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Madrid: Zumba-Kurs im Tierno-Galván-Park von Polizei gestoppt
In Madrid beendete die Stadtpolizei einen Zumba-Kurs im Enrique-Tierno-Galván-Park auf Beschwerde eines Anwohners hin. Grund: fehlende Genehmigung und kommerzielle Nutzung.
Vier Beamte, um einen Lautsprecher im Tierno-Galván-Park abzuschalten
In Madrid darf man in einem Park nicht mit Lautsprecher tanzen. Das lernten etwa zwanzig Frauen in Sportkleidung bei 39 Grad im Schatten, als zwei Fahrzeuge der Policía Municipal (Stadtpolizei) in das Amphitheater des Parks Enrique Tierno Galván einfuhren und ihren Zumba-Kurs unterbrachen. Die Vorschriften verbieten das Tanzen nicht. Sie verbieten Beschallung ohne Genehmigung und die gewerbliche Nutzung öffentlicher Flächen. Der Unterschied zwischen beiden liegt bei vier Euro pro Kursstunde.
Warum darf kein Zumba-Kurs in einem öffentlichen Park stattfinden?
Die offizielle Erklärung ist kurz: Jede Aktivität, die wirtschaftlichen Gewinn aus der Nutzung öffentlicher Wege zieht, benötigt eine Genehmigung für die Flächennutzung. Hier beträgt der Gewinn vier Euro pro Stunde. Hinzu kommt, dass die Beschallung unter das Gesetz über öffentliche Veranstaltungen und Freizeitaktivitäten fällt, das eine städtische Genehmigung und weitere Pflichten für die Organisatoren verlangt. Die Trainerinnen behaupten, sie hätten die Genehmigung zweimal beim Bezirksamt Arganzuela beantragt und nie eine Antwort erhalten. „Wir haben weitergemacht, weil wir glauben, dass wir den Menschen nutzen“, verteidigt Ana Córdoba, eine der drei Gruppenleiterinnen.
Der Einsatz bestand aus zwei Streifenwagen: einer fuhr zur improvisierten Bühne hinunter, der andere bewachte den Ausgang von oben. Vier Beamte für einen Lautsprecher. Einige Anwohner riefen ihnen aus der Ferne zu, sie in Ruhe zu lassen.
Doppelte Standards im Amphitheater: Festivals für 45 Euro und Wahlkampf
Derselbe Ort, den die Polizei an einem Dienstagnachmittag räumte, war einen Monat lang geschlossen wegen privater Festivalreihen wie dem Tomasvistas, mit Eintrittskarten zu 45 Euro. Während dieser Wochen war ein Teil des Parks abgesperrt, der Rasen zerstört und die Anwohner wurden auf die Aussichtsplattformen verdrängt, um ihre Hunde spazieren zu führen oder Sport zu treiben. Dieselbe Bühne diente am selben Freitag dem Wahlkampfabschluss von Sumar mit Yolanda Díaz. Und das Brunch-in-the-park-Festival für elektronische Musik schließt den Park für die öffentliche Nutzung aus, wenn es stattfindet.
Daraus ergibt sich das häufigste Argument auf der Straße: Was Geld kostet, ist erlaubt; was harmlos ist, nicht. Lucía Quiroga, die sonntags mit ihrer Gruppe kommt, fasst es so zusammen: „Sachen, die Kohle kosten, ja, aber eine harmlose Aktivität, nein.“ Sie spricht von Gruppen mit bis zu 100 Personen am Wochenende und 20 bis 30 unter der Woche. Die Kurse finden dienstags, donnerstags und sonntags statt und gehen auf die Pandemie zurück, als eine Gruppe von Zumba-Lehrern ihre virtuellen Angebote nach draußen verlegte.
Lärm: Der Konflikt, den niemand misst
Hier wird die Angelegenheit weniger juristisch und mehr kulturell. In Spanien wird fremder Lärm wie eine Steuer empfunden, und wer sich beschwert, gilt zudem als Spielverderber. Befürworter des Polizeieinsatzes argumentieren, es handle sich nicht um fünf Personen mit einem Kassettenrekorder, sondern um Dutzende mit einem lauten Lautsprecher an drei Tagen pro Woche, und manche Menschen müssen tagsüber schlafen. Die Trainerin bestreitet dies mit einer subjektiven Einschätzung: „Man hört die Musik erst, wenn man das Amphitheater erreicht hat.“
Ohne Schallpegelmesser gibt es keine Messwerte, und ohne Werte hat jeder recht. Die Policía Municipal erklärt, sie rücke stets nach einer Beschwerde aus und dass bei vorliegender Genehmigung und dennoch erfolgter Beschwerde akustische Messungen durchgeführt werden müssten, um festzustellen, ob zulässige Dezibelwerte überschritten werden. Im Tierno-Galván-Park hat niemand etwas gemessen.
Kann man mit Kopfhörern tanzen, um niemanden zu stören?
Dies war der Vorschlag, den ein Beamter vor Ort machte, und der danach am meisten diskutiert wurde. Córdoba lehnt ihn ab: Kopfhörer „isolieren einen, und genau darum geht es – die Leute rauszubringen“. Im Forum schlagen einige vor, dass jeder Teilnehmer per Bluetooth mit einem gemeinsamen Smartphone verbunden wird, um ohne Verstärkung zu tanzen, und ein Nutzer behauptet, im Retiro-Park mache man das bereits mit Kopfhörern. Die Lösung hat einen Haken: Wenn sich jeder Teilnehmer hundert Meter verteilt, entsteht möglicherweise ein Durcheinander gleichzeitiger Musiken statt eines lokalen Fokuspunkts.
Die Gruppe aus Arganzuela trifft sich seit der Pandemie im selben Amphitheater. Unter den Teilnehmerinnen herrscht ein Konsens, der über das Tanzen hinausgeht: „Wir sind alle Frauen aus dem Viertel“, erzählt Quiroga, die erinnert, dass viele nach dem Kurs noch ein Bier trinken gehen und daraus neue Freundschaften entstanden sind. Alle zwei Wochen wird der Kurs unterbrochen.
Wie es weitergeht
Mit ungeklärter Genehmigung, laufendem Lautsprecher und ungemessenen Beschwerden ist zu erwarten, dass die Gruppe nächsten Sonntag wieder da sein wird und jemand erneut anruft. Wenn die administrative Antwort genauso lange braucht wie bisher, wird das Miteinander in diesem Amphitheater weiterhin durch ein viel weniger technisches Kriterium entschieden: Wer zuerst die Telefonnummer wählt. Solange keine Dezibel-Messwerte vorliegen, wird weder das Gesetz noch der gesunde Menschenverstand ausreichen, um die Diskussion zu beenden.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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