Mobilmachung: Desertion, Flucht nach Portugal oder ärztliche Befreiung
Die Frage braucht kein Dekret oder Datum; es reicht, sie sich vorzustellen. Morgen kommt das Schreiben zur obligatorischen Mobilmachung – was tun Sie? In diesem Szenario verteilen sich die Antworten auf drei Optionen – gehen, verweigern oder dienen – und eine vierte, die in keinem Handbuch steht: den Seitenwechsel. Die Ausgangslage ist alles andere als heroisch. Die spanischen Streitkräfte zählen 120.000 Mitglieder, von denen nur 70.000 Truppen sind, und das Heer verfügt über zwei voll einsatzfähige Divisionen. Mit dieser Basis würde eine hypothetische Einberufung vom Gesprächsthema zum reinen Kalkül.
Wie viele Soldaten und mit welchem Arsenal?
Auch die verfügbare Ausrüstung lädt nicht zum Optimismus ein. Spanien besitzt 45 Taurus-Raketen, eine Zahl, die nach aktuellen Berechnungen nicht einmal für einen halben Tag offenen Konflikts reichen würde. Der Kostenvergleich ist noch unbequemer: Der Start einer Langstreckenrakete kostet 5 Millionen Euro, während das russische Äquivalent unter 400.000 bleibt. Auf der anderen Seite verzehnfacht Russland seine Munitionsproduktion im Vergleich zu Europa, die deutsche Luftwaffe und Marine erreichen keine 30% Einsatzbereitschaft, und das Land, dem man angeblich gegenübersteht, verfügt über 6.500 Atomsprengköpfe.
Manche argumentieren, dass genau diese industrielle Ungleichheit die Entsendung spanischer Truppen an die Front unmöglich machen würde. Andere halten dagegen: Eine Armee mit Tausenden Atomsprengköpfen steckt seit Monaten in einem Flachlandkrieg gegen ein Land fest, das nicht zu den Militärmächten zählt. Beide Lesarten koexistieren ohne Versöhnung.
Portugal, Berge und Flüge, die nicht auf der Liste stehen
Die häufigste erste Reaktion ist nicht militärisch, sondern logistisch. Gehen, bevor das Schreiben kommt. Man kann über Portugal ausreisen und dort fliegen, lautet eine der am meisten genannten Strategien, mit dem Vorteil, dass die Strecke über Land führt und keine sichtbare Zollkontrolle stattfindet. Andere ziehen es vor, keine Grenze zu überschreiten: Verschwinden in den Wäldern des Landes, im leeren Spanien, in einem Landhaus mit Wasser und Garten. Auch Ziele mit bekannten Kontakten – Ecuador, Paraguay – tauchen auf, sowie das Argument, dass jemand, der in ein weniger von knappen Rohstoffen abhängiges Land emigriert, strategisch keinen Verlust darstellt.
Die Grundidee ist überall dieselbe: Die Pflicht löst sich auf, wenn der Körper, der beansprucht wird, verschwindet. Ein Satz fasst die Rechnung besser zusammen als jeder andere: Aus dem Gefängnis kommt man raus; aus einem ausländischen Schützengraben nicht.
Wer hätte die Tür zur Befreiung offen?
Hier wird die Überlegung zynischer und, nach Meinung vieler, realistischer. Die medizinische Befreiung erscheint als die offensichtlichste und wenig heldenhafte Antwort: Wer die Untersuchung nicht besteht, fällt aus, und man spekuliert, dass die Zahl der Menschen mit nachgewiesenen Gesundheitsproblemen bei etwa einer Million liegen könnte. Hinzu kommen Beamte, die als systemrelevant erklärt werden, Angestellte strategischer Unternehmen und jene, die einfach die Mittel haben, um Bestechungsgelder oder Anwälte zu bezahlen.
Ein Teil der Diskussion behauptet, dies wäre der eigentliche Filter: nicht die körperliche Eignung, sondern die Stellung in der Struktur. Die einkommensschwächeren und netzwerkarmen Sektoren würden die Lastwagen füllen; die Eliten würden bestenfalls in Luxusautos durchs Ausland fahren. Es wird auch über reduzierte regionale Quoten für politisch gewichtige Gemeinschaften und über einen diskretionären Umgang mit persönlichen Daten bei der Erstellung der Listen spekuliert.
Das Volk als Festung
Das beunruhigendste Szenario ist nicht individuell, sondern kollektiv. Wenn die Behörden versuchten, in einer kleinen Gemeinde von Tür zu Tür einzuberufen, wäre das Ergebnis, nach mehreren kursierenden Hypothesen, absolute Leere: Niemand hat etwas gesehen, es gibt keine Zeugen, keine Listen. Der historische Bezugspunkt ist Casas Viejas, und die damit verbundene Berechnung ist demografisch: Wenn so etwas am ersten Tag in 50 oder 60 Dörfern geschähe, gäbe es nicht genug Personal, um es zu wiederholen.
Diesmal stehen die Zahlen auf der Seite des Arguments. Eine Streitmacht von 120.000 Personen, davon 70.000 Truppen und viele in technischen Funktionen, hat nicht die Kapazität, halb das Land zu besetzen und gleichzeitig eine Front zu halten. Massiver Ungehorsam, administrativer Stillstand und einfache organisierte Passivität würden genügen, damit die Einberufung zu einem Haufen unbeantworteter Briefe wird.
Wohin würde das Gewehr zielen?
Bleibt die am wenigsten eingestehbare Option, die aber oft angedeutet wird: Die Uniform – oder besser, den Stock – akzeptieren und dann entscheiden. Eine Waffe in der Hand ist eine Waffe in der Hand, und in diesem Szenario ändert sich die Reihenfolge der Ziele. Ein Teil der Argumentation stellt den offiziellen Gegner in den Hintergrund und setzt die politischen und militärischen Verantwortlichen der Mobilmachung nach vorne, oder direkt die Möglichkeit, mit Informationen und Ausrüstung die Seite zu wechseln.
Man muss dieser Logik nicht zustimmen, um anzuerkennen, dass sie ein Legitimitätsproblem beschreibt. Wer sich nicht von der Sache vertreten fühlt, für die er kämpfen soll, kämpft nicht dafür: Er dient, desertiert oder wartet auf den Moment.
Mit einer Ausnahme, die als Erste im Militärpass dokumentiert würde. Der durchschnittliche Rekrut in diesem Szenario ist kein junger Mann in guter Form: Er ist 45 Jahre alt, hat Plantarfasziitis, Kurzsichtigkeit und eine wahrscheinliche Diagnose chronischer Angst. Rechnet nicht mit mir, sagt diese Hälfte des Landes damit. Und nicht aus ideologischer Überzeugung, sondern weil sie schlicht nicht dazu bereit ist.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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