Landflucht: Zuwanderung erreicht nun auch Dörfer

Galizische Dörfer und kleine Gemeinden: Migrationsberichte außerhalb der Städte treffen auf Landflucht und demografischen Wandel.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Landflucht: Zuwanderung erreicht nun auch Dörfer
Warum sich Migration in den verlassenen Regionen Spaniens bereits bemerkbar macht

Gibt es noch einen Ort, um der Stadt zu entkommen? Diese Frage zieht sich durch eine Erzählung, die in einem galizischen Dorf mit wenigen Einwohnern beginnt – jener Art von Ort, an dem man Großeltern, Katzen und vielleicht eine Kuh erwartet – und in einer Bar endet, die von Südamerikanern betrieben wird, einem Kiosk, geführt von einer chinesischen Händlerin und ihrer vermeintlichen Tochter, sowie fünf Frauen auf dem Platz, drei davon mit Schleier. Die Älteren sind immer noch da, aber wie die Geschichte zusammenfasst, sind es diejenigen, die „nicht mehr lange bleiben werden“. Die Szene, erzählt von einem Nachbarn aus Barcelona, der seine Schwiegereltern besucht, fasst ein Unbehagen zusammen, das sich in halb ländlichem Spanien wiederholt.

Wo die Veränderungen im ländlichen Raum spürbar werden

Das Phänomen beschränkt sich nicht mehr nur auf große Städte oder deren Peripherien. Die gesammelten Berichte verorten sichtbare Veränderungen im ländlichen Raum Galiziens und Asturiens, im Hinterland Kataloniens, im Gebirge Madrids, in Extremadura, Burgos, Cáceres und Girona sowie im westlichen Almería, wo Gemeinden wie El Ejido, Vícar oder Roquetas de Mar als Zentren beschrieben werden, in denen die Bevölkerung ausländischer Herkunft ein deutliches Gewicht hat. Auch in kleinen Dörfern Granadas.

Das Neue ist nicht die Ankunft von Migranten, die seit Jahren stattfindet, sondern dass das Phänomen nun in Weilern und Dörfern mit sehr wenigen Einwohnern wahrgenommen wird, wo bis vor kurzem die einzige demografische Variable die Alterung war. Das ist der Punkt, der irritiert: das Gefühl, dass der Zeitplan um mehrere Jahrzehnte vorgezogen wurde.

Der ländliche Bus mit sechs Passagieren: ein Thermometer des Wandels

Das am häufigsten erwähnte Detail ist der Bus. Ein Anwoiner des inneren Galiziens beschreibt eine Fahrt in eine andere Gemeinde zum Einkaufen: sechs Passagiere. Zwei Frauen mit Schleier, die kein Spanisch sprachen, eine südamerikanische Passagierin mit einem kleinen Kind und zwei lokale Jugendliche, erkennbar an ihrer Kleidung. Zwei Drittel des Busses entsprachen nicht dem Bild, das der Reisende aus seiner Jugend kannte.

Hinzu kommt die Klage über den Verlust gemeinschaftlicher Bräuche: Der Erzähler vermisst, dass man grüßt und einem alten Menschen mit schweren Taschen hilft. Die Nostalgie für das zusammenhaltende Dorf koexistiert – wie die Geschichte selbst zugibt – mit der weniger freundlichen Seite des ländlichen Spaniens, wo jeder das Leben des anderen kennt und beurteilt. Beides ist gleichzeitig wahr, und diese Nuance unterscheidet die Diagnose von der Romantisierung.

Wie hoch ist der Anteil der Einwandererbevölkerung in kleinen Dörfern?

Konkrete Prozentzahlen sind der schwächste Punkt der gesamten Angelegenheit, und das sollte man sagen. Die präziseste Zahl stammt von einem Anwohner eines Dorfes in Granada: Von 1.200 Einwohnern sind etwa 200 Muslime, ein Sechstel der Bevölkerung, und er behauptet, dieser Anteil wachse jedes Jahr. Dieselbe Geschichte besagt, dass 75 % der Kinder in der Schule keinen Schinken essen, ein indirekter Indikator, der eher auffällig als streng ist.

Angesichts der Wahrnehmung, dass der tatsächliche Anteil der ausländischen Bevölkerung die offiziellen Zahlen deutlich übersteigt, wird der Vergleich mit Portugal – 10 % Einwandererbevölkerung, sehr geringer muslimischer Präsenz – als Kontrast genutzt. Es gibt auch Stimmen, die Galizien den höchsten Anteil nordafrikanischer Abstammung im Land zuschreiben, eine Behauptung, die ohne Quellenangabe erhoben wird.

Wohnraumförderung, Wiederbesiedlung und Misstrauen gegenüber Hilfen

Ein anderer Teil des Unbehagens richtet sich gegen die Wohnungspolitik. Beschrieben wird der Fall einer Gemeinde, die geförderte Wohnungen baute und sie mangels lokaler Nachfrage schließlich mit Bewohnern aus der Hauptstadt füllte. Der dahinterliegende Verdacht ist, dass es Anreize gibt – Zuschüsse, subventionierte Mieten, überlassene Wohnungen –, um die Bevölkerung im ländlichen Raum anzusiedeln, und dass diese Anreize Migranten anziehen. Dies ist eine oft wiederholte Hypothese, die niemand im Detail dokumentiert.

Die Paradoxie ist jedenfalls offensichtlich: Derselbe Staat, der jahrzehntelang das Sterben der Dörfer zuließ, steht nun unter Verdacht, sie hastig wieder zu besiedeln. Und dies zudem mit Menschen, die die lokalen Codes nicht teilen. Niemand bestreitet, dass ein Generationenwechsel nötig ist; der Konflikt beginnt bei der Frage, woher dieser kommt.

Der „Kalergi-Plan“ und unbelegte Theorien

Es kursiert auch der sogenannte „Kalergi-Plan“, die alte Verschwörungstheorie, die behauptet, es gäbe einen bewussten Plan zur Ersetzung der europäischen Bevölkerung durch Immigration. Es gibt keine dokumentarischen Beweise, die diese Lesart stützen, und so sollte man damit umgehen: als Glaube, nicht als Tatsache. Ähnlich verhält es sich mit Zahlen zur religiösen Konversion, einem Bereich, in dem Einzelfälle – Personen, die in beide Richtungen ihren Glauben wechseln – genutzt werden, um allgemeine Trends zu untermauern, die die Daten selbst nicht bestätigen können.



Wer verlässt Europa: Daten zur Rückwanderung

Als Gegenargument zur Idee eines einseitigen Flusses werden Daten zur Rückwanderung aus europäischen Ländern genannt: 376.000 in Deutschland geborene Menschen sind in die Türkei ausgewandert; etwa 30.000 in den Niederlanden Geborene haben dasselbe getan; 7.000 Niederländer wanderten nach Indonesien und mehr als 15.000 Deutsche nach Libyen und Ägypten aus. Im spanischen Fall ist das Volumen viel geringer: 4.400 in Spanien Geborene wären nach Marokko ausgewandert.

Es handelt sich um unterschiedliche Größenordnungen und Kontexte, die man nicht einfach überlagern kann, aber sie dienen einem konkreten Argument: Bevölkerungsverschiebungen sind kein Pfeil in nur eine Richtung, auch wenn das Nettoergebnis in Spanien weiterhin eine Zuwanderung ist. Die vollständige Aufschlüsselung dieser Ströme nach Ziel und Volumen ergibt ein weniger lineares Bild als der einfache Schlagzeile suggeriert.

Jahrzehntelang war das Dorf der Plan B für jene, die sich die Stadt nicht leisten konnten. Billig, ruhig und mit der Familie in der Nähe. Das ist es immer noch. Das Einzige, was sich geändert hat, ist, dass jetzt, wenn du ankommst, dir jemand den Kaffee serviert, der dort ebenfalls nicht geboren wurde und wahrscheinlich vor dir die Koffer packen wird.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (344 Antworten).

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