Kriegskosten spalten Spanien: Warum Russlandsupport wächst

NATO-Ablehnung und Gaspreise verschieben die Ukraine-Debatte in Spanien. Unterstützung für Russland nimmt zu, weil Bürger die hohen Lebenshaltungskosten nicht mehr akzeptieren.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Kriegskosten spalten Spanien: Warum Russlandsupport wächst
Russland-Support im Ukraine-Krieg: Zwischen NATO-Ablehnung und Angst vor den Gaspreisen

Ein Nutzer stellt es unumwunden klar: Wer Russland so bewundert, soll dort hinziehen und dann weiterreden. Diese Provokation, inmitten der Debatte über den Ukraine-Konflikt, fasst eine der sichtbarsten Bruchlinien in der spanischen öffentlichen Meinung zusammen: Die Kluft zwischen denen, die Moskau als unbequemen Verbündeten gegen die atlantische Ordnung sehen, und jenen, die jede Unterstützung für Russland schlicht als Verrat an den eigenen Interessen betrachten.

Die Diskussion ist nicht neu, aber die Ermüdung nach fast zwei Jahren Krieg hat die Argumente umstrukturiert. Es geht nicht mehr nur um abstrakte Geopolitik. Der Gaspreis, die Stromrechnung und die Kosten beim Tanken sind als schwere Munition in die Debatte eingedrungen. Und dort verheddern sich die Positionen.

Das Argument: „Es ist nicht unser Krieg“

Ein Teil der Analyse behauptet, der Konflikt sei bis zur Einmischung der NATO kein Problem Spaniens gewesen. „Zumindest bin ich nicht pro-russisch, sondern gegen das Hineinziehen in fremde Scheiße und gegen die Unterwürfigkeit gegenüber der verdammten NATO/USA“, fasst ein Kommentar die Unzufriedenheit derer zusammen, die in der Nordatlantik-Allianz eher eine Quelle von Problemen als von Lösungen sehen. Die Grundidee: Die Ukraine sei ein „anderes korruptes Land“, das der EU beitreten will, um „auf Kosten anderer zu kassieren“, und Spanien müsse nicht dafür zahlen.

Dieser Widerstand gegen die NATO bedeute keine Sympathie für Moskau, betonen sie. „Wer profitiert eigentlich von alldem?“, fragt einer und deutet an, dass die Gewinner weder in Kiew noch in Madrid sitzen. Dies ist ein Argument, das an Boden gewonnen hat: Der Krieg als fremdes Geschäft, mit Europäern als teuren Zahlmeistern.

Der Gaspreis und die Rechnung, die wir tatsächlich bezahlen

Die Haushaltsökonomie ist zum greifbarsten Schlachtfeld geworden. „Wir kaufen unser Gas aus Algerien. Aber wenn unsere Nachbarn ihr Gas früher aus Russland bezogen und nun auch aus Algerien kaufen, beeinflusst das offensichtlich den Preis“, so eine Analyse, die den Konflikt mit der Energie-Inflation verbindet. Die Schlussfolgerung ist unbequem: Auch wenn Spanien nicht direkt vom russischen Gas abhängig ist, trifft die globale Neuordnung der Lieferketten den Geldbeutel gleichermaßen.

Ein anderer Teilnehmer geht weiter und stellt die Kosten ins Zentrum der Debatte: „Warum gibt es so viele Spinner, die ein Europa ohne Gas und Öl unterstützen?“ Der Satz, mit all seiner Last, zeigt auf einen Widerspruch, den viele wahrnehmen: Sanktionen verteidigen, die das Leben verteuern, während man von Energien abhängt, die man nicht kontrolliert.

Das Argument wird durch die Preisentwicklung gestützt. „Alles wird immer teurer, Kraftstoff doppelt so teuer“, fasst ein Kommentar zusammen, der den Krieg direkt mit dem Verfall der Kaufkraft verbindet. Die Frage, wer den Konflikt begonnen hat, kreuzt sich hiermit mit einer prosaischeren Frage: Wer zahlt die Zeche?

Die NATO als Schuldiger und die Ukraine als Stellvertreter

Für einen Teil der Analyse liegt die westliche Verantwortung auf der Hand. „Ohne die Unterstützung der NATO hätte sich die Ukraine innerhalb von zwei Wochen ergeben. Daher ist die Kriegsschuld auch bei der NATO“, argumentiert ein Teilnehmer. Die These des Stellvertreters – die Ukraine als Instrument zur Schwächung Russlands – taucht wiederholt auf: „Die Ukraine ist ein NATO-Stellvertreter, um Russland zu schwächen, und das haben selbst Dummköpfe begriffen.“

Die Antwort aus dem anderen Lager ist ebenso deutlich: „Der Angriff wurde von Russland gestartet.“ Eine Erinnerung, die jede Äquidistanz entkräften soll. Doch selbst der Schreiber räumt ein, „vollkommen einverstanden“ mit der NATO-Ablehnung zu sein, was zeigt, wie tief der Anti-Atlantizismus das gesamte Spektrum durchzieht.

Doppelte Standards und selektive Erinnerung

Eines der am häufigsten wiederholten Argumente zielt auf die Inkonsistenz des Westens. „Wo wart ihr, als Ukrainer Menschen im Donbas massakrierten? Wo wart ihr, als über 100 Menschen in Odessa lebendig verbrannt wurden?“, fragt ein Kommentar und wirft den Kritikern sarracena Selektivität vor. Der Verweis auf das Massaker von Odessa und die Bombardierungen im Donbas dient als Beweis, dass auch die ukrainische Seite nicht sauber ist.

Die Gegenargumentation kommt mit Daten: „Welches Massaker im Donbas, wenn ein Großteil der Toten Soldaten beider Seiten sind?“ Die Diskussion verheddert sich in Zahlen und Zuschreibungen, mit gegenseitigen Vorwürfen der Manipulation. Im Hintergrund steht die Frage, die niemand ganz beantwortet: Zählen alle Toten oder nur die, die zum Narrativ passen?

Verschleiß der Erzählung und Kriegsmüdigkeit

Die Unterhaltung ist in einen breiteren Skeptizismus abgeglitten. „Europa lebt in einer Diktatur des grünen, LGBTI-freundlichen Denkens, das weiße Supremacisten zerstört“, behauptet ein Teilnehmer, der Russen bevorzugt. Dies ist eine Erklärung, die Ablehnung von Interventionismus mit tieferem kulturellem Unbehagen mischt.

Andere deuten direkt auf die Müdigkeit hin: „Nach dem Bicho [Anspielung auf Corona] ist klar, dass man das Wespennest aufrührt, damit uns endlich alle umbringen.“ Der Verweis auf die Pandemie als Präzedenzfall globaler Manipulation verbindet sich mit Theorien, die im Krieg einen weiteren Schritt Richtung „Weltregierung“ sehen. Diese Positionen, wenn auch Minderheitenmeinungen, kursieren mit gewisser Straflosigkeit in der Debatte.

Was wird in der Ukraine entschieden, das Spanien betrifft?

Jenseits der ideologischen Gräben liegt eine praktische Frage zugrunde: Was gewinnt Spanien dabei? „Ich bin für Spanien. USA, Ukraine und Russland sind mir egal. Aber ihr NATO-Anhänger habt uns in einen Krieg hineingezogen“, fasst ein Kommentar zusammen und fordert Kohärenz. Die Kritik richtet sich weniger gegen Russland als gegen jene, die sich ohne Rückfrage auf eine Seite geschlagen haben.

Die Diskussion über Waffenlieferungen, Sanktionen und europäische Aufrüstung bleibt offen. Niemand scheint eine Antwort zu haben, die alle zufriedenstellt. Und währenddessen kommt die Rechnung jeden Monat weiter.



Am Ende beantwortet sich die Anfangsfrage – warum manche Russland unterstützen – von selbst: Weil andere die NATO nicht unterstützen. An dieser Schnittstelle wird der Krieg zum Spiegelbild der eigenen gesellschaftlichen Risse.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (190 Antworten).

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