Die Preisliste zum Jagen des Bödenmarkts
März 2020. Der Ibex 35 (spanischer Aktienindex) fiel unter die Marke von 7.000 Punkten, halb Europa war im Lockdown und der Ölpreis stürzte ohne Netz ab. In diesem Umfeld veröffentlichte jemand sechs Einstiegspreise — Renault zu 19 Euro, Meliá zu 3,70 Euro, IAG zu 3,90 Euro, Occidental Petroleum zu 9 Dollar, Carnival zu 15 Dollar und Las Vegas Sands im Blick bei 25 Dollar — und kündigte an, sein gesamtes Kapital einzusetzen. Nicht einen Teil: alles. Notfalls Vermögenswerte verkaufen und sogar Kredite aufnehmen, wenn der S&P 500 die Marke von 2.500 Punkten unterschreitet.
Die Wette hatte eine These. Die Gesundheitskrise sei das reinigende Feuer, das die Börse nach Jahren unbegründeter Kursanstiege wieder auf vernünftige Preise zurückführen würde. Und damit die Chance, während eines Jahrzehnts der Erholung Dividenden zu kassieren. Die erste Reaktion war Vorsicht: Zu früh dran.
Welche Kurse festgelegt wurden und warum diese
Die Zahlen waren nicht willkürlich. Renault zu 19 Euro, so die Argumentation, notierte unter dem Wert seiner eigenen Kasse, wobei die 43%ige Beteiligung an Nissan noch nicht eingerechnet war. Das Argument war schneidend: Ein Unternehmen kann nicht weniger wert sein als das Bargeld, das es hält. IAG zu 3,90 Euro — ausgeführt zu 3,95 Euro — war die Wette auf die Erholung des Luftverkehrs. Carnival zu 15 Dollar und Las Vegas Sands zu 25 Dollar spielten auf dieselbe Federkraft: zyklische Geschäfte in Kreuzfahrt, Hotellerie und Glücksspiel, zerschlagen durch den globalen Stillstand.
Die Liste enthielt eine Panikschwelle: Wenn der S&P 500 die 2.500 Punkte verliert, sollte man Enbridge und Geo Group „zu lächerlichen Preisen“ nachkaufen. Der anfängliche Konsens war ein anderer: Es fängt gerade erst an, gib ihm zwei Wochen mehr Zeit.
Renault oder das Labor für alles, was schiefgehen kann
Der französische Automobilhersteller wurde zum Fallstudienobjekt. Einstieg zu 19 Euro bei einem vorherigen Durchschnittspreis von 23 Euro und 6.000 Euro im ersten Paket. Die Begründung schien wasserdicht: Der französische Staat würde seinen industriellen Symbolwert nicht fallen lassen.
Der Einwand kam mit Präzedenzfällen auf dem Tisch. Rettung ist nicht dasselbe wie Schutz der Aktionäre. In Spanien ließen Bankia, Abengoa und Banco Popular die Insider mit totalen oder fast totalen Verlusten zurück. In den USA rettete auch die Rettung von General Motors die Aktionäre nicht. Der öffentliche Schirm stützt das Unternehmen; wer Aktien gekauft hat, geht leer aus.
Der Strom schlechter Nachrichten bestätigte das Muster. Renault beantragte bis zu 5 Milliarden Euro an Krediten, die vom französischen Staat verbürgt sind, und ein Rückgang von 90% im April wurde erwartet. Daimler beantragte 12 Milliarden. Die gesamte Branche finanzierte sich über staatliche Bürgschaften.
Dividenden: Religion für manche, Steuerfalle für andere
Mit 5.000 oder 10.000 Euro in der Tasche wandte sich die halbe Diskussion zur alten Frage: Enagás oder Red Eléctrica? Die vergleichenden Zahlen waren klar. Für die Befürworter von Enagás schüttete dieses 1,56 Euro Brutto pro Aktie aus gegenüber 1,04 Euro bei Red Eléctrica, mit mehr Erholungspotenzial und etwas Auslandsgeschäft im Gegensatz zu einem rein häuslichen Monopol.
Die optimistische Berechnung versicherte, dass gut platzierte 10.000 Euro zwischen 400 und 500 Euro netto pro Jahr an Dividenden bringen, zusätzlich zum psychologischen Effekt, die gesäten Früchte zu ernten. Die Gegenreaktion ließ nicht lange auf sich warten: Mit solchen Beträgen reicht die Dividende kaum für Kleinigkeiten und ihre Besteuerung ist schlechter als die eines Fonds, der Steueraufschub ermöglicht. Der natürliche Ausweg, insistierten sie, ist das wachsende und reinvestierende Unternehmen, nicht das ausschüttende.
Kapitalerhöhung, der Feind, den niemand kommen sah
Halbwegs kam der Schlag, den viele nicht auf dem Radar hatten. ArcelorMittal erhöhte das Kapital um 1,85 Milliarden Euro, etwa 20% einer Marktkapitalisierung von 10,5 Milliarden Euro, und erwischte die, die wenige Wochen zuvor eingestiegen waren. Die Umrechnungsbedingungen waren nicht einmal detailliert.
Die Lektion verbreitete sich schnell: In einer solchen Krise folgen Kapitalerhöhungen aufeinander und der Kleinaktionär zahlt die Party. Der oft wiederholte Filter war einfach: Suche nach Unternehmen ohne Schulden und mit Nettokasse, auch wenn das bei Nullzinsen und in großen, zyklischen Geschäften schwierig ist. Die Warnung wurde bestätigt, als S&P das Rating von IAG bei BB, Junk-Bonität, mit negativem Ausblick beließ.
Welche Gebühren und welche Kosten hat das Warten in Liquidität
Auch die Ausführung hatte ihr praktisches Kapitel. Für einen Einstieg mit 6.000 Euro lag die Spanne der Transaktionsgebühren bei kostengünstigen Plattformen bei rund 10 Euro. Das Problem war nicht der Kauf: Es war das Warten. Das Halten von Cash bei einem internationalen Broker wie Interactive Brokers kostete 1,5% p.a. auf einem gestaffelten Kontomodell. Bezahlen, um nicht zu investieren, na toll.
Die Alternative, die sich unter den Vorsichtigen durchsetzte, war simpel: Nur das im Broker halten, was man innerhalb von Tagen oder Wochen einsetzen will, und den Rest draußen lassen. Ein operatives Detail, ja, aber eines, das mitten im Achterbahnfahren den Unterschied zwischen Warten mit Puffer und Warten am Strick macht.
Die Erholung, die ohne die Realwirtschaft kam
Das makroökonomische Umfeld trieb alles voran. Die Federal Reserve injizierte liquides Geld ohne Vorbild, der US-Kongress verabschiedete ein Paket von 2 Billionen Dollar und die Indizes erholten sich kräftig. Am 13. und 17. März, als die Epidemie in Italien und Spanien bereits überhandnahm, stieg der S&P zeitweise um bis zu 10%. Wer die Erholung zu sehen glaubte, irrte: Der Ibex überschritt die 7.200 Punkte nicht, blieb bei 7.120 und fiel erneut auf 6.900.
Die späteren Daten mischten Euphorie und Kater. Carnival erreichte zeitweise 18,64 Dollar mit einem Anstieg von 34,88%. Costa Crociere kündigte die schrittweise Wiederaufnahme der Operationen am 6. September an. PSA und FCA mussten ihre Fusion neu verhandeln, und Daimler akzeptierte, 1,9 Milliarden Dollar in den USA für den Dieselskandal zu zahlen. Währenddessen erzählte die Geschichte der Realwirtschaft weiter von Kurzarbeit und Entlassungen.
Dort lag die Widersprüchlichkeit, die niemand auflöste: Die Börse stieg mit gedrucktem Geld und die Wirtschaft sank mit Menschen zu Hause, die nicht arbeiteten. Die Debatte darüber, ob man kaufen, nachkaufen oder warten soll, bleibt offen. Mit laufender Druckmaschine, wie viel dieser Erholung war echte Genesung und wie viel einfache Asset-Inflation?
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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