Krypto-ICOs: Vom Whitepaper zum Betrug oder Gewinn

Im Mai 2017 zahlte eine ICO 130 Tokens pro ETH, Tage später 532. Millionen für ein Whitepaper, gesperrte Tokens und verlorene Gebühren.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Krypto-ICOs: Vom Whitepaper zum Betrug oder Gewinn
Vom Whitepaper zum Schwindel: So wurde in ICOs investiert

Im Mai 2017 hörte Kryptogeld auf, ein Hobby von Enthusiasten zu sein, und wurde zu einer Finanzierungsmethode, die hunderte Millionen Dollar in Stunden einsammelte. Ein Jahr später begann das gleiche Ökosystem, das Whitepapers als Meisterwerke behandelte, eine unbequeme Wahrheit zu akzeptieren: Die meisten dieser Emissionen waren nicht ihren Preis wert. Projekte wurden mit Trackern, Bewertungsseiten und einer Telegram-Gruppe als einziger Referenz angekündigt. Das Geschäft funktionierte. Die Frage war nur, für wen.

Was ist eine ICO und warum konnte jeder eine starten

Eine ICO (Initial Coin Offering) ist der öffentliche Verkauf von Tokens zur Finanzierung eines Projekts, meist aufgebaut auf Smart Contracts im Ethereum-Netzwerk. Im Gegensatz zum klassischen Risikokapital erhält der Investor keine Beteiligung, kein Verwahrrecht und keine vorherige Prüfung: Er kauft einen Token gegen Ether oder Bitcoin und hofft auf Kurssteigerungen.

Diese Möglichkeit, durch die Hintertür der Tech-Finanzierung einzusteigen, erklärt das Volumen. Ein Start-up in der Seed-Phase überschreitet selten eine Million Dollar in der ersten Runde, wenn es kaum mehr als eine Idee vorweist. Im Krypto-Bereich reichten ein Dokument und eine Website mit Telegram-Kontakt, um ein Vielfaches dieser Summe zu sammeln. Jemand fasste es trocken zusammen: Hier werden Millionen für ein Whitepaper gezahlt.

Die Bedingungen, die alle Alarmglocken läuten ließen

Nicht alle Tranchen waren gleich intransparent. Einige fielen genau durch das Gegenteil auf: durch deutliche Warnsignale im Kleingedruckten. Eine Emission von 100.000.000 Tokens zu 5 Cent pro Stück wurde dokumentiert, mit Boni für Erstkäufer und der Möglichkeit, weitere 100.000.000 auszugeben, wenn die Promotoren genug Nachfrage sahen. Übersetzung: Du steigst mit einem Anteil ein und kannst mit der Hälfte rausgehen, wenn es anderen passt, den Kuchen zu erweitern.

Solche Klauseln machten Misstrauen zum Investitionskriterium. Gegen die Idee, dass sich der Markt selbst reguliert, argumentierten einige das Offensichtliche: Wenn der Emisor den Käufer nach Belieben verwässern kann, gibt es kein Vertrauen, nur Glauben.

Als Warten profitabler war als der Einstieg im Vorverkauf

Der meistzitierte Fall hat konkrete Zahlen. Eine Glücksspiel-Emission bot in ihrer ICO 1 ETH = 130 Tokens; am ersten vollständigen Handelstag zahlte der Markt 1 ETH = 532 Tokens. Wer also die Runde verpasste und später kaufte, zahlte viermal weniger. Die Schlussfolgerung war ungeschminkt: Hohe Preise im Vorverkauf zu zahlen und den Entwickler mit Hunderten Millionen in Ether und Bitcoin zu sehen, roch schlecht.

Die Kernfrage – warum braucht ein minimales Unternehmen 250 Millionen Dollar – blieb monatelang ohne überzeugende Antwort offen.

Tokens, die sich nicht aus dem Wallet bewegen ließen

Es gab auch weniger philosophische Probleme. Mehrere Anleger berichteten, dass sie ihre Tokens nicht von einem Wallet zum anderen transferieren konnten und dass fehlgeschlagene Transaktionen weiterhin Gebühren kosteten. Ein konkreter Fall: Drei verlorene Gebühren wegen eines Gas-Limits von 400.000, mit Zahlungen von jeweils 0,01 Ether. Der Vermögenswert fiel weiter, während der Nutzer mit dem Smart Contract kämpfte.

Das Detail ist relevant, weil es die Erzählung der finanziellen Selbstverwaltung entkräftet: Wenn der Transfer eines Tokens das Lesen eines englischen Tutorials erfordert und blinde Gebührenrisiken birgt, ist die Hürde nicht technisch, sondern nutzerbezogen.

Vom großen Gewinn zur Angst vor Dumping: Gesperrte Tokens

Gegen Frühjahr 2018 änderte sich der Wortschatz. Man sprach nicht mehr vom Tausendfachen, sondern von Token-Sperren, um Abstürze zu vermeiden. Es gab Projekte, die 1/12 der Coins monatlich über ein ganzes Jahr freigaben. Die Reaktion war eindeutig: Tokens ein Jahr lang gesperrt zu haben, finde ich übertrieben. Mit diesem Zeitplan kannst du nicht nur nicht verkaufen: Du hast den Vermögenswert gar nicht erst.

Das Detail ist verstörend, weil es die Entscheidung beim Emisor belässt. Der Käufer geht ein doppeltes Risiko ein: dass das Produkt nicht funktioniert und dass sein Geld gefangen bleibt, während er wartet.

Was die strengste Analyse rettet

Nicht alles war heiße Luft. Das häufigste Kriterium zur Trennung von Spreu und Weizen war einfach: Existiert ein funktionierendes Produkt? Sie haben bereits ein reales, funktionierendes Produkt, was sie meilenweit vor 99% der ICOs stellt, wurde bei einem Projekt anerkannt. Der Rest wurde an Whitepaper, Partnerschaften, Community in Telegram und Bewertungen auf Spezialseiten gemessen.

Die Entwicklung der Diskussion ging von Euphorie zur Prüfung. Und das Fazit mitten in der Korrektur ließ einen Punkt hängen: Der Emissionsmarkt verschwand nicht, er nannte sich einfach nicht mehr „großer Gewinn“, sondern „selektive Chance“.



Hinweis: Dieser Artikel dient der Information und stellt keine Anlageberatung dar. Digitale Vermögenswerte beinhalten ein hohes Risiko des Totalverlusts des Kapitals.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (665 Antworten).

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