La Sexta gegen Sánchez: Streit um staatliche Werbung in Spanien

Die Verteilung staatlicher Werbung und ein neuer DVB-T-Kanal erklären den Kurswechsel von La Sexta gegen die spanische Regierung. Keine Theorie geht ganz auf.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Der Kurswechsel von La Sens ist keine Ideologie, es ist staatliche Werbung

Der Schwenk von La Sens gegen die spanische Regierung lässt sich besser an der Bilanz ablesen als am Stilhandbuch. Der Sender, der ein Jahrzehnt lang als Sprachrohr des linken Spektrums neben der PSOE (spanische Sozialisten) fungierte, ist inzwischen in der täglichen Kritik an der Regierung angekommen – und der Auslöser scheint keine ideologische Bekehrung zu sein. Es ist ein Kuchen. Die Verteilung der staatlichen Werbung und der Start eines neuen Free-TV-Kanals im DVB-T haben verwandelt, was wie eine redaktionelle Linie aussah, in eine Einnahmenverhandlung. Wenn der Kuchen schrumpft, kühlen Freundschaften ab.

Staatliche Werbung: der Hahn, der das Free-TV am Leben hält

Das private Free-TV lebt von Werbung, und innerhalb der Werbung gibt es einen Posten, der nicht wie der Rest mit dem Konjunkturzyklus schwankt: staatliche Kampagnen. Ministerien, Landesregierungen und Gemeinden kaufen Sendezeiten nach Kriterien, die nicht immer die Quote betreffen. Das ist stabiles Geld, und in einem Markt, in dem die großen Werbetreibenden zu den digitalen Plattformen abgewandert sind, ist dieser Posten zur Überlebenslinie mehrerer Anbieter geworden.

Deshalb hat jede Bewegung bei der Verteilung unmittelbare Folgen fürs Programm. Es wird behauptet, dass die staatliche Werbung nach Jahren der Krise und mit einem traditionellen Werbemarkt auf Minimum fast der einzige Rohstoff ist, der die Free-TV-Gruppen über Wasser hält. Wenn das stimmt, kontrolliert, wer den Hahn kontrolliert, auch den Ton.

Ein neuer Kanal in einem Markt, der nicht wächst

Der zweite Faktor ist der Eintritt. Die Zulassung eines weiteren Free-TV-Kanals im DVB-T fügt einem Markt hinzu, der nicht wächst, einen weiteren Wettbewerber: Die Gesamtzuschauerzahl des klassischen Fernsehens verteilt sich seit Jahren auf mehr Angebot und weniger Sehzeit. Es gibt keine neuen Zuschauer. Es gibt nur Umverteilung, und der sogenannte Kanal 7 will einen bereits vergebenen Anteil abgreifen.

Hier taucht die Frage auf, die niemand ganz geklärt hat: Konkurriert dieser neue Kanal mit bereits bestehenden Marken oder überschneidet er sich mit einem früheren Projekt mit blauem Logo? Die Verwirrung ist nicht gering, denn sie entscheidet, ob es sich um eine Erweiterung des Angebots oder eine bloße Verschiebung von Zuschauern und Einnahmen handelt. In einem Markt ohne Wachstum kann ein Neueinsteiger nur subtrahieren. Und wer subtrahiert, ist meist der, der schon da war.

RTVE nimmt die Zuschauer, die das Narrativ trugen

Das dritte Element ist die Zuschauerflucht. Der öffentlich-rechtliche Sender hat seine Position in Zielgruppen gestärkt, die früher die pogre Privatsender speisten. Es ist derselbe Zuschauer mit denselben Anliegen, der die Fernbedienung gewechselt hat. Wenn das Publikum geht, verliert das redaktionelle Narrativ, das es hielt, seine kommerzielle Funktion: Es verkauft nichts mehr.

Daher die Ratlosigkeit. Der Schwenk gegen die Regierung lässt sich als Flucht nach vorn lesen: Wenn das linke Publikum abgewandert ist, liegt der einzige neue Vorrat auf der anderen Seite. Die Konsequenz ist unangenehm, und manche sagen es ungeschminkt: Gegen Sánchez zu sein macht jetzt niemanden zum Guten im Film. Nur zum Opportunisten.

Der Kalender, die Schlüssel und der Präzedenzfall 2008

Politisch wird die Sache als Machtkampf um die Kontrolle des Narrativs gelesen. Die Schlüssel werden drei Akteuren zugeschrieben – dem Landespolitiker, der sich absetzt, dem Oppositionsführer, der die Wahl gewonnen hat, und den katalanischen Unabhängigkeitsbefürwortern –, und keiner rührt sich. Unterdessen ist der Chef von EH Bildu hervorgetreten, um die Regierung zu verteidigen, was viele als Zeichen deuten, dass die Alternativen nicht reif sind.

Der Ministerpräsident selbst hat das Feuer geschürt. Gefragt, ob er Neuwahlen ansagen werde, lautet die Antwort in den Interviewauszügen, dass Kollegen ihn genau darum bitten, weil sie glauben, dass er eine größere Mehrheit bekäme, und dass er nicht aus Parteiinteresse wählen lassen kann. Die Nuance, dass er zuvor gesagt hatte, „me permitirá la broma" (sinngemäß: „die Pointe wird er sich erlauben"), verbreitete sich schneller in Messenger-Gruppen als in den Nachrichten.

Der angerufene Präzedenzfall ist 2008. Damals wurde Zapateros Absturz in den Medien als Zykluswechsel gelesen, und Millionen sozialistischer Wähler verschwanden monatelang aus dem öffentlichen Raum. Niemand gab zu, für den Abgang gestimmt zu haben. Die Frage, die jetzt in der Luft liegt, ist, ob der Schwenk der Sender derselbe Mechanismus ist: das Gelände vorbereiten, bevor sich der Boden bewegt.

Wo die Analyse stockt

Es gibt Anekdoten, die die Stimmung besser zusammenfassen als jede Kolumne. In den TV-Gerüchteküchen wird spekuliert, dass das führende Satireprogramm die Präsidentenpuppe, die es schon mit dem früheren Schatzmeister der PP einsetzte, wiederbeleben könnte – diesmal gegen den Bewohner von La Moncloa (Amtssitz des Ministerpräsidenten). Die Metapher, die für die Lage des Senders kursiert, ist ein Berlin im April 45. Übertrieben, wie alle Kriegsmetaphern, aber weisend.

Ab hier stockt die Analyse. Wenn der Schwenk einer Werberechnung folgt, sollte er sich umkehren, sobald der nächste staatliche Vertrag unterschrieben ist – das passt nicht zur Intensität des Wandels. Wenn er einer internen Erneuerungsoperation der PSOE folgt, bräuchte es mehr als Talkshows: einen Misstrauensantrag, den niemand einbringt. Und wenn es reiner Quotenopportunismus ist, geht die Rechnung auch nicht auf, denn der von rechts gewonnene Zuschauer hat seit zwanzig Jahren, wo er dasselbe sehen kann. Keine der drei Erklärungen trägt ganz. Keine fällt ganz zusammen.

Auch verfügbar auf: English

Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (100 Antworten).

Weitere Zusammenfassungen

Alle Zusammenfassungen auf Deutsch →

-
Volver