La Hiruela verliert letzte offene Gemeindeversammlung in Madrid: 88 Einwohner

La Hiruela mit 88 Einwohnern verliert nach vier Jahrzehnten seine offene Gemeindeversammlung: Das Dorf verwaltet ein Budget von 573.576 €, fast 7.000 € pro Kopf, davon 350.000 € aus Zuschüssen.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

La Hiruela verliert letzte offene Gemeindeversammlung in Madrid: 88 Einwohner
La Hiruela schafft die offene Gemeindeversammlung ab: 573.000 € für 88 Einwohner

La Hiruela, eine Gemeinde mit 88 Einwohnern in der Sierra von Madrid, ist nicht mehr die einzige Gemeinde der Region, die per offener Gemeindeversammlung (concejo abierto) regiert wurde – ein spanisches System, bei dem die Bürger direkt in der Versammlung entscheiden. Vier Jahrzehnte lang regelten die Einwohner in der Vollversammlung alles, von der Verteilung der Gemeindeweiden bis zu einer Baugenehmigung. Künftig werden sie Ratsherren und Bürgermeister auf dem üblichen Weg wählen, der alle vier Jahre einen Stimmzettel in einen Blankoscheck verwandelt. Die Entscheidung wurde als Modernisierung präsentiert. Die Zahl, die fast niemand erwähnt, ist die andere: Das Gemeindebudget beläuft sich auf 573.576 Euro. Für 88 Seelen sind das fast 7.000 Euro pro Kopf.

Was die offene Gemeindeversammlung war und warum nur noch eine in Madrid übrig blieb

Es ist kein mittelalterliches Relikt außerhalb des Gesetzes, so sehr es in Postkarten-Chroniken so erzählt wird. Die spanische Verfassung verankert es in Artikel 140, das Grundgesetz über die Kommunalverwaltung entwickelt es in Artikel 29 weiter. Das Wahlgesetz von 1978 wandte es auf Gemeinden mit weniger als 25 Einwohnern an sowie auf jene, die es traditionell bereits hatten. Später wurde es unter 100 Einwohnern verpflichtend, bis das Gesetz 27/2013 zur Rationalisierung und Nachhaltigkeit der Kommunalverwaltung diese Eigenschaft abschaffte.

Seitdem erfordert die Einführung drei Dinge gleichzeitig: einen Antrag der Mehrheit der Einwohner, einen Beschluss von zwei Dritteln der Ratsherren und die Zustimmung der Autonomen Gemeinschaft. In Spanien gab es einst über tausend Gemeinden in diesem Regime. Nach der Wahlrechtsreform von 2011 blieben etwa 110, fast alle in Kastilien und León, Kastilien-La Mancha und Aragonien. La Hiruela ist keine launische Ausnahme: Sie ist das Ende eines alten und ziemlich stillen Prozesses.

Die 573.576 Euro, die niemand hergeben will

Das Budget von La Hiruela liegt bei rund 573.576 Euro, von denen etwa 350.000 als Zuweisungen vom Staat und der Comunidad de Madrid kommen. Bei 88 Einwohnern sind das fast 7.000 Euro pro Kopf. Die Zahl bringt die angenehme Erzählung ins Wanken: Wir sprechen nicht von einem Dorf, das sich mit ein paar Groschen selbst verwaltet, sondern von einem Halbe-Millionen-Betrieb, der fast vollständig von fremdem Geld abhängt.

Hier kommt der unbequeme Einwand ins Spiel. Es wird argumentiert, dass in einer offenen Gemeindeversammlung das Gegengewicht fehlt, das es in einer großen Stadtverwaltung gibt, wo die Oppositionspartei jeden Vertrag prüft, weil ihr Gehalt davon abhängt. In einer Bürgerversammlung hat die Minderheit, die eine Abstimmung mit 45 zu 43 verliert, keine öffentliche Finanzierung, um Proteste zu organisieren oder Rechnungen einzufordern. Wer gewinnt, entscheidet. Andere halten das Gegenteil dagegen: Die Verlierer bleiben Nachbarn mit Namen, Haus und Gesicht, und sie organisieren sich, ohne dass eine Partei die öffentliche Kasse verwaltet.

Der Lokalpatriarch, ein Geist, der nie verschwindet

Das offizielle Argument für die Änderung war das Bevölkerungswachstum von 54 auf 88 Einwohner. Das Detail: 88 liegt weiterhin unter 100, und nach der Reform von 2013 entscheidet die demografische Schwelle ohnehin nichts mehr: Das Regime bleibt durch Tradition und Willensentscheidung bestehen. Der Antrag, La Hiruela zum immateriellen Kulturerbe zu erklären, eingebracht von Más Madrid in der Madrider Versammlung am 26. Juli, kam nicht durch.

Beim Thema Lokalherrschaft misstrauen beide Seiten einander. Manche behaupten, die Parteienherrschaft habe das Problem nie gelöst, und es genüge, der richtigen Partei beizutreten, um mit einem Drittel der Stimmen zu schalten und zu walten, statt die Hälfte des Dorfes zu überzeugen. Andere meinen, der Lokalpatriarch entstehe nicht durch das Modell, sondern durch die Machtkonzentration und die Privatisierung des Gemeineigentums. Genau dort, genau an dieser Stelle, bleibt die Analyse stecken.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (69 Antworten).

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