Madrid: Bußgelder als Weg gegen das Protestcamp an der Puerta del Sol

Das Camp an der Puerta del Sol in Madrid bleibt bestehen: Die Stadtverordnung erlaubt Bußgelder für Campieren, Trinken oder Urinieren auf der Straße, doch die Verfahren werden nie bearbeitet

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Madrid: Bußgelder als Weg gegen das Protestcamp an der Puerta del Sol
Bußgelder oder Räumung: der Machtkampf um das Camp an der Sol

Darf ein Madrider Anwohner sich selbst organisieren, um ein Camp an der Puerta del Sol eigenmächtig zu räumen? Die kurze Antwort lautet nein, und der Vorschlag, der dieser Tage kursiert, stellt das von der ersten Zeile an klar: Gefordert wird, dass die Bürger selbst ins Zentrum des Camps gehen und die Besetzer zum Gehen zwingen – angesichts der Untätigkeit der Zentralregierung und des Rathauses. Die immer wieder wiederholte Diagnose lautet, dass die Madrider Stadtpolizei mehr als genug Werkzeuge hat —Verordnungen, die Campieren, Trinken und Urinieren im öffentlichen Raum ahnden— und sie einfach nicht benutzt. Die eigentliche Frage ist jedoch eine andere: Warum werden sie nicht angewendet?

Was die Stadtverordnung zum Campieren an der Sol sagt

Campieren im öffentlichen Raum ist strafbar. Ebenso der Alkoholkonsum auf der Straße und das Erledigen der Notdurft im Freien. Auf dem Papier genügt es, wenn die Stadtpolizei ein Protokoll aufnimmt. Das Argument lautet: Weder Schlagstöcke noch Gummigeschosse sind nötig – ein Drogenspürhund und ein paar mobile Erfassungsgeräte würden ausreichen, um Bußgeldvorschläge hintereinander einzutippen. Verweigert der Camper die Identifizierung, steigt das Bußgeld. Der Verwaltungsdruck, so die Behauptung, räumt schneller als Gewalt.

Das Problem ist die Befehlskette. Die Bußgeldvorschläge gehen anschließend an die zuständige städtische Abteilung, und dort beginnt die Politik. Manche verweisen direkt auf den zuständigen Stadtrat, der die Bearbeitung der Verfahren behindere. Ohne diesen Schritt bleibt das Bußgeld ein Papierkram.

Warum nicht geräumt wird: Wahltaktik und juristisches Risiko

Die meistgenannte Hypothese ist der Kalender. Eine Zwangsräumung wenige Wochen vor einer Wahl ist ein Geschenk für die Opposition und ein Imageproblem für den, der sie anordnet. Die zweite Hypothese ist juristisch: Niemand will die Kosten eines verwaltungsgerichtlichen Verfahrens tragen, wenn die Bereitschaftspolizei zuschlägt und es Verletzte oder Festnahmen gibt. Die Stadtpolizei habe Einsatzeinheiten, so das Argument – hätte der Befehl kommen sollen, hätten sie längst gehandelt.

Demgegenüber der Mittelweg: das Camp von selbst ausbluten lassen. Kälte, Regen und ausbleibende Erfolge zermürben mehr als jeder Schlagstock. Das ist die These derer, die finden, am besten tut man gar nichts und wartet, bis ihnen die Langeweile kommt.

Der Verschleiß des Camps: wer bleibt, wer geht

Die Zusammensetzung des Camps hat sich verändert. Die auffälligsten Figuren der ersten Tage, die vor den Kameras sprachen, sind weg. Geblieben ist der Kern, der an seine Sache glaubt – und dieser Kern, so heißt es, ist mehrheitlich kritisch gegenüber der spanischen Sozialistenpartei (PSOE). Die politische Rechnung ist für die Linke unangenehm: Das Camp bringt ihr nichts, es kostet sie Stimmen, denn die linken Parteien schneiden sich gegenseitig ins Fleisch, und die Regierung erlässt Dekrete unter Umgehung des Gesetzes, ohne dass der Protest etwas ändert.

Ein Kontextdatum fällt immer wieder: In 25 Jahren hat es in Madrid keine massive Bürgerbewegung gegen Gruppen gegeben, die weit Schlimmeres tun. Für manche erklärt das, warum dieses Camp keine institutionelle Antwort findet: Der gesellschaftliche Druck reicht nicht aus, um eine zu erzwingen.

Bußgelder für die Camper: der Weg, der tatsächlich existiert

Es gibt einen dritten Weg: die reine Verwaltungspraxis. Eine Verordnung, die Campieren in öffentlichen Räumen verbietet, ist bereits in Kraft und sieht empfindliche Bußgelder vor. Sie im Einzelfall anzuwenden, ohne Räumung, ist der meistgenannte Vorschlag: Jeden einzelnen ahnden, mit Hund und Erfassungsgerät, bis das Camp durch wirtschaftliche Erschöpfung sich leert. Das erfordert weder Schlagstöcke noch Gummigeschosse. Es erfordert allerdings den politischen Willen, die Verfahren zu bearbeiten.

Der Schluss ist der alte: Wollte das Rathaus, es hätte längst gehandelt. Und tut es das nicht, muss jemand erklären, warum.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (16 Antworten).

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