Crowdfunding für ein Maricarmen-Denkmal in Madrid

Eine Crowdfunding-Kampagne will in Madrid ein Denkmal für Maricarmen errichten, die von einem Heuschreckenfonds geräumt wurde, und löst die Debatte über Mieten und Immobilienspekulation neu aus.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Crowdfunding für ein Maricarmen-Denkmal in Madrid
Ein Denkmal für Maricarmen: Hommage an die Räumung und politisches Ziel

Der Vorschlag klingt zugleich einfach und seltsam: Privatleute wollen Geld sammeln, um in Madrid eine Skulptur für Maricarmen zu errichten, die Frau, die von einem Heuschreckenfonds geräumt wurde. Die Idee entstand als Hommage an sie und an alle, die durch Immobilienspekulation ihr Zuhause verloren haben. Es sollte eine kleine Geste sein. Am Ende ist sie zum Thermometer des Kulturkampfs ums Wohnen geworden – mit Plan B: Bleibt Geld übrig, folgt ein weiteres Denkmal für Paquita, die als die neue Maricarmen dargestellt wird.

Was schlägt das Crowdfunding für das Maricarmen-Denkmal vor?

Es gibt keinen institutionellen Träger und kein öffentliches Budget: Die Initiative ist als kollektive Sammlung unter Privatleuten angelegt, ein nachbarschaftliches Crowdfunding. Das erklärte Ziel ist doppelt. Zum einen soll an Maricarmen erinnert werden, die nach einem als schwer beschriebenen Leben von einem Heuschreckenfonds geräumt wurde. Zum anderen soll ihre Gestalt zum Symbol für alle Mieter werden, die in Madrid durch Immobilienspekulation ihre Wohnung verloren haben. Das zweite Denkmal für Paquita bleibt ein Nachsatz, der davon abhängt, dass Geld übrig bleibt.

Warum wird die Räumung mit einem Gesetz von 1994 verknüpft?

Am Ursprung des Falls taucht immer wieder ein Datum auf: 1994. Ein Teil der Analyse verortet das Problem dort und weist darauf hin, dass die Norm, die diese Frau zum Verlassen ihrer Wohnung zwingt, aus der sozialistischen Ära von Felipe González stammt – ein Punkt, der Miguel Boyer zugeschrieben wird. Das Argument: Die damalige Mietrechtsgesetzgebung beendete das Regime der Altmieten aus früheren Zeiten, das Mieter mit Verträgen weit unter Marktniveau schützte. Die eigentliche Frage ist, ob damit ein Privileg korrigiert oder das letzte Netz günstiger Mieten abgebaut wurde. Hinzu kommt ein weiteres Element: Die Betroffene war in einer Gemeinde im Madrider Sierra-Gebiet gemeldet, was sie nach dieser Lesart bereits dazu gezwungen hätte, die Wohnung aufzugeben.

Die Miete der Jungen gegen den geschützten Mieter

Ein Teil der Diskussion verlagert den Fokus von Maricarmen auf die Jugend. Es heißt, das eigentliche Problem sei nicht derjenige, der einen alten Vertrag verliert, sondern derjenige, der sich mit einem Einstiegsgehalt nichts Bezahlbares mieten kann. In diesem Sinne wird darauf verwiesen, dass die Betroffene jahrzehntelang eine günstige Miete genossen habe – die Rede ist von 40 Jahren Zahlungen und 27 Jahren Rentenbezug –, während eine ganze Generation um denselben Wohnungsbestand mit gleichen oder niedrigeren Löhnen konkurriert. Aus dieser Sicht würde die Hommage eine privilegierte Position belohnen.

Andere halten das Gegenteil: Dass man im Alter das Zuhause verliert, lässt sich nicht mit einem Symbol ausgleichen. Die Geste war eine Skulptur. Am Ende zeigt sie den Riss zwischen zwei Erzählungen derselben Stadt – der des langjährigen Mieters, dessen Vertrag endet, und der des jungen Menschen, der nie einen unterschreiben konnte. Kann ein Denkmal beiden gerecht werden, ohne Partei zu ergreifen?

Auch verfügbar auf: English

Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (15 Antworten).

Weitere Zusammenfassungen

Alle Zusammenfassungen auf Deutsch →

-
Volver