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Leistungen beziehen in Spanien: Normalisierung oder Erbe der Frühverrentung?
Das Ingreso Mínimo Vital in Spanien normalisiert Leistungen, doch Frühverrentungen in Banken und Telekombranche gibt es seit 30 Jahren. Wer darf nicht arbeiten?
Das IMV und die Frühverrentung: Wenn Nichtarbeiten die Norm ist
Zwei Familien gegenüber Ihrer Wohnung, jede mit vier Kindern, keine geht arbeiten. Das ist kein Einzelfall, sondern ein Symptom eines tiefgreifenden Wandels auf dem spanischen Arbeitsmarkt. Das Ingreso Mínimo Vital (Spaniens Mindesteinkommen) hat normalisiert, was früher wenigen vorbehalten war: von einer Leistung ohne Job zu leben.
Doch das Phänomen ist nicht neu. In den Neunzigern ermöglichten die Industrierekonversion und die goldenen Frühverrentungen in Banken, Telekommunikation und Stromwirtschaft Millionen den Absprung mit 55 oder sogar früher. Laut Zeitzeugen bezieht halb Asturien Renten von 2.000 Euro. Damals nannte es niemand „Leistung“; es wurde als Arbeitswürde verkauft. Heute wird mit dem IMV derselbe Sachverhalt stigmatisiert.
Die Paradoxe liegt auf der Hand: Wer die heutige Fürsorgeabhängigkeit kritisiert, vergisst, dass das System seit Jahrzehnten Einkommen ohne Gegenleistung für große Gruppen erzeugt. Der Unterschied liegt im Profil der Empfänger. Während die Frühverrentungen Beschäftigten großer Konzerne zugutekamen, erreicht das IMV diejenigen, die nie Zugang zu solchen Abkommen hatten. Die Debatte geht nicht ums Prinzip, sondern darum, wer nicht arbeiten darf.
Mit den Daten auf dem Tisch —hunderttausende Fälle aus den Zeiten von Felipe González oder Aznar— lautet die unbequeme Frage, ob der spanische Arbeitsmarkt mehr Rentenbezieher als Arbeitsplätze hervorbringt. Und ob die Lösung darin besteht, das letzte Glied der Kette zu dämonisieren oder das gesamte Modell neu zu denken.
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