Lockheed versprach Fusionsreaktor bis 2024: elf Jahre später nichts

Lockheed Martin versprach einen 100-MW-Fusionsreaktor für 2024. Elf Jahre später existiert er nicht, und das Tritium-Problem ist ungelöst.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Lockheed versprach Fusionsreaktor bis 2024: elf Jahre später nichts
Lockheed versprach Kernfusion für 2024: 2025 immer noch kein Reaktor

Oktober 2014. Lockheed Martin beruft die Presse ein und verkündet den Durchbruch zur Kernfusion: einen 100-Megawatt-Reaktor, so groß wie eine LKW-Ladefläche — sieben mal zehn Fuß —, zehnmal kleiner als heutige Anlagen. Prototyp in fünf Jahren, Marktreife in zehn. Übersetzt: 2024. Elf Jahre später existiert der Mini-Reaktor weiterhin nicht, und das Versprechen steht genau dort, wo es damals stand.

Die Ankündigung hatte Gewicht. Lockheed Martin ist keine Universität mit wackeligem Budget: Es ist der größte Rüstungsauftragnehmer des Pentagon, verfügt über sechzig Jahre Fusionsforschung und hat mehrere Patente angemeldet. Tom McGuire, Leiter des Projekts bei Skunk Works, behauptete, sein Team könne innerhalb eines Jahres eine Version entwerfen, bauen und testen. Genug, um die Diskussion von „wieder nur ein Fusions-Versprechen“ zu „diesmal wird es ernst“ zu verlagern. Sogar die Versorgung von Kriegsschiffen und die Abschaffung des Nachladezyklus bei nuklearen Schiffsreaktoren wurden in Aussicht gestellt.

Tritium: Das Problem, das die Pressemitteilung verschweigt

Die wichtigste Fusionsreaktion, die mit verfügbarer Technologie erreichbar ist, kombiniert Deuterium und Tritium. Deuterium lässt sich fast kostenlos aus Meerwasser gewinnen — etwa 30 Milligramm pro Liter. Tritium ist eine andere Geschichte: Es kommt in der Natur nicht vor und hat eine Halbwertszeit von rund zwölf Jahren, muss also im Reaktor selbst durch Transmutation von Lithium mit den bei der Fusion entstehenden Neutronen erzeugt werden. Dieser Zyklus, den die Ankündigung nur am Rande erwähnte, ist genau der schwierige Teil.

Und es gibt eine wenig thematisierte Nebenwirkung. Obwohl die Reaktion keine Rückstände hinterlässt — es entstehen Helium und ein Neutron —, aktiviert dieses Neutron alles, was es trifft: Neben dem Lithium treffen die Neutronen auch Strukturstaähle und verwandeln Verunreinigungen wie Mangan, Titan oder Niob in langlebige radioaktive Abfälle. Experten warnen, dass Kernfusion nicht so sauber ist, wie sie in kommerziellen Broschüren dargestellt wird.

Wann kommt die kommerzielle Kernfusion?

Die kurze Antwort: Niemand weiß es, und wer es sicher behauptet, will meist etwas verkaufen. Das internationale Konsortium ITER, das in Frankreich die größte experimentelle Anlage baut, kalkulierte den Start um 2050 ein. Im Vergleich dazu versprach Lockheed 2024. Später tauchten Pläne auf, wie der britische Prototyp für 2032 oder italienische Kraftwerke in Kooperation mit dem MIT.

Kernfusion ist immer zehn Jahre entfernt. Das ist der wiederkehrende Witz und wahrscheinlich die treffendste Zusammenfassung des Themas. Die Nuance brachte jemand mitten in der Diskussion ein: Der kompakte Mini-Reaktor ist zehn Jahre entfernt; der konventionelle Reaktor ist seit Jahrzehnten vierzig Jahre entfernt. Ein relativer Fortschritt.

Warum sollte ein Waffenhersteller billige Energie entwickeln?

Wenn dies wahr wäre, fragt man sich, warum der weltgrößte Rüstungskonzern eine Technologie verkaufen würde, die Kriege um Öl überflüssig macht. Es gibt zwei Lesarten. Eine besagt, dass wer die Energie kontrolliert, die Welt kontrolliert, und dieser Kontrolle durch Patente mehr Wert beizumessen als jedem anderen Geschäft. Die andere erinnert daran, dass ein Unternehmen vom Verkauf lebt, nicht vom Krieg, und dass strategische Motive irrelevant sind, wenn man den Sektor wechseln kann, ohne Gewinneinbußen.

Im Hintergrund liegt eine unbequemere Debatte: Wenn Energie fast kostenlos wäre, was passiert dann mit unserer bekannten Wirtschaft? „Wer braucht Geld, wenn Energie gratis ist?“, lautete eine optimistische These. Die Gegenrede kam schnell: Bau und Betrieb von Kraftwerken kosten Geld, und hier schenkt niemand etwas, auch wenn der Brennstoff aus Wasser stammt.



Elf Jahre, einfach elf. Der 100-Megawatt-Prototyp ist nie gekommen, und das Zeitfenster 2024 schloss ohne Reaktor. Kernfusion wurde weder mit Lockheed noch ohne ihn kommerziell bewiesen, und während ITER seine Fristen neu kalibriert, bleibt der Witz aktuell: Es fehlt ein Jahrzehnt. Immer ein Jahrzehnt.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (283 Antworten).

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