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Liberia: Gescheiterter Plan zur Umsiedlung von 200.000 Sklaven
Die American Colonization Society schickte nur 20.000 befreite Sklaven nach Liberia statt der geplanten 200.000. Die americo-liberianische Elite kopierte US-Symbole und schloss Einheimische aus.
Liberia: Gescheiterter Plan zur Umsiedlung von 200.000 Sklaven
Im Jahr 1821 kaufte die American Colonization Society ein Stück afrikanischer Küste mit einer großen Vision: die Umsiedlung befreiter Sklaven aus den Vereinigten Staaten dorthin. Während der Plan Hunderttausende vorsah, machten nur etwa 20.000 Ex-Sklaven die Reise; der Rest entschied sich zu bleiben. Die Republik Liberia wurde 1847 gegründet, mit Flagge, Motto und Verfassung nach dem Vorbild Washingtons, aber auf einem Bruch errichtet, der noch heute einen Großteil ihrer turbulenten Geschichte erklärt.
Eine Nachahmungsrepublik mit importierter Führungsschicht
Die Siedler, die an der westafrikanischen Küste ankamen, integrierten sich nicht in die lokalen Völker. Sie nannten sich "Amerikaner", sprachen Englisch und praktizierten die Religion ihrer ehemaligen Herren. Jahrzehntelang bildeten die Nachkommen dieser 20.000 Ex-Sklaven eine Elite, die Land und Wahlrecht kontrollierte: Nur Grundbesitzer durften wählen. Die indigene Bevölkerungsmehrheit wurde marginalisiert. Ein Land, das auf seinem Wappen "Die Liebe zur Freiheit hat uns hierher gebracht" proklamierte, wandte ein Zensuswahlrecht an, das jede westliche Demokratie beschämt hätte.
Gummi, Diamanten und Firestone
Die liberianische Wirtschaft basierte auf ausländischen Konzessionen. 1926 erhielten Firestone und Goodrich Rechte zur Gummiexploitation für 99 Jahre. Eisen, Öl und Diamanten folgten dem gleichen Muster. Multinationale Konzerne teilten die Ressourcen unter sich auf, während die lokale Bevölkerung Aufständen begegnete, die von US-Marines unter dem Vorwand der "Verteidigung der Demokratie" niedergeschlagen wurden. Dieses Modell funktionierte für die americo-liberianische Elite und die Multis, aber nicht für alle anderen.
Von Reisunruhen zum Bürgerkrieg
1979 lösten steigende Reispreise Unruhen aus. Ein Jahr später stürzte Sergeant Samuel Doe William Tolbert, der zusammen mit dreizehn Regierungsmitgliedern hingerichtet wurde. Doe suspendierte die Verfassung, verbot Parteien und sah sich zwischen 1980 und 1989 neun Putschversuchen gegenüber. Die Wirtschaftskrise – sinkende Exporte, Arbeitslosigkeit, Auslandsverschuldung – schürte Unmut. 1989 brach der Bürgerkrieg aus. Charles Taylor übernahm die Kontrolle über große Gebiete. 1990 wurde Doe getötet, und mehrere Interimspräsidenten wurden gleichzeitig proklamiert. Bis 1993 erreichte die Zahl der Opfer 150.000, mit fast einer Million Vertriebenen.
Taylor, Blutdiamanten und Embargos
Nach einer kurzen Pause flammte der Konflikt 1996 wieder auf. 1997 gewann Taylor die Wahlen mit 75,3 % der Stimmen. Zwei Jahre später beschuldigten Ghana und Nigeria ihn, Rebellen in Sierra Leone zu unterstützen. Die UNO stellte im Dezember 2000 fest, dass Taylor Waffen an die RUF lieferte, im Austausch gegen gestohlene Diamanten. Liberia exportierte mehr sierra-leonische als eigene Diamanten. 2001 wurden ein Waffenembargo, ein Diamantenboykott und ein Reiseverbot für Taylor und seine Mitarbeiter verhängt. 2003 wurde die Friedensmission UNMIL genehmigt, die 15.000 Blauhelme entsandte.
Die Debatte über Kolonisierung und institutionelles Erbe
Vergleiche mit der spanischen Kolonisierung in Amerika drängen sich auf. Manche argumentieren, Spanien habe Notare, Ärzte, Mönche, Schmiede und Seefahrer entsandt, während Liberia meist ungelernte Arbeitskräfte empfing, die an Plantagenarbeit gewöhnt waren. Folglich sei, so wird behauptet, eine lokale Elite entstanden, die unfähig war, tragfähige Institutionen aufzubauen. Andere entgegnen, die afrikanische Kolonisierung sei rein extraktiv gewesen und europäische Eliten hätten wohlhabende Städte in Algier, Dakar oder Leopoldville geschaffen. Die Diskussion verschiebt sich hin zur Rolle der UdSSR bei der Finanzierung bewaffneter Bewegungen nach 1960 und zur Tragfähigkeit postkolonialer afrikanischer Staaten.
Liberias Geschichte ist keine afrikanische Misserfolgsgeschichte, sondern die eines sozialtechnologischen Experiments, das schon vom ersten Schiff an schiefging. Die 20.000 Ankömmlinge bauten ein Land nach dem Vorbild der USA auf afrikanischem Boden. Der Rest blieb zurück. Heute, zwei Jahrhunderte später, trägt die liberianische Flagge immer noch nur einen einzigen Stern, wie die von Texas.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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