Lebensmittel in drei Jahren um 36 % teurer

Die OCU kritisiert, dass Lebensmittel seit drei Jahren 36 % teurer sind, während die Löhne laut INE nur um 2,4 % stiegen.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Lebensmittel in drei Jahren um 36 % teurer
Warenkorb steigt um 36 %, Gehälter hinken hinterher

Eine Nachrichtenagentur legte die Fakten auf den Tisch: Der Warenkorb verteuerte sich allein im Juni um 1,7 %, der stärkste Anstieg des Jahres. Die OCU warnt, dass Lebensmittel heute 36 % teurer sind als vor drei Jahren. Dem gegenüber bescheinigte das INE (spanisches Statistikamt) einen Lohnanstieg von 2,4 % im Jahr 2023 nach drei Jahren mit Zuwächsen. Die Rechnung geht nicht auf. Und wenn sie nicht aufgeht, zahlt jemand dafür.

Die Kluft zwischen steigenden Lebensmittelpreisen und stagnierenden Nettolöhnen ist Kern einer monatelang ungelösten Debatte, die nun wieder an Schärfe gewinnt. Es geht nicht nur um die Zahl, sondern darum, was dahintersteckt: Was wurde mit den Gewinnmargen gemacht? Wer hat die Preiserhöhung vereinnahmt? Warum sanken die Großhandelspreise, während die Preise im Regal unverändert blieben?

36 % bei Lebensmitteln versus 2,4 % bei Löhnen

Der direkte Vergleich ist erschreckend. Ein kumulierter Anstieg von 36 % bei Lebensmitteln steht einem Lohnzuwachs von 2,4 % im letzten abgeschlossenen Geschäftsjahr gegenüber. Man muss kein Ökonom sein, um zu erkennen, dass die Kaufkraft für Grundbedarf stark gelitten hat, in einem Tempo, das keine Lohnanpassung ausgleichen konnte. Hier geht es nicht um Luxus, sondern um das, was wir essen.

Einige argumentieren, die reale Situation sei noch schlimmer. Neben den 36 % der OCU kursieren Schätzungen, die einen Anstieg der Lebensmittelpreise um 50 % seit Beginn der Legislaturperiode sehen und die allgemeine Teuerung bei 30–35 % verorten. Die Spannbreite ist irrelevant, wenn das Ergebnis identisch ist: Die Supermarktrechnung ist zum zuverlässigsten Indikator für Verarmung geworden.

Die Kritik wird oft konkret untermauert: Manche finden Produkte in südafrikanischen Supermärkten günstiger als in Spanien. Das historische Preisgefälle zum Nachbarland ist verschwunden. Wenn die Preise gleichziehen, die Löhne aber nicht, ist es keine Wahrnehmung mehr, sondern Realität.

Warum stiegen die Großhandelspreise und warum fielen sie nicht?

Die detaillierteste Analyse verweist auf Terminmärkte. Während der Energiekrise entstand ein Preisschock bei landwirtschaftlichen Rohstoffen. Dieser wurde komplett an die Endverbraucher weitergegeben, begründet mit Krieg und Energiekosten. Später fielen die Futures-Preise. Die Einkaufspreise sanken. Die Verkaufspreise im Laden blieben hoch.

Hier liegt der Knotenpunkt. Wenn die Produktionskosten moderater wurden, der Endpreis aber stabil blieb, verblieb die Differenz in einer Zwischenstufe der Lieferkette. Nicht beim Landwirt oder kleinen Transporteur, sondern im Handel, bei der Distribution und bei jenen Akteuren, die die Preise halten konnten, weil niemand sie zur Senkung zwang.

Die Schlussfolgerung ist unbequem: Die Nahrungsmittelinflation wandelte sich von einem importierten Phänomen zu einer bewussten Entscheidung. Währenddessen behauptete die offizielle Erzählung weiterhin, alles liege am Ukraine-Krieg und an der Energie. Als die Energiepreise sanken, wurde die Erzählung nicht aktualisiert.

Mindestlohn, Margen und die Theorie der allgemeinen Verarmung

Ein häufiger Argumentationsstrang besagt, dass eine schnelle Erhöhung des Mindestlohns (SMI), ohne entsprechende Produktivitätssteigerung, perverse Effekte hat: Die Preise absorbieren die Lohnerhöhung, sodass Bezieher des SMI genauso arm bleiben wie zuvor, während auch jene, die etwas mehr verdienten, darunter leiden. Wer früher das Doppelte des SMI verdiente und nun fast nur noch den SMI bekommt, ist der stille Hauptverlierer dieser Phase.

Dieses Argument hat buchhalterische Logik. Wenn einem Bevölkerungssegment der Lohn in wenigen Jahren um 50 % steigt, dem Rest nur um 5–8 %, während die Preise um 40 % klettern, führt dies netto zu einer Lohnkompression nach unten. Die Mittelschicht verarmt, ohne dass ihr Bruttogehalt gesenkt wurde – durch reale Kaufkraftverluste.

Gegen diese These spricht jedoch ebenso stark: Unternehmensgewinne sind kein heiliges Gut. Einige Branchen haben ihre Gewinne trotz Kostendrucks ausgeweitet, andere mussten schließen. Unternehmensinsolvenzen erreichten 2024 mit 6.690 Fällen ein Plus von 26 %. Nicht alle Unternehmen profitierten von der Inflation; manche waren die ersten Opfer.

Steuern, Energie und Preise, die niemand senkt

Ein weiterer Schwerpunkt der Kritik betrifft die Steuerpolitik. Die Argumentation ist simpel: Nach der Pandemie wurden Sonderabgaben auf Banken und Energieversorger eingeführt, die nicht von den Unternehmen, sondern indirekt von den Kunden getragen werden. Benzinpreise sinken kaum, Bankgebühren steigen, während Spareinlagen unverzinst bleiben. Steuern werden stets auf den Endpreis umgelegt.

Der IWF warnte, dass solche Abgaben begrenzt und zeitlich befristet sein sollten. Diese Warnung ist ernst: Wird die Steuer dauerhaft, ist sie nicht mehr „außergewöhnlich“, sondern strukturell. Eine strukturelle Steuer auf konzentrierte Sektoren trifft letztlich den Verbraucher, der keine Verhandlungsmacht besitzt.

Hinzu kommt der Energieeffekt. Strompreise steigen doppelt so schnell wie die allgemeine Inflation, so Branchendaten. Jeder Prozentpunkt Energiekosten überträgt sich auf die gesamte Wertschöpfungskette, vom Transport bis zur Kühlhaltung. Die Energierechnung ist die stille Steuer, über die niemand abstimmt, die aber alle zahlen.

Würden Preise bei einer anderen Regierung sinken?

Diese Frage zieht sich durch die Debatte, hat aber keine einfache Antwort. Manche glauben, dass selbst ein Regierungswechsel die Preise nicht drücken würde, da der Mechanismus derselbe bleibt: Unternehmen erhöhen Preise, Verbraucher beschweren sich, passen sich an, und beim nächsten Schock folgt erneut eine Erhöhung. Inflation hat Trägheit, Preise fallen selten zurück.

Andere betonen messbare Unterschiede zwischen Ländern. Italien verzeichnete eine monatliche Inflation von 1 % gegenüber 3 % in Spanien. Wäre das Phänomen rein global, gäbe es keine solchen Differenzen. Nationale Fiskal- und Energiepolitik macht einen Unterschied, auch wenn sie nicht alles erklärt.

Der minimale Konsens lautet: Das Problem ist europäisch, aber seine Intensität hängt von nationalen Entscheidungen ab. Sich auf Brüssel herauszureden, erklärt nicht, warum es hier stärker wehtut.

Wo die Analyse ins Stocken gerät

Angesichts dieser Diskrepanzen hätte der Konsum einbrechen und Proteste sollten sich häufen müssen. Beides ist nicht in erwarteter Stärke eingetreten. Die Menschen haben ihren Warenkorb angepasst, Marken gewechselt, Frischwaren reduziert. Verarmung wird still verwaltet, in der Küche jedes Haushalts, ohne dass Statistiken dies vollständig abbilden.

Dort endet die Berechnung. Wir wissen, wie stark der Warenkorb steigt. Wir wissen, wie stark die Löhne steigen. Was nicht zusammenpasst, ist, warum die Lücke ohne proportionale Reaktion bestehen bleibt und wie lange private Haushalte aushalten können, bevor sie brechen.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (194 Antworten).

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