Madrid gilt als unbewohnbar: Preise und Massentourismus

Massentourismus, Ferienvermietungen und steigende Preise verändern Stadtviertel wie Chamberí und Lavapiés.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Madrid gilt als unbewohnbar: Preise und Massentourismus
Debatte um Madrid: Massentourismus, Preise und sich wandelnde Viertel

Chamberí, Moncloa, der gute Teil von Tetuán. Ein Anwohner, der angibt, seit 26 Jahren im Viertel zu leben, eröffnet die Diskussion ohne diplomatische Umschweife: Die Stadt gehe bergab, und wer den Verfall zulasse, wohne außerhalb des Gemeindegebiets – in Pozuelo, Las Rozas oder San Sebastián de los Reyes – und erleide es nicht täglich. Die Beschreibung wiederholt sich mit Varianten: Schmutz, Lärm, hohe Preise, Massentourismus und überlastete Notaufnahmen. Die These lautet, dass Madrid unbewohnbar geworden sei. Die Antwort kommt schnell aus der eigenen Runde: Dieses idyllische Madrid der Erinnerung habe nie existiert, und die Achtziger hätten Heroin und Messerüberfälle gebracht.

Lavapiés, Chamberí und Huertas: Die Viertel, die man nicht mehr wiedererkennt

Am häufigsten wird Lavapiés genannt, beschrieben als ein Ort, der seinen Charakter verloren hat, wo die wenigen alten Nachbarn laut Berichten einen Höllenzustand erleben. In Chamberí ist der Konflikt anders gelagert und hat einen Namen: Wohnungen, die auf Kurzzeitvermietung (alquiler turístico) umgestellt werden, mit Eigentümergemeinschaften, die zwischen denen, die dort wohnen bleiben wollen, und denen, die Quadratmeterrendite maximieren möchten, gespalten sind. In Huertas wird der Wandel an Lokalen gemessen: Wo früher traditionelle Bars waren, gibt es nun venezolanische und kolumbianische Restaurants, so die Beschreibung. Die Plaza de España wird mit Venedig verglichen: ein Themenpark. Und der Preis für etwas zu trinken sei, so heißt es, eine systematische Abzocke.

Ist Madrid schlechter dran als Barcelona, Bilbao oder Valencia?

Das hängt davon ab, wen man fragt, und kaum jemand räumt ein, dass seine Stadt verschont bleibt. Manche argumentieren, Barcelona verteile den Druck besser, weil Katalonien viel größer ist als die Comunidad de Madrid und Neuankömmlinge sich auf mehr Fläche verteilen, obwohl Girona und Lleida aufgrund landwirtschaftlicher Arbeitskräfte höhere Quoten haben. Valencia erscheint als Empfehlung für Umzugswillige, mit dem Hinweis, dass dort bereits viele Argentinier und Italiener leben. Das am häufigsten genannte Gegenargument: Wenn Barcelona gleich oder schlimmer dran ist, liegt das Problem nicht an einer bestimmten Stadt. Demgegenüber behaupten einige, Madrid sei heute das Einzige, was in Spanien noch funktioniere.

Staus rund um die Uhr und Notaufnahmen als Warteräume

Die Überlastung zeigt sich in Kleinigkeiten. Verkehr zu jeder Tageszeit und in allen Straßen, Menschen, die im Auto kreisen, eine Fahrweise, die viele als chaotisch bezeichnen. Das Gesundheitswesen ist eine weitere Baustelle: Ein Nutzer beschreibt den Wartebereich der Notaufnahme als einen Raum, der von ganzen Familien belegt ist, die dort den Tag verbringen, und deutet dies als Symptom eines überlasteten Systems, nicht als isolierte Anekdote. Durchreisender Tourismus, der nur zum Foto-Shooting kommt und weiterzieht, wird als weiterer Belastungsfaktor genannt: volle Gehwege, Lärm und das Gefühl, dass das Zentrum für Besucher statt für Steuerzahler arbeitet.

Die Hypothese der Schuldzuweisung: 25 Jahre Verarmung

Nicht alle führen es auf dieselben Faktoren zurück. Eine Strömung der Analyse besagt, dass der Verfall europäisch sei, nicht madrilenisch: Die allgemeine Verarmung der Spanier seit etwa 25 Jahren, der Verlust realer produktiver Industrie zugunsten spekulativer Ökonomie und endemische Korruption stünden hinter dem Zerfall. Je größer die Stadt, desto deutlicher spürbar, da sie von höherem Niveau falle: Ihr historisches Zentrum war monumentaler, und der Kontrast schmerze mehr. Rom taucht im Vergleich auf, mit vernachlässigten neben makellosen Vierteln und der Warnung, die Altstadt möglichst wenig zu berühren.

Immigration als Ursache: Der Punkt, der zu Hause Unbehagen auslöst

Ein Großteil der härtesten Nachrichten führt die Ankunft ausländischer Bevölkerung als Problemursache an, und ein Teilnehmer berichtet, dass das Ansprechen des Themas beim Familienessen direkte Anschuldigungen nach sich zieht. Dagegen werden Vergleiche angeführt: Ein Nutzer behauptet, die Mordrate in Madrid sei viermal niedriger als in Brüssel. Auf wirtschaftlicher Ebene ist das wiederkehrende Argument, dass massiver Zuzug von Arbeitskräften die Löhne in betroffenen Sektoren drücke und das Grundproblem politisch, nicht nachbarschaftlich sei: Man lehnt das Argument ab, Immigranten seien nötig, weil Spanier bestimmte Jobs nicht mehr machen wollten. Die Gegenthese besteht darauf, dass keine vergleichbare europäische Stadt in den letzten Jahren Fortschritte gemacht habe.

Es gibt eine Zahl, die nicht zum allgemeinen Jammern passt. Mitten im düsteren Bild erinnert jemand daran, dass Madrid für reine Besucher oder Durchreisende weiterhin eine der bequemsten Städte mit dem meisten Sehenswerten ist, trotz der „Invasion“, die andere beschreiben. Derselbe Teilnehmer vergleicht die Erfahrung mit Rom, wo ihm die Römer das Gefühl gegeben hätten, entfernte Verwandte zu sein, die er nicht kannte.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (275 Antworten).

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