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70.000 oder 500.000: Die unmögliche Zählung am Madrider Cibeles-Platz
Der Cibeles-Platz in Madrid wies Lücken am rechten Rand auf, die Teilnehmerzahl schwankt zwischen 70.000 und 500.000. Der Streit um die Zahl ist die eigentliche Geschichte.
Lücken am Cibeles-Platz und eine Zahl zwischen 70.000 und 500.000
Ein Cibeles-Platz mit sichtbaren Lücken – konkret ein leerer Streifen am rechten Rand – genügte, damit der Streit losging. Für die einen beweist dieses Bild, dass die Veranstaltung nicht einmal den mittleren Bereich füllte und der Flopp eine Tatsache ist. Für die anderen zeigt das Foto nur einen Moment, die Leute kamen noch nach, und offizielle Zählungen waren noch nie ein verlässliches Barometer. Zwischen den beiden Versionen liegt eine Zahl, die zwischen 70.000 und 500.000 Teilnehmern schwankt. Wer schon einmal eine solche Veranstaltung begleitet hat, weiß: Diese Spanne ist kein Rechenfehler, sie ist das Genre.
Wie viele Menschen waren auf dem Cibeles-Platz?
Die kurze Antwort: Das weiß niemand genau. Am unteren Ende der Skala liegt die Delegación del Gobierno (die offizielle Vertretung der spanischen Regierung in Madrid) mit 70.000 Personen. Am oberen Ende behaupten die Veranstalter 500.000 – eine Zahl, die es sogar ins Fernsehen schaffte, wie sich während der Veranstaltung heraussprach. Der Abstand zwischen den Extremen beträgt den Faktor sieben. Keine Umfrage, kein Sensor und keine Drohne kann diese Lücke schließen, wenn beide Seiten ein Interesse am Ergebnis haben.
Daraus entstand auch der statistische Witz des Tages: Wenn man akzeptiert, dass ein erheblicher Teil der Bevölkerung nicht zählen kann, lautet die Schlussfolgerung – so der Witz –, dass die echte Zahl irgendwo dazwischen liegt. Es ist Kneipenhumor, keine Methodologie, aber er zeichnet das Problem besser als jede Pressemitteilung.
Der Präzedenzfall vom August: vom Cibeles-Platz zur Plaza de la Independencia
Der Vergleich, der sich durchsetzte, war der mit der vorherigen Kundgebung im August, die sich um Ceuta drehte. Die füllte laut den Berichten, die kursierten, nicht nur den Platz, sondern auch die angrenzenden Straßen: vom Cibeles-Platz die gesamte Calle de Alcalá bis zur Plaza de la Independencia. Das ist die Messlatte, an der alles Spätere gemessen wird, und sie erklärt, warum jetzt von einem Einbruch die Rede ist.
Man sollte sich vergegenwärtigen, dass solche Vergleiche nie sauber sind. Die Uhrzeit ändert sich, die Route ändert sich, der Wochentag ändert sich, das Wetter ändert sich. Eine statische Kundgebung auf einem Platz und ein Demonstrationszug über eine Avenue lassen sich nicht mit demselben Maß messen – auch wenn sie in den sozialen Medien übereinandergelegt werden, als wären es Fotos desselben Objekts.
Warum Teilnehmerzählungen nie aufgehen
Die offizielle Methode besteht darin, aus Luftbildern die Dichte pro Fläche zu schätzen und Korrekturen für den Zu- und Abfluss vorzunehmen: Die Menschen kommen und gehen, sie stehen nicht zwei Stunden still. Das Verfahren ist von vornherein konservativ angelegt, deshalb fällt es meist zu niedrig aus. Die Veranstalter machen das Gegenteil: Sie berechnen die theoretische Maximalkapazität des Raums und setzen ihn als voll an.
Keine der beiden Zahlen ist unschuldig. Wenn eine Behörde 70.000 nennt, sendet sie eine Botschaft über die gesellschaftliche Stimmung. Wenn eine Organisation 500.000 nennt, sendet sie eine andere über ihre Mobilisierungskraft. Die Zahl ist die Botschaft.
Was jede Seite mit der Zahl aufs Spiel setzt
Die politische Deutung verläuft in getrennten Lagern. Die einen halten die Veranstaltung für einen Beleg echter und wachsender Unzufriedenheit mit der Regierung; der halb leere Platz zeuge nur davon, dass sich die Erzählung nicht verkaufen ließ. Auf der anderen Seite relativiert eine andere Strömung die Zahl mit einem anderen Argument: Das Publikum war ohnehin schon mobilisiert und steht für keine Verschiebung der Wählerschaft. Eine Massenkundgebung, die keine Stimmen verändert, ist eine teure Kundgebung.
Und dazwischen bleibt der übliche Verdacht, der sich in keine Richtung beweisen lässt: dass Bilder ausgewählt werden, dass Lücken weggeschnitten werden und dass die Erzählung mehr wiegt als der Platz selbst.
Mit einem Platz, der noch immer voller Versionen ist, und ohne eine Zählmethode, die beide Seiten akzeptieren, bleibt die Analyse genau dort stecken. Die endgültige Zahl wird am Ende derjenige wählen, der ein Interesse daran hat. Der Platz, der bleibt, wo er ist, zählt nicht mit.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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