die Tunnel die einzige Versorgungskette sind? Die Frage bleibt offen, und keines der beiden Lager hat sie bisher mit etwas anderem als Glauben beantwortet.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (352 Antworten).

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