Avdiivka fällt: Fünfmonatige Belagerung und unklare Verlustbilanz
Am 17. Februar 2024 hatten russische Truppen die Kontrolle über den Norden von Avdiivka vollständig übernommen, nur einen Tag nach der Einnahme des Stadtgebiets. Der Ort war seit 2014 befestigt und diente als Plattform für tägliche Angriffe auf Donezk. Die Operation wurde von Generaloberst Andrey Nikolayevich Mordvichev geleitet, der bereits die Eroberung von Mariupol kommandiert hatte. Der ursprüngliche Bericht stellt das Gefecht als die zweite große konventionelle Schlacht auf europäischem Boden seit dem Zweiten Weltkrieg dar, nach Bachmut, und betont, dass Donezk einen erheblichen Teil des Puffers zurückgewinnt, den es gegenüber feindlicher Artillerie verloren hatte.
Warum war Avdiivka wichtig und was ändert sich durch seinen Fall?
Die Position war keine gewöhnliche Stadt. Der Einstieg in die Analyse macht dies deutlich: Es handelt sich um einen seit 2014 befestigten Punkt, eine Festung, errichtet, um Donezk zu beschießen, und einer der am stärksten verteidigten Enklaven der Front. Sein Verlust reduziert diese Fähigkeit, städtisches Gebiet zu treffen, eliminiert sie aber nicht vollständig.
Einige relativieren den Wert der Stellung. Verschiedene Lesarten behaupten, Avdiivka habe keine eigenständige strategische Bedeutung und diene lediglich dazu, den Weg zu anderen Zielen freizumachen: Näherung an Kostjantyniwka, Druck in Richtung Torezk und Eskalation hin zu Kramatorsk und Slowjansk. Die Front bewegt sich nicht wegen einer isolierten Stadt, sondern wegen der Routen, die diese Stadt ordnet.
Und hier taucht die am häufigsten wiederholte Nuance auf: Der militärische Wert der Operation liegt nicht im Plan, sondern auf der Straße. Die russische Infanterie kontrollierte zeitweise die sogenannte Industriestraße, die Hauptversorgungsroute der Garnison, wodurch die Logistik der Verteidigung abgeschnitten wurde.
Fünf Monate Belagerung und die ungelöste Verlustbilanz
Die Bilanz der Verluste ist der Punkt, an dem die Diskussion hitzig wird. Der Ausgangspunkt beziffert die ukrainischen Verluste in den letzten vier Monaten in der Zone auf mehr als 50.000, mit einem Verhältnis, das weit über eins zu acht oder eins zu zehn hinausgehen würde. Dies sind parteiische Zahlen, nicht unabhängig verifiziert.
Auf der Gegenseite senkt die vorsichtigere Berechnung die Messlatte: Die Garnison wurde auf etwa 10.000 Mann geschätzt, von denen laut einer ersten Zählung etwa 5.000 gefallen seien (Tote, Gefangene und zurückgelassene Verwundete). Andere Schätzungen weisen darauf hin, dass die Schlacht fünf Monate dauerte und dass tausend monatliche Verluste an Toten und Verwundeten bereits eine bemerkenswerte Zahl wären.
Alle Versionen geben zu, dass ein ständiger Zustrom von Truppen zur Auffüllung der Lücken stattfand und dass der Umfang der Schlacht das Stadtgebiet überschreitet: Er umfasst nahegelegene Ortschaften und reicht bis zu Punkten, die Dutzende Kilometer entfernt liegen. Avdiivka auf die Stadt allein zu reduzieren, ist irreführend. Die vollständige Aufschlüsselung dieser Bilanzen, einschließlich der angegliederten Enklaven, ist der Teil, der sich am schwersten abgleichen lässt.
Gleitbomben und die Artillerie, die die Endphase entschieden
Der Bericht stimmt in einem technischen Punkt überein: Luftmunition war entscheidend. Die FAB-Gleitbomben, einschließlich derer mit 1.500 Kilogramm, werden als die Waffe genannt, die jahrelang vorbereitete Stellungen zerstörten. Die Artillerievorbereitung der Anfangsphase wird als die intensivste des Konflikts beschrieben, mit gleichzeitigen Angriffen durch Luftwaffe, Raketenwerfer und thermobarische Systeme.
Diese Feuerüberlegenheit erklärt, warum die Infanterie in der letzten Phase über Ruinen vorrückte, ohne nennenswerten organisierten Widerstand. Sie verändert auch die Logik des Abnutzungskriegs: Wer mehr und bessere Munition hat, bringt einen scheinbar eingefrorenen Stellungskrieg ins Ungleichgewicht.
Welche Einheiten bildeten die Garnison, die die Festung verteidigte?
Die Präsidentenbotschaft nach der Einnahme detailliert die Verteilung der russischen Kräfte: die 30. unabhängige motorisierte Schützenbrigade der 2. Armee und die 35. separate motorisierte Schützenbrigade, unter anderem. Auf der Verteidigerseite berichten Quellen von einer Garnison, die mit Reserven aus Lastochkyne, Orliwka und Leche verstärkt wurde, um den Vormarsch zu stoppen.
Söldner, industrielle Produktion und der lange Krieg
Der Zusammenprall der Narrative mündet in die Fähigkeit, den Krieg aufrechtzuerhalten. Eine Analyselinie behauptet, die russische Panzerproduktion übertreffe derzeit die der NATO und die russische Armee sei heute stärker als vor zwei Jahren, mit der Idee, dass langanhaltender Abnutzungskrieg den Stärkeren härtet, nicht den Initiator.
Das Thema ausländischer Kämpfer kreuzt sich ebenfalls. Manche behaupten, ein großer Teil derer, die in den russischen Reihen kämpfen, seien Söldner aus anderen Ländern, und die Antwort ist symmetrisch: Man erinnert daran, dass auch die andere Seite internationale Freiwillige rekrutiert. Es ist eine zirkuläre Debatte ohne zuverlässige Zahlen von keiner Seite.
Entscheidender Erfolg oder Pyrrhussieg?
Hier öffnet sich die Kluft. Eine Strömung verteidigt, dass der Fall ein eindeutiger Triumph ist: Die größte Verteidigungsstellung der Zone existiert nicht mehr, die Fähigkeit, Donezk zu treffen, ist eingeschränkt, und die Sarracena der feindlichen Nachhut leidet. Befürworter betonen, dass kein Narrativ den Verlust einer Festung kompensiert.
Die gegenteilige Haltung verweist auf den Kalender und die Kosten. Zehn Jahre seit den ersten Stellungen, zehntausende Verluste, Fortschritte in Metern gemessen. Sie beschreiben die Operation als Positionsverbesserung zu unverhältnismäßigem Preis, nicht als finale Offensive, und fügen hinzu, dass Langstreckenartillerie Donezk weiterhin aus größerer Entfernung treffen werde.
Eine dritte Lesart distanziert sich von beiden. Sie behauptet, das Ziel sei nicht die Stadt gewesen, sondern die Abnutzung: Feindliche Reserven in ein von Artillerie zerfurchtes Gelände locken und vernichten. Unter diesem Gesichtspunkt ist Zeit weniger wichtig als das Verlustverhältnis.
Es bleibt eine Zahl auf dem Tisch, die niemand einordnen kann. Derselbe Ort, der als irrelevant beschrieben wird, erscheint in den Bilanzen als der Punkt mit der höchsten Truppenkonzentration an der gesamten Front. Wenn er entbehrlich war, kostete er enorm viel. Wenn er entscheidend war, sollte sein Fall bald auf der Karte sichtbar werden.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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